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sortimenterbrief Juli/August 2019

Das österreichische Branchenmagazin für Buchmarkt, Buchverkauf und Buchwerbung. Ausgabe Juli-August 2019

schwerpunktkunst&kultur

schwerpunktkunst&kultur Ossi Hejlek im Gespräch mit Rolf Toman JUGENDSTIL Anmut und Facettenreichtum der Architektur und Kunst um 1900 Rolf Toman (Herausgeber) Dr. Maria-Christina Boerner (Autorin) Achim Bednorz (Fotograf) Jugendstil h.f.ullmann publishing, 680 Seiten, 25 x 38 cm, über 900 Abbildungen, zwei 8-seitige Altarfalze, durchgehend vierfarbig, Hardcover (Leinen) mit Schutzumschlag und Goldfolienprägung, mit Leseband. ET: August, ISBN 978-3-8480-1166-7, € 149,– Advertorial Können Sie uns ein wenig über Ihre Verlagsvergangenheit erzählen? Toman: Ich arbeitete in den 1990er Jahren für den damals noch jungen Taschen Verlag. Dort lernte ich mein Handwerk. Eigentlich habe ich Deutsch und Philosophie studiert, wollte Gymnasiallehrer werden. Dazu kam es letztendlich nicht, da ich dem Ruf meines damaligen Schwagers, Benedikt Taschen, folgte und als Lektor in den Verlagsbereich einstieg. Dort verbrachte ich dann nach dem Studium meine ersten acht Branchenjahre. Später arbeitete ich mit Ludwig Könemann zusammen, machte für ihn Bücher. Ich war über die Jahre bei kleinen Werken auch manchmal selbst als Autor tätig – speziell für Mittelalter- Themen. In der Regel übernehme ich aber die Rolle des Herausgebers. Schenken Sie uns einen kleinen Einblick in Ihre Werke? Toman: Ich kann Ihnen gerne ein paar Überschriften liefern. Zu den Taschen- Zeiten arbeitete ich überwiegend an Künstler-Monografien, Botticelli, Turner, Monet, Degas, auch Klimt ... – mit Könemann machte ich hauptsächlich die großen Epochenbände, Romanik, Gotik, Barock, Renaissance, Rokoko, Klassizismus und Romantik. Der dritte Komplex meines Schaffens ist die Kultur- und Mentalitätsgeschichte mit Titeln wie Orden & Klöster, Ars Sacra und Angelus & Diabolus. . Es gibt noch einen vierten Bereich – Städte und Regionen, ich habe schon ein Buch über Wien gemacht. Regionen wie Provence, Burgund oder Katalonien habe ich auch schon zwi- schen zwei Buchdeckel gebracht. Es war stets eine inhaltliche Melange aus Kunst, Kultur und Landschaft. Sie leben in Südfrankreich? Toman: Ich bin mit meiner Familie 1994 hierhergezogen, wohne in einem kleinen Weiler umgeben von Landschaft. Perpignan, die nächste größere Stadt, liegt 90 km entfernt. Ich bin ein Landmensch geworden – kann hier in Ruhe meiner Arbeit nachgehen. Alle paar Monate fahre ich zum Verlag, wo wir dann die Fortschritte der Bücher abstimmen. Wie lange haben Sie am aktuellen Werk, Jugendstil, gearbeitet? Toman: Da sind, mit Unterbrechungen, schon vier bis fünf Jahre zusammengekommen. © Toman privat Als Herausgeber koordinierten Sie die Autorin sowie den Fotografen? Toman: Ich fun- giere als Organisator, bin Schaltstelle zwischen der Text- und Bild- seite. Mache in der Regel auch das Layout. Bei Jugendstil stammt das Konzept des Buches aber wesentlich von der Autorin, Maria-Christina Boerner. 50 sortimenterbrief 7-8/19

schwerpunktkunst&kultur Apropos Bildseite, mit Achim Bednorz, dem Fotografen, haben Sie schon einige Prachtbände realisiert? Toman: Er ist ein Kölner Architektur- Fotograf – wir arbeiten seit 25 Jahren intensiv zusammen, reisten miteinander, entwickelten gemeinsame Blickweisen. Bei vielen der gemeinsamen Bücher, wie auch bei Jugendstil, geht er mit einer Bildliste, mit Fotogenehmigungen und einem regelrechten Fototermin- Fahrplan auf Tour. Entgegen der Mentalität früherer Tage, wo man viel Buch um wenig Geld entstehen ließ, sind Ihre aktuellen Werke bei Ullmann regelrechte Prachtbände – um gutes Geld ...? Toman: Man wollte einst den Kunstmarkt aufmischen und gute Bücher bezahlbar einem Massenpublikum zur Verfügung stellen. Dass das irgendwann zu einem Ende kommen musste, war zu erwarten. Ein Teil des Könemann-Erbes wurde von Ullmann übernommen. Auf diesem Grundstock habe ich mit dem Verleger, Herbert Ullmann, dann weiter an solchen Werken gearbeitet. Und Ullmann hat eine andere Preispolitik. Besondere Titel mit außergewöhnlicher Ausstattung können auch ihren Preis haben. Ars Sacra war ein Riesenerfolg ... Was charakterisiert den Jugendstil – was spricht uns alle so an? Toman: Ich glaube es ist das jugendliche der Stilrichtung. Der Jugendstil war ja eine Oppositionsbewegung gegen die allmähliche Erstarrung der schen Baustile. Der Jugendstil ist historiren hoch dynamisch. Gerade in Wien war eine ungeheure Aufbruchstimmung. Man wollte das barocke und historistische Wien hinter sich lassen. Die Kunstszene der Secessionisten revoltierte gegen das Alte aber alles andere als einheitlich – sehr unterschiedlich in seien nationalen Ausprägungen. Die Strömungen um 1900 wa- und warf es über Bord. Der Jugendstil hatte um 1850 seine ersten Blitzlichter in England. Von da aus kamen die ersten Impulse – das war aber noch Jugendstil avant la lettre. Gibt es Parallelen, wenn man die Ausprägungen der einzelnen Länder miteinander vergleicht? Toman: Parallelen kann man schon finden. Wir haben auf der einen Seite ein an Naturformen orientiertes vegetabiles Liniensystem – dynamische Ornamente, Wirbel etc. – dafür stehen Künstler wie Gaudí, Victor Horta, Gallé, der frühe Lalique, Tiffany ... Auf der anderen Seite präsentiert sich die abstrakte, lineargeometrische Richtung mit Charles Rennie Mackintosh, Otto Wagner (zum Teil), Josef Hoffmann oder, in den USA, Frank Lloyd Wright. Sie beziehen sich auf andere Art auf die Natur, übersetzen sie in ein abstrakteres Formenrepertoire. Dazwischen steht der „Alleskönner“ Henry van de Velde. Das Buch beinhaltet aber nicht nur Architektur – auch Kunst, Design ...? Toman: Auf jeden Fall, wenngleich die Architektur und ihre dekorativen Einzelelemente im Vordergrund stehen – das Ganze, aber auch das Detail – was dann auch in der Innenarchitektur, der Gestaltung der Räume, der Form des Mobiliars bis hin zum Essgeschirr seine Fortsetzung fand. Der Wille zum Gesamtkunstwerk war deutlich. Bei Jugendstil denke ich an Paris ... Toman: Wir präsentieren im Buch ein Pariser Jugendstil-Restaurant, die Stationseingänge der Pariser Métro von Hector Guimard – sonst ist die Jugendstilarchitektur in Paris gar nicht so vordergründig. Dort waren es um 1900 eher die Schmuckkunst, die Metallverarbeitung oder Möbel-Manufakturen. Nancy ist mit seinem Jugendstil-Museum ein wahres Kleinod. Österreich spielte im Fin de Siècle kulturell eine enorm wichtige Rolle – ersten Ranges. Durch die Gesamtdynamik der gesellschaftlichen Prozesse gab es ein ganz anderes Laisser-faire-Denken. Wien hat auch mit der Kirche am Steinhof neben der Sagrada Familia den zweitwichtigsten Jugendstil Sakralbau Europas. Das Buch ist nach Ländern bzw. Regionen/Städten aufgebaut. Auch sonst eher selten gezeigte Jugendstil- Ensembles wie das in Riga oder dem norwegischen Ålesund haben in unserem Buch Aufnahme gefunden ... Alle relevanten Jugendstil-Zentren sind vertreten. Danke für das Gespräch! sortimenterbrief 7-8/19

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