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sortimenterbrief Juli/August 2019

Das österreichische Branchenmagazin für Buchmarkt, Buchverkauf und Buchwerbung. Ausgabe Juli-August 2019

© Gyöngyi Tasi Ossi

© Gyöngyi Tasi Ossi Hejlek im Gespräch mit Mareike Fallwickl »Es ist ein Roman entstanden, der niemanden kalt lässt« Sie sind laut Ihrer Webseite „ein Brain, das man mieten kann” ... Sie sind auch Texterin. Fallwickl: Wenn ich keine Bücher schreibe, dann schreibe ich etwas anderes (lacht). Ich texte quer durch die Bank für Werbeagenturen, Digitalagenturen, Webseiten – Claims, Slogans, ganze Werbekampagnen. Sie sind aber auch als Buchlektorin tätig? Fallwickl: Das wurde im Laufe der letzten zwölf Jahre kontinuierlich weniger. Sicher auch durch meine eigenen Bücher. Ihr erstes Buch schrieben Sie bereits in sehr jungen Jahren ...? Fallwickl: Mit 13 Jahren tippte ich mit der Schreibmaschine mein erstes großes Werk (lacht). Ich habe damals auch gleich ein Cover dazu gemalt – war davon überzeugt, dass die Welt auf mich gewartet hat. Tatsächlich hat es bis zum ersten Roman dann doch noch 20 Jahre gedauert. Zum Glück wusste ich das damals aber nicht ... Das Schreiben und die Bücher begleiten Sie von klein auf? Fallwickl: Ganz klassisch – ich war ein Bücherwurm, der unter der Bettdecke las – mit dicken Brillengläsern ... Sie sagten einmal, dass Sie jeden Tag vor dem Abgrund stehen – weil das Leben Sie so vor sich hertreibt – zwei Kinder, Familie, Arbeit, Buch schreiben ...? Fallwickl: Um Gottes willen, was ich schon alles gesagt habe ... na ja, ich schlafe sehr wenig – dadurch geht es sich aus. Ich habe zum Glück einen Mann, der sich alles mit mir 50:50 teilt. Ohne ihn würde das alles nicht funktionieren. Wir spielen uns gegenseitig frei. Advertorial Sie betreiben unter www.buecherwurmloch.at einen erfolgreichen Literaturblog? sortimenterbrief 7-8/19

novitäteninterview Fallwickl: Den gibt es mittlerweile seit rund zehn Jahren. In der Zwischenzeit sind die Blogs ja wie Schwammerl aus dem Boden geschossen. Anfangs war es ein ziemlicher Kampf, überhaupt ernst genommen zu werden. Mittlerweile ist die Atmosphäre sehr angenehm geworden – auch die Verlagswelt hat die Arbeit der Blogger zu schätzen gelernt. Wir Blogger sind sehr gut vernetzt – untereinander, aber auch mit den Pressemenschen der Verlage. Buchmessen sind eine Art Familientreffen für uns. Ich mag das sehr! Ich lese rund 100 Romane im Jahr. Besondere werden dann im Blog rezensiert. Alles wird vom Spaß am Bücherlesen getragen. Ihr erster Roman, Dunkelgrün fast schwarz, war ein großer Erfolg im letzten Jahr. Wie sind Sie mit der Öffentlichkeit, den Buchpreis-Nominierungen etc. umgegangen? Fallwickl: Wir waren alle sehr überrascht, erfreut und ... ein wenig überfordert (lacht). Das viele positive Feedback war umwerfend. Ich mag das Internet so gerne, weil ich dadurch direkten Kontakt zu meinen Lesern habe. Ich bin auch sehr nahbar durch meine Social-Media-Auftritte. Wie groß war der Erfolgsdruck beim Schreiben des neuen Romans? Fallwickl: Zum Glück gab es schon 150 Seiten, als das erste Buch erschien. Der Plot stand bereits fest. Das half mir. Natürlich beeinflussen einen die Reaktionen von außen. Kam eine schlechte Reaktion, dachte ich mir, „Vielleicht sollte ich es lieber sein lassen – ich kann es ohnedies nicht.“ Und kamen positive Reaktionen, dachte ich mir, „Das bekomme ich nie wieder so hin. Alle werden enttäuscht sein!“ Der Mensch ist ein sonderbares Wesen, das sich Druck selber erzeugt. Beide Romane spielen in Hallein, wo Sie aufgewachsen sind. Welche Rolle spielt für Sie Hallein? Fallwickl: Bei Dunkelgrün fast schwarz war tatsächlich die Kulisse sehr wichtig. Der Ort war für die Handlung essenziell. Das ist in meinem neuen Roman, Das Licht ist hier viel heller, nicht so. Die Geschichte kann auch ganz woanders spielen. Aber ich kenne mich hier aus – denke, dass ich dadurch alles besser vermitteln kann. Wenn Sie heute durch Hallein gehen, murmeln dann alle, „Schau, da geht die Fallwickl“ ...? Fallwickl: Ein wenig schon. Aber sicher auch durch meine Kolumne „Zuckergoscherl“ in einer Zeitung aus der Region. Die meisten fragen, „Bist du nicht das Zuckergoscherl ...?“ In der Kolumne schreibe ich ironisch über Männer und Frauen, Beziehungen, Kinder ... Grundsätzlich empfinde ich für Hallein eine gewisse Hassliebe – wahrscheinlich wie jeder zu seiner Heimat. Ihr zweiter Roman, Das Licht ist hier viel heller, erscheint Ende August bei der Frankfurter Verlagsanstalt. Worum geht’s denn? Fallwickl: Im Mittelpunkt steht ein ehemals sehr erfolgreicher Schriftsteller, der mittlerweile im großen Stil gescheitert ist. Seine Frau hat ihn gegen einen wesentlich jüngeren Fitnesstrainer ausgetauscht. Er verkriecht sich und bemitleidet sich selbst. Er erhält Briefe zugestellt, die gar nicht an ihn adressiert sind. Trotzdem öffnet er sie und liest sie. Sie wühlen ihn auf – haben einen großen Einfluss auf die weitere Handlung. Als Gegenpart gibt es seine 17-jährige Tochter, die aus ihrer Perspektive den Zusammenbruch der Familie erzählt und beleuchtet. Das Buch handelt von der Beziehung zwischen Männern und Frauen, von Alltagssexismus und verschiedenen Formen von Gewalt – im Kleinen wie im Großen. Es geht darum, wie immens Männer Frauen verletzen können. Es handelt aber auch von digitalen und analogen Scheinwelten – von Sichtweisen und Zusammenhängen in der Onlinewelt. Ein wenig ist es auch ein bissiger Blick auf die ganze Buchbranche, den Literaturbetrieb – vom Feuilleton bis hin zu den Bloggern. Als Schriftsteller kennt sich der Protagonist aus, bringt Jahrzehnte an Branchenerfahrung mit – drückt seine Sicht in höchst sarkastischem Ton aus. Dunkelgrün fast schwarz könnte man vom Stil her als ausformulierter und sprachgewaltig beschreiben – der neue Roman hat einen viel spitzeren Sprachduktus. Wenger hat als Romanfigur eine Art sprachlichen Freibrief, den ich als Autorin nutze. In einer Vorabrezension steht, „Man kann dieses fiese Arschloch hassen – oder lieben ...“ Fallwickl: Wenger ist ein typischer Antiheld, mit dem man trotz allem sympathisieren kann. Jeder kennt seinen Wenger. Vielleicht lässt es auch gerade deswegen niemanden kalt, der das Buch liest. Danke für das Gespräch! Mareike Fallwickl Das Licht ist hier viel heller Roman, 384 Seiten, Hardcover mit Metallic- Schutzumschlag, 978-3-627-00264-0, € 24,70 (A) | Frankfurter Verlagsanstalt ET: 30. August www.frankfurter-verlagsanstalt.de sortimenterbrief 7-8/19 19

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