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sortimenterbrief April 2019

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Das österreichische Branchenmagazin für Buchmarkt, Buchverkauf und Buchwerbung. Ausgabe April 2019

Ossi Hejlek besuchte

Ossi Hejlek besuchte Gudrun Suchanek in ihrer Buchhandlung in Altaussee Buch & Boot – ein Ort, wo sich auch die Zweiheimischen besonders wohlfühlen Sie haben einen ganz besonderen Platz aus Ihrer Buchhandlung gemacht ...? Suchanek: Altaussee ist schon ein besonderer Ort, der für die Literatur ein wichtiger Platz in Österreich war und auch heute ist. Ganz besonders stolz sind wir natürlich auf die hier lebende Schriftstellerin Barbara Frischmuth; Franz Winter lebt in der Nähe in Grundlsee, oder auch Alfred Komarek hat eine besondere Bedeutung für das Ausseerland. Man traf sich auch in der Vergangenheit gerne hier zur Sommerfrische, genoss das Flair, tauchte in die Ruhe ein und genoss die dadurch entstehende Schaffenskraft, um literarische Texte entstehen zu lassen. Man denke nur an Hugo von Hofmannsthal oder Jakob Wassermann. Ganz besonders wird auch die Altaussee- Krimireihe von Herbert Dutzler bei den Gästen geschätzt. Franzobel ist immer wieder hier zu Gast. Schauspieler, die stark mit der Literatur verbunden sind, leben hier – Elisabeth Orth, Cornelius Obonya. Und sie bringen sich auch in den literarischen Alltag hier durch Lesungen mit ein. Nicht vergessen darf man auf den großen hier ansässigen Klaus Maria Brandauer. Altaussee ist sein Geburtsort. Wir haben eine persönliche Freundschaft, er kauft bei mir seine Bücher und macht auch ab und an Veranstaltungen in meiner Buchhandlung. Und auch Dr. Hannes Androsch kommt immer wieder als Kunde zu mir. Es gelang Ihnen also auch einen Ort der Begegnung zu schaffen ...? Suchanek: Mit Sicherheit. Buch & Boot lebt – das freut mich ganz besonders. © alle Fotos: Verlagsbüro Schwarzer/Urban 68 sortimenterbrief 4/19

Ich führe meine Buchhandlung seit mittlerweile sechs Jahren. Ich hatte das große Glück, dass mir meine Mutter die Kultur und die Literatur schon in Kindheitstagen sehr nahegebracht hat. Das wurde für mich zum Lebenselixier. Was haben Sie gemacht, bevor Sie die Buchhandlung eröffneten? Suchanek: Ich wuchs im Ausseerland auf, machte eine Fotografenlehre in Bad Aussee, ging danach nach München und arbeitete dort als Fotografin. Mein Mann machte sich dann mit einer Tischlerei in Bayern selbstständig. Ich arbeitete bald mit und widmete mich der Familie. Und irgendwann realisierte sich dann der Traum von der eigenen Buchhandlung. Ihr Mann bringt das Boot in den Firmennamen mit? Suchanek: Das ist ein ganz wichtiger Bestandteil. Er baut Holzruderboote und die für das Ausseerland so markanten Plätten. Wer am Altausseer See eine geruderte Plättenfahrt machen oder eine kulinarische Ausfahrt genießen möchte, kann das über uns buchen. Die Symbiose von Buch & Boot ist uns geglückt. Raoul Auernheimer bezeichnete gerne den Altausseer See als „Tintenfass, in dem die Dichter ihre Federkiele eintauchen“. Es ist ein großes Ganzes hier, das die Literatur im Herzen trägt. Neben vielen anderen touristischen Feinheiten. Natürlich muss man hier auch das von Barbara Frischmuth ins Leben gerufene Literaturmuseum in Altaussee erwähnen. Welche Rolle spielen die Touristen für Ihre Buchhandlung? Suchanek: Altaussee hat viele Zweiheimische – ehemalige Gäste, die sich hier irgendwann ihren Traum einer Wohnung oder eines Hauses erfüllt haben. Für sie ist Altaussee ein zweites Zuhause geworden. Sie kommen zum Schmökern, zum Schauen, zum Lesen und kaufen gerne Bücher. Ja, bei mir fühlen sich auch die Zweiheimischen wohl. Wenn man in Ihr Geschäft kommt, fühlt man sich sofort wohl und man kann auf Entdeckungstour gehen ... Suchanek: Das schätzen meine Kunden sehr – und ich mache das auch gerne. Meine Buchhandlung ist mein Leben. Für viele Gäste ist der Besuch bei mir fixer Bestandteil ihres Aufenthalts hier. Ich versuche authentisch zu bleiben. Das spürt man vielleicht. Besonders freut es mich jedes Jahr, wenn ich im Dezember Zuschriften und Bestellungen von Gästen erhalte, die um die Weihnachtszeit nach Altaussee kommen – teilweise den Heiligen Abend hier feiern. Die Listen arbeite ich ab, die Bücher verpacke ich – und am 23. oder 24. Dezember kommen dann die Gäste und holen die Geschenke. Unterm Jahr kaufen sie zum Beispiel in Wien. Wenn sie dann hierherkommen, bei mir. Das ist doch eine tolle Sache. brancheninterview Buch & Boot als ein Teil der Weihnachtstradition? Suchanek: Und zwischen den Feiertagen mache ich dann Lesungen, wo ich meine Stammgäste aus Nah und Fern wiedersehe. Eine Salzburger Politikerin, die immer wieder hier Urlaub macht, sagte mir: „Wenn ich nach Altaussee komme, ist es eine Verpflichtung für mich, bei Ihnen Bücher zu kaufen.“ Wie nehmen Sie den Lesenachwuchs wahr? Suchanek: Die Kinder dürfen jederzeit zu mir kommen. Sie kommen ohne Eltern, blättern in den Büchern, lesen ... Unlängst fragten mich zwei Mädchen, ob sie den Kleineren vorlesen durften. Das gefiel mir und wurde gleich umgesetzt. Wie sieht die Zukunft aus? Suchanek: Ich denke oft darüber nach, wie Jugendliche mit der Sprache umgehen. Ich befürchte, dass diesbezüglich gerade viel verloren geht. Wenn wir aber den Kindern und Jugendlichen das Lesen ans Herz legen und ihnen zeigen, in welch wunderbare Welt sie da eintauchen, können wir viel bewegen. Online mache ich mir keine Sorgen. Ich bekomme über meinen Onlineshop Bestellungen aus ganz Österreich und aus dem Ausland – viele davon Gäste, die im letzten Urlaub hier waren ... Danke für das Gespräch! sortimenterbrief 4/19 69


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