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sortimenterbrief Jänner 2022

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Das österreichische Branchenmagazin für Buchmarkt, Buchverkauf und Buchwerbung. Ausgabe Januar 2022.

© Stefan Diesner Ossi

© Stefan Diesner Ossi Hejlek im Gespräch mit Christian Klinger Triest 1914. Der Auftakt zu einer neuen historischen Krimireihe Wie fanden Sie Ihre Liebe zu Triest? Der Stadt, in der bereits Ihr 2020 erschienener Roman Die Liebenden von der Piazza Oberdan (Picus) spielte ... hier werden auch Ihre drei kommenden Kriminalromane ihr erzählerisches Zuhause finden ... Klinger: Triest ist für mich kein One-Night-Stand – diese Stadt ist für mich eine herbe Geliebte mit durchaus sprödem Charme. Je länger man an der Fassade kratzt, umso mehr verfällt man Triest. Ich kenne und bereise Norditalien seit meiner Kindheit – in späteren Jahren auch durch Reisen mit meinen Kindern. Triest jedoch kannte ich nur vom Schild am Autobahnkreuz in Palmanova, bei dem wir stets rechts fuhren – Richtung Venedig, Mailand. Als ich dann doch der Stadt meinen ersten Besuch abstattete, war ich maßlos enttäuscht. Ich erwartete eine Hafenstadt mit verwinkelten Gassen – ein Neapel des Nordens. Was ich vorfand, erinnerte mich an die Ausgabe eines Wiener Verwaltungsbezirks – nur eben mit Meerzugang. Ich gab Triest aber noch eine zweite und eine dritte Chance ... verliebt habe ich mich aber erst bei einem Besuch im Winter. Die Stadt begann, ihre Faszination über mich auszubereiten, und in mir wuchs das Interesse an ihrer Geschichte. Ich vertiefte mich in Literatur, war sehr erstaunt und beeindruckt über die historischen Besonderheiten – auch basierend auf der jahrhundertelangen Verflechtung mit der Habsburger Monarchie. Irgendwann wuchs die Liebe so stark, dass Sie sogar nach einer Zweitwohnung in Triest suchten? Gelang Ihnen das Vorhaben? Klinger: Wer nicht gerade einen Palazzo sucht, findet in Triest noch Wohnungen, die an ein Preisniveau erinnern, das wir hierzulande vor etwa 30 Jahren hatten. Ich wurde auch fündig. Bis zu diesem Zeitpunkt spielten alle meine Krimis immer in Wien. Jetzt begann durch die neue Umgebung, das Verlangen zu sprießen, über Triest zu schreiben. Meine damalige Bibel für den Alltag war der Reiseführer von Mauro Covacich, Triest verkehrt: Fünfzehn Spaziergänge in der Stadt des Windes. Er inspirierte mich auch zu meinem Roman Die Liebenden von der Piazza Oberdan. Ich recherchierte für dieses Buch fast drei Jahre lang. Advertorial Triest wurde ja schon mehrfach als literarischer Schauplatz ausgewählt, auch für Krimis ... 52 sortimenterbrief 1/22

Klinger: Es ist eine Stadt, die einen fesselt, die Geschichten entstehen lässt. Für die kommenden Kriminalromane bildet Triest den Hintergrund für meinen historischen Ermittler Gaetano Lamprecht. Historische Kriminalgeschichten – das ist das Alleinstellungsmerkmal. Triest war vor allem in der Monarchie ein wahnsinniger Schmelztiegel der Nationen – man liest von über 80 Nationalitäten. Die Stadt war in der Monarchie eine Art Europa im Kleinen. Österreich und Italien spiegeln sich auch in der Herkunft von Gaetano Lamprecht wider: eine temperamentvolle italienische Mutter und ein sehr kaisertreuer Vater aus Graz. Wie würden Sie den Charakter Ihres Ermittlers beschreiben? Klinger: Er ist alles andere als behäbig. Lamprecht ist jung und dynamisch – auch ein Radsportler, der gerne beim Giro d’Italia starten würde, der seit 1909 in Italien ausgetragen wird. Ich wollte mit ihm eine noch nie dagewesene Ermittlerfigur schaffen. Die sportliche Konstitution kommt Lamprecht im Zuge seiner Ermittlungen immer wieder zugute. Lamprecht ist Italiener? Klinger: Er wurde in Triest geboren. Die Familie zog nach Wien, da der Vater einen guten Job in Aussicht hatte. Lamprecht maturierte in der Wasagasse, machte Einjährig-Freiwillig beim Militär und begann, in Wien zu studieren. Eine unglückliche Liebe führt zu einer Katastrophe, die zur Folge hatte, dass die Familie wieder nach Triest zurückkehrte. Gaetano Lamprecht begab sich in den Polizeidienst. Im Jahr 1914 – das Jahr, in dem die Geschichte spielt – ist er 27 Jahre alt. Wie kam es zum Plot des ersten Kriminalromans – es sollen ja noch weitere mit Gaetano Lamprecht folgen? Klinger: Der österreichische Thronfolger, Franz Ferdinand, war durchaus an den Vorkommnissen in Italien interessiert, war auch bei den Balkan- Manövern im Frühjahr 1914. Von Triest Christian Klinger Ein Giro in Triest Gaetano Lamprecht ermittelt ca. 296 Seiten, Hardcover, 978-3-7117-2116-7 € 20,– | Picus Verlag, ET: Anfang März brach er dann nach Sarajevo auf, wo er dem Attentat zum Opfer fiel. Ich wollte im Roman nicht das Attentat ausbreiten. In der Geschichte geht es um eine Erpressung der Krone, wo man damit droht, die Särge der Verblichenen – des Erzherzogs Franz Ferdinand und seiner Gemahlin Sophie Chotek – verschwinden zu lassen. Lamprecht war mit den Ermittlungen zu einem vermeintlichen Selbstmord eines jungen Soldaten befasst, als sich das Attentat ereignete. Lamprecht erhielt von der Statthalterei den Auftrag, sich im Komitee zur Befreiung Triests umzusehen, von wo aus zuvor bereits politische Drohungen ausgesprochen worden waren. Das Zeitfenster der Ermittlungen ist im ersten Buch ein sehr enges. Lamprecht hat für seine Ermittlungen nur eine knappe Woche Zeit. Vom Attentat am 28. Juni 2014 bis zur Verschiffung der Särge am 2. Juli. Es ist aber kein politischer Krimi? krimispannung in triest Klinger: Ganz und gar nicht. Ich zeige nur auf, wie eine Katastrophe zur nächsten führt. Es ist ein klassischer Kriminalroman. Wir befinden uns damals im Zeitalter der Moderne – der industriellen Revolution –, viele bahnbrechende Erfindungen wurden gemacht. Eigentlich war es gar nicht vorstellbar, wieder in einen Krieg einzutreten. Wie gesagt: Triest war damals ein Wien im Kleinen. Vice versa holte man Triestiner Ingenieure nach Wien, die Triest elektrifiziert hatten. Die Provinzen waren in manchen Bereichen Wien ein, zwei Jahre voraus. War das Recherchieren des örtlichen Umfelds beim nun zweiten in Triest spielenden Buch leichter? Klinger: Lustigerweise verändert es sich sehr. In Die Liebenden der Piazza Oberdan kann man noch eine große Detailverliebtheit erkennen. Beim Schreiben von Ein Giro in Triest war alles für mich schon viel selbstverständlicher. Picus hat in der Vorschau, neben Ein Giro in Triest für März dieses Jahres, auch schon zwei weitere Bände angekündigt: Die Geister von Triest für Herbst 2023 und Eine Corsa in Triest für Herbst 2024 ... Klinger: Die Geister von Triest werden zeitlich in etwa dort anschließen, wo der aktuelle Band endet. Geplant sind im Moment drei Krimis. Mein Plan sieht sieben bis acht Bände vor, die Lamprecht sukzessive ins Jahr 1945 begleiten. Vielen Dank für das Gespräch! Herbst 2023 Herbst 2024 sortimenterbrief 1/22 53


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