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sortimenterbrief juli 2026

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Das österreichische Branchenmagazin für Buchmarkt, Buchverkauf und Buchwerbung. Ausgabe Juli 2026

Wie ging es bei Hueber

Wie ging es bei Hueber weiter? v. l.: Verlegerin Michaela Hueber, Sylvia Tobias Ossi Hejlek im Gespräch mit Geschäftsführerin Vertrieb, Marketing, Presse bei Hueber Sylvia Tobias Eine Legende verlässt das Gelände. Sylvia Tobias verabschiedet sich nach 37 Jahren Hueber in den Fast-Ruhestand Sie sind seit 1989 bei Hueber - 37 Jahre, eine halbe Ewigkeit. Wie kamen Sie in die Buchbranche, wie zu Hueber? © Hueber Verlag Tobias: Ich habe normal mein Abi gemacht. Danach beschloss ich, nicht sofort studieren zu wollen, entschied mich für eine Buchhandelslehre. Ich begann, bei Tobias Dannheimer in Kempten zu arbeiten. Eigentlich wollte er gar keinen Lehrling einstellen. Dass er mit Vornamen und ich mit Nachnamen Tobias hieß, erachtete er jedoch als Wink des Schicksals und nahm mich auf. Nach meiner Lehre durfte ich den Taschenbuchladen in Kempten führen. Das schöne Buchhändlerinnen-Leben machte mir viel Spaß. Ich dachte aber, wenn ich jetzt nicht studiere, mache ich es nie wieder. Also begann ich, Deutsch und Französisch für Lehramt und Magister zu studieren. Als ich fertig war, stand ich vor der Entscheidung, Schüler:innen im Unterricht ärgern zu gehen oder ins Verlagswesen einzusteigen, was gut zu meiner Buchhandelsvergangenheit passte. Also bewarb ich mich blind bei Hueber. Siehe da, man wollte mich und ich plante mal fünf Jahre ein. Dass es letztendlich 37 Jahre werden würden, damit hätte niemand und ich am wenigsten gerechnet. Tobias: Ich begann, mich zu Beginn meiner Anstellung um den Buchhandel zu kümmern. Mit diesem unterhielt man damals zwar keine sehr intensiven Kooperationen, spürte aber, dass sich etwas Schönes und Langfristiges entwickeln könnte. Ich hatte dann das Glück, unterschiedliche Bereiche im Haus kennenzulernen. Sogar Betriebsrätin war ich. Ich wurde Vertriebsleiterin für Deutschland, Österreich und die Schweiz, später kam das Marketing dazu. Alle paar Jahrzehnte gesellte sich etwas Neues zu meinem Verantwortungsbereich (lacht)! Dann kam der Außendienst im DACH- Raum hinzu. Marketing und Vertrieb fand ich immer besonders spannend. Irgendwann kamen dann auch noch die Auslandsaktivitäten von Hueber auf mich zu. Wie war das Verlagsgeschäft bei Hueber, als Sie begannen? Tobias: Als ich zu Hueber kam, war der Verlag Monopolist im Bereich der Erwachsenenbildung in den Volkshochschulen - Englisch für Sie, Französisch für Sie ... Wir hatten keine Konkurrenz. Ich begann dann mit einem Kollegen, den Bereich „Autonomes Lernen“ aufzubauen, durfte auch redaktionell mitmischen ... Als wir einander vor vielen Jahren begegneten, lernte ich Sie als besonders buchhandelsaffin kennen - das hat über die Jahre nie abgenommen, egal welche Umsatzgranaten links und rechts des Weges ihre Umsatzhäuser in Stellung brachten ... Wie hat sich der Buchhandel verändert? Tobias: Ich trug die Wünsche und Sorgen des Buchhandels immer am Herzen. Der Buchhandel war und ist der Partner, wenn es um die Verfügbarkeit von Titeln geht. Das wurde über die Jahre auch stärker. Früher war das Miteinander, das Ausprobieren, das Sich-für-Warengruppen-Einsetzen ... stärker. Wir unter- 30 sortimenterbrief 07-08/26

»gemeinsam sind wir stärker« hielten mit vielen Buchhandlungen Kooperationen, machten sie zu Informationspunkten für Lehrkräfte - versuchten, den Druck von außen zu erzeugen, die Lehrkräfte in den Buchhandel zu bringen. Das hat damals großartig funktioniert. Wenn man den Bereich Sprachen heute betrachtet - wo findet man den noch in den Geschäften? Und trotzdem machen wir auch heute noch rund 90 % unseres Umsatzes über den Buchhandel. Der Buchhandel hat eine wichtige Aufgabe durch seine Beratung in Richtung Endkund:innen ... Was würden Sie sich vom Buchhandel zu Ihrem Abschied wünschen? Tobias: Ich glaube, dass heute, wie damals, mit Sprache gutes Geld zu verdienen ist. Auch für den Buchhandel! Ich verstehe schon, dass sich die Zeit geändert hat, viele Angebote in den Onlinebereich abwanderten. Die Erfahrung, die ich stets machte, ist, dass man eine gewisse Auswahl im Geschäft vorrätig haben muss, damit es die Konsument:innen auch wahrnehmen. Dort informieren sie sich - insbesondere gerne vor Ort. Das betrifft wahrscheinlich auch viele andere Sparten. Klar bindet das Geld - aber ich bin davon überzeugt, dass Hueber pro futuro intensive Kooperationen begrüßt und gerne unterstützt ... Wie gesagt, gemeinsam sind wir stärker! Welcher Bereich des Hueber-Programms ist der am stärksten nachgefragte? Tobias: Das ist DAZ - Deutsch als Zweitsprache. Der Buchhandel ist dabei ein sehr zuverlässiger Distributor. Der Verkauf bewegt sich dabei in Wellen. Er ist auch von den Sparmaßnahmen bei Integrationskursen abhängig. Jeder, der Sprachen lernt, braucht begleitend Grammatik, Wortschatz, Übungsmaterialien etc. Natürlich ist es so, dass viele dieser Produkte heute auch online bestellt werden, da in den Onlineshops das Angebot entsprechend mannigfaltig ist. Und wenn ich Onlineshops sage, meine ich natürlich auch diejenigen der Buchhändler. Aber da ist die Konkurrenz nur einen Mausklick entfernt - das wissen wir ja. Gleichzeitig sind Online-Lernprogramme entstanden, die regen Zulauf haben. Das Goethe-Institut (GI) erreicht im Rahmen seiner weltweiten Bildungsarbeit und durch Kooperationen mit Schulen rund 13,4 Millionen Deutschlernende. An den eigenen physischen und digitalen Kursen des Instituts nehmen jährlich etwa 270.000 bis 330.000 Lernende teil. Man muss sich die Frage stellen, was man will. Möchte man eine Sprache fürs Leben erlernen, sich eine Basis und ein Gerüst zulegen, auf das man aufbauen kann ... oder will man sich für den nächsten Urlaub ein paar Fachkenntnisse aneignen. Kann es sein, dass sich die Konsument:innen geändert haben? Dass gerade diese Sprachenlern-Snacks heute genau richtig sind? Tobias: Wie gesagt - ja nachdem, was ich will. Andererseits hat man erkannt, dass es einen vor Demenz schützt, wenn man eine Sprache oder ein Instrument lernt. In meinem privaten Umfeld lernen viele Menschen Sprachen - gerade im fortgeschrittenen Alter! Ich selbst habe jetzt begonnen, Arabisch zu lernen. Wie hat sich denn Hueber in den 37 Jahren entwickelt? Tobias: Wir hatten damals ein Buch für die ganze Welt. Ich war sehr erstaunt, dass man sich ans Faxgerät stellte und auf Bestellungen aus aller Welt wartete. Themen war der Bestseller für die ganze Welt. Das gibt es heute gar nicht mehr. Heute ist es eher für jede Region oder jedes Land ein Buch. Auch ist der Anteil der Medienwelt gegenüber dem Buch massiv gewachsen: Interaktive Versionen, Videos, man hat Games, es gibt viele Produkte für Lehrkräfte, um ihnen den Alltag zu erleichtern etc. Das Unterfangen ist ein sehr komplexes geworden. Und je stärker die Verzweigung der Produktwelten, umso geringer die Rendite ... Man muss sich heute bei der Produktentwicklung wie auch bei Vertrieb und Marketing extrem anstrengen. Mit den digitalen Medien stieg bei uns im Haus auch der Service-Anteil stark an. Hueber unterhält ja auch Dependancen auf der ganzen Welt. Tobias: Das stimmt - Hueber ist in rund 60 Ländern aktiv. Wir entwickeln gerade ein Lehrwerk für das Goethe Institut - für die Subsahara-Zone. Das gehörte auch ein wenig zu meinen Aufgaben - Sonderprojekte dieser Art für Hueber zu realisieren. Hueber beschäftigt etwa 120 Personen und macht weltweit einen Umsatz von rund 30 Millionen Euro. Unser Hauptgebiet ist die Erwachsenenbildung. Sind die Erfahrungen, die Sie mit den Produkten machen, überall auf der Welt vergleichbar? Tobias: Gar nicht. In Korea starteten wir von den digitalen Produkten aus, in der Subsahara-Zone will man Audiodateien. Skandinavien war ja sehr vorauseilend, was die digitalen Welten betraf. Hybride Welten, die bei uns bevorzugt werden, wollten sie nicht mehr. Und siehe da, jetzt rudern sie wieder zurück, weil Überprüfungen des Lernfortschritts ergaben, dass die Ergebnisse sich massiv verschlechterten. Natürlich versucht Hueber, auch im Bereich der KI Lösungen zu finden - für Lehrende wie auch für Lernende. Und mit Ende Juni ist tatsächlich Schluss? Tobias: Jein (lacht). Im Verlag höre ich auf. Ich werde aber zwei Tage pro Woche weiterarbeiten. Die Hueber Akademie kaufte Ende 2025 CDC Mexiko. Dabei geht es um hochqualifiziertes medizinisches Fachpersonal aus Mexiko und Kolumbien für den deutschen Arbeitsmarkt. Ich zähle den Auf- und Ausbau der Kooperationen zu meinen künftigen Aufgaben. Alles Gute und danke für das Gespräch! sortimenterbrief 07-08/26 31


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