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sortimenterbrief juli 2026

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Das österreichische Branchenmagazin für Buchmarkt, Buchverkauf und Buchwerbung. Ausgabe Juli 2026

buchrezensionen

buchrezensionen www.barbara-brunner.at Die aktuellen Lesetipps von Dr. Barbara Brunner Liebe Leute, Heimat. Die Rückkehr ist der Titel des zweiten Bandes, in dem sich August Schmölzer wieder dem beschaulichen Mikrokosmos seines fiktiven Dorfes St. Vinzenz widmet. Der Beginn ist - wie könnte es anders sein - Idylle pur. Wir erinnern uns an den pensionierten Gendarmen Josef Sudy: Er hat der alten Franziska Klug ihren Sommerhansl-Hof im Dreiländereck Slowenien, Kärnten und der Steiermark auf Leibrente abgekauft und lebt jetzt mit ihr in zufriedener Zweisamkeit. Ostern steht vor der Tür, Speckseiten und Schinken werden geräuchert, Osterbräuche zelebriert und August Schmölzer lässt Josef Sudy darüber sinnieren, was wirklich wichtig ist oder sein sollte auf der Welt. Diese scheint am Sommerhansl-Hof im Augenblick auch im Lot zu sein: Josefs Freundin Karin will ihn tatsächlich heiraten, und alle freuen sich auf eine traute Dreisamkeit mit der lebensklugen Franziska samt Dackel am Hof. Jedoch: Josef wird immer wieder von den Dämonen seiner Kindheit eingeholt. Sein Selbstwertgefühl hat kräftige Kratzer, die er mit erhöhtem Schilcher-Konsum zu übertünchen versucht … Überhaupt ist der gesellschaftlich akzeptierte Alkoholismus in der Gegend ein Thema! Als Josef nach einem selbst verursachten Moped-Unfall im Spital in Deutschlandsberg landet, wird er von der liebestollen Schwester Irmi statt mit Notfalltropfen lieber gleich mit © Veronika Erhart-Schmölzer Schnaps aus ihrem Flachmann versorgt. Und der Besuch der Honoratioren von St. Vinzenz am Krankenbett gerät zu einem veritablen Saufgelage mit Musik. Dieser Roman ist nicht nur aufgrund der bewusst überzeichneten Personen heiter. August Schmölzer reizt Klischees aus und lässt boshaften Assoziationen bei den Namen seiner Protagonisten freien Lauf. So heißt der Pfarrer, der die örtliche Theatergruppe leitet, Schwintzerl und er verfasst selbst Stücke unter dem Pseudonym Claudius Groß, und natürlich hat die Pfarrersköchin Resi auch noch einen „Nebenjob“. Der Bürgermeister namens Lukas Loch hat nicht nur die Lokalpolitik, sondern auch seine Ehefrau so satt, sodass er in seiner Sekretärin Erni scheinbar die Rettung sieht. Der geschäftstüchtige Weinbau- und Tourismusobmann heißt Trippler und die Heimatdichterin Lotti Schmerzbauer - nomen est omen, wenn man Proben ihrer Dichtkunst liest. Und dann ist da noch der berühmte Sohn des Ortes, der Autor Paul Himmel, eben mit dem Alterativen Nobelpreis für Literatur gesegnet, der nach 60 Jahren das Dorf seiner Kindheit besuchen wird. Ein Ruck geht durch St.Vinzenz, man will dem Jubilar einen würdigen Empfang bereiten - Musikkapelle, Feuerwehr, Landeshauptmann und Pfarrer Schwintzerls Theatergruppe stehen bereit, auch Alfi Kindl, der rasende Lokalreporter, hat Kamera und Stift gezückt, eine toxische Mischung aus Dilettantismus, Eitelkeit, Geltungssucht und Selbstüberschätzung der örtlichen Honoratioren gerät zu einem Allegro furioso eines Dorffestes, das nur deshalb nicht gänzlich danebengeht, weil das Ende im Gasthaus in einem Sauf- und Fressgelage enden darf. Zu- August Schmölzer Heimat. Die Rückkehr 240 Seiten Hardcover 978-3-903575-84-4 € 24,- edition keiper ET: 15. September mindest darauf ist immer Verlass! Was zeigt uns der Roman: Gier nach Geld und Ruhm, Borniertheit und „schlampige Verhältnisse“, Dummheit und Hinterhältigkeit finden sich im Großen ebenso wie im Mikrokosmos dieses Dorfes. Aber dieses Buch hat auch viele berührende, tröstliche Momente: Wie die syrische Flüchtlingsfamilie das Dorfwirtshaus übernehmen kann und bald von der Bevölkerung akzeptiert wird, wie die örtlichen Polizisten Probleme mit zwei jungen Lausbuben und mit dem alten Lausbuben Josef Sudy menschlich lösen, wie Franziska Klug mit ihren 92 Jahren noch einen Sohn findet - das alles erwärmt das Herz. Und dass am Ende noch Josef und Karins Hochzeit gefeiert wird, zeigt, dass die Dorfgemeinschaft auch gelungene Feste feiern kann, dass es allen Widrigkeiten zum Trotz Gemeinschaft geben kann. August Schmölzer ist ein Roman gelungen, der witzige und ernste Geschichten gekonnt mischt, der seiner ländlichen Lebenswelt, der Weststeiermark, ein Denkmal setzt, ein Denkmal, das er sichtlich verehrt und liebt, aber an dem er auch mit Vergnügen kräftig kratzt. Und noch ein Tipp zum Schluss: Lesen Sie dieses Buch, aber lesen Sie es nicht, wenn Sie schon hungrig sind. Weil es wird so oft gekocht, gebraten und gebacken und dazu noch mit Rezepten gezeigt, wie’s geht, dass einem das Wasser im Mund zusammenläuft. Und greifen Sie nicht gleich beim Lesen zum Schilcher, wenn im Buch davon die Rede ist - es könnte übel für Sie enden. Und dabei habe ich noch gar nicht den Schnaps erwähnt, der ebenso aus den Seiten des Buches tropft … Genussvolle Lektüre wünscht Ihnen Ihre Barbara Brunner P.S.: Der Roman erscheint im September in der Edition Keiper, wenn Sie ihn jetzt schon lesen wollen, schickt Ihnen der Verlag sicher gerne ein PDF. 32 sortimenterbrief 07-08/26

wko.at/buchwirtschaft bezahlte Einschaltung © Fachverband der Buch- & Medienwirtschaft Sabine Weißensteiner, Obfrau der Fachgruppe Oberösterreich der Buch- und Medienwirtschaft und Inhaberin der Linzer Buchhandlung Fürstelberger. Immer am Puls der Zeit weiß sie genau, was die Branche aktuell umtreibt. Ein Gespräch über Krisen, Chancen und Aktionen, die die charakteristische Lebendigkeit des oberösterreichischen Buchhandels prägen. Wie läuft es bei Ihnen im Betrieb? Weißensteiner: Die Veränderungen in der Auslieferungslandschaft gehen klarerweise auch an Oberösterreich nicht spurlos vorbei. Ich konzentriere mich in der Zusammenarbeit auf Verlage mit heimischer Auslieferung. Seit 20 Jahren versuchen wir, unseren Kund:innen beizubringen, dass wir stationären Buchhandlungen individuelle Bestellungen genauso schnell besorgen bzw. liefern können wie große internationale Internetfirmen. Das dürfen wir nicht verlieren! Sie sind ja als eine besonders aktive Buchhändlerin bekannt - insbesondere gemessen an Ihren Veranstaltungen. Wie stellt sich dieser Bereich bei Ihnen zurzeit dar? Weißensteiner: Ich stehe auf Lesungen! Wir haben so viele gemacht im heurigen Frühjahr. Mein Tipp? Aktiv agiert man am besten durch die Krisen. Wir haben etwa sortimenterbrief 07-08/26 »Mein Tipp? Aktiv navigiert man am besten durch die Krisen« drei bis vier Veranstaltungen jede Woche, die wir außer Haus mit Büchertischen betreuen. Eigene Veranstaltungen machen wir bei uns, wie etwa heuer mit einer Ukulele-Truppe - Frauen mit unterschiedlichsten Berufen, die sich zusammengeschlossen haben. Die spielten mit ihren Ukulelen, wir lasen literarische Texte. Dazwischen sangen wir gemeinsam sehr beschwingt zu den Ukulele-Rhythmen. Alle sangen mit, es war eine Riesenstimmung! Im Herbst werden wir es mit einem anderen Thema wiederholen. Wir haben eine Datenbank mit rund 700 Adressen, die wir per E-Mail zu den Veranstaltungen einladen. Was läuft über Social Media? Weißensteiner: Hier gibt es deutlich Luft nach oben. Am Welttag des Buches beschlossen wir, mehr Kraft in diese Richtung zu investieren. Das bauen wir jetzt auf - wir heißt: zwei meiner Damen. Was tut sich in der Fachgruppe, welche Akzente werden gesetzt? Weißensteiner: In „Oberösterreich Heute“ war beispielsweise heuer ein großer Bericht zum Welttag des Buches. Die Fachgruppe Oberösterreich ließ vor zwei Jahren neue Werbemittel zum Welttag des Buches designen. Mit dem Slogan „A rose for love. A book forever“. Ich selbst besuchte heuer Lesezeichen und A2-Plakat viele Menschen mit einem Korb voller Rosen und einem Buch. Der Landeshauptmann fand es schöner, uns in der Buchhandlung zu besuchen, was uns sehr freute. Wir versuchen, den Welttag des Buches jedes Jahr besonders schön zu gestalten und über die Jahre hochzuhalten. Die Buchhandlungen konnten die Werbemittel in der Fachgruppe bestellen. Für besondere Aktivitäten am Welttag des Buches (Lesungen ...) konnten die Buchhandlungen um Förderungen ansuchen - in Anlehnung an das Datum des Welttags sind das jeweils 234,- Euro. Sonst betreue ich seit 32 Jahren im Oktober die Linzer Kinderund Jugendbuchtage. Drei Tage Kinderliteratur - das ist der zweite Fixpunkt im Jahr. Ins Leben gerufen wurde die Veranstaltung von den Oberösterreichischen Buchhändler:innen und Verleger:innen und der WKOÖ gemeinsam mit den Linzer Stadtbibliotheken. Mittlerweile sind die Kinder- und Jugendbuchtage ein Teil der Kinderkulturwoche in Linz. Der Event findet nach einigen Stationen nun im wunderschönen überdachten Innenhof in der Arbeiterkammer statt, wo etwa 6.000 Neuerscheinungen und wichtige Backlisttitel präsentiert werden. Dort gibt es dann drei Tage lang Veranstaltungen. An den drei Tagen kommen rund 3.000 Kinder. Ihre Schlussbotschaft ist ...? Weißensteiner: Wenn es um buchrelevante Belange geht, muss es um die Sache gehen, nicht um Befindlichkeiten. Außerdem sollten wir alle eine Kommunikations- Kultur wieder aufleben lassen, in der man sich sachlich streiten, aber am Ende auch wieder versöhnen kann! Das wäre uns wohl in allen Bereichen des Lebens dienlich ... Danke für das Gespräch! 33


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