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sortimenterbrief Juli/August 2019

Das österreichische Branchenmagazin für Buchmarkt, Buchverkauf und Buchwerbung. Ausgabe Juli-August 2019

DRINGENDER SPENDENAUFRUF

DRINGENDER SPENDENAUFRUF für heimatlose Rohingya-Flüchtlinge Eine Million geflüchtete Menschen leben unter menschenunwürdigen Bedingungen in dem Flüchtlingslager Kutupalong (Bangladesch). SONNE-International darf als eine von wenigen ausländischen Hilfsorganisationen weiter vor Ort helfen! Unsere medizinische Einrichtung kümmert sich vor allem um die vielen bedürftigen Kinder, Frauen und ältere Menschen. Damit wir auch in Zukunft unsere medizinische Versorgung gewährleisten können, sind wir auf Ihre SPENDE angewiesen. Helfen auch SIE heute noch heimatlosen Kindern mit Ihrer Spende. SONNE-Spendenkonto IBAN: AT79 6000 0005 1006 1977 Betreff: Rohingya Danke für IHR Engagement www.sonne-international.org Einschaltung unterstützt von Gerin Druck GmbH

www.barbara-brunner.at Aktuelle Lesetipps von Dr. Barbara Brunner Liebe Leute, dieser Herbst bringt wieder so viele bemerkenswerte Bücher, dass mir die Auswahl schwergefallen ist und ich Ihnen ausnahmsweise gleich vier, fünf Titel ans Herz legen möchte – aus den Bereichen Politik, Geschichte, Musik, Literatur und natürlich darf auch ein Thriller nicht fehlen: Paul Lendvais neues Erinnerungsbuch Die verspielte Welt – Begegnungen und Erinnerungen erscheint schon im August im Ecowin Verlag, es ist ein politisches Lehrstück über die Geschichte der letzten 60 Jahre der ost- und südosteuropäischen Staaten, ein Buch über Helden und Kriegsverbrecher, über Politiker und abgesetzte Könige, über mutige Journalisten und visionäre Schriftsteller. Ursprünglich wollte Paul Lendvai sein Buch Macht Mut Menschen nennen, und darum geht es auch in seinen Erinnerungen – um Macht, die zum Wohl oder zum Wehe der Menschen ausgeübt wurde und wird, um Mut, sich dieser Macht entgegenzustellen, um Mut, für das Wohl eines Landes, seiner Menschen oder seiner Ideen einzutreten und um bemerkenswerte Menschen, die Paul Lendvai im Laufe seines Lebens als scharf beobachtender Publizist kennenlernen und kritisch analysierend begleiten durfte. Ein Geschichtsbuch der anderen Art bringt Herbert Lackner bei Ueberreuter heraus: Als die Nacht sich senkte – Europas Dichter und Denker am Vorabend von Faschismus und NS-Barbarei will die Geschichte der Jahre zwischen den beiden großen Kriegen des 20. Jahrhunderts aus der Sicht der damaligen Dichter, Denker, Musiker und Wissenschaftler erzählen: Hat der Großbürger Arthur Schnitzler nicht gesehen, was da herandräut? Musste der ehemalige Revolutionär Franz Werfel, der sorglos mit dem Ständestaat-Kanzler Schuschnigg ebenso tändelte wie mit Italiens Mussolini, nicht erkennen, wohin die Reise ging? Hätte sich der weitsichtige Stefan Zweig auch den aktuellen Ereignissen und nicht nur historischen Biografien widmen müssen – gerade er, der frühzeitig erkannte, welch böse Kraft sich da zusammenballte? Warum konnten Geistesriesen wir Albert Einstein, Sigmund Freud, Hans Kelsen, Bertolt Brecht, Thomas und Heinrich Mann mit ihrem Können und ihrem Ansehen bei einem breiten Publikum nicht das Grauen verhindern? Ein Titel nicht nur für Musikbegeisterte ist die Rückschau auf das überaus reiche Musikerleben von Milan Turkovic ´ Lebensklänge (Ibera Verlag): Milan Turkovic ´ ist ein begnadeter Fagottist und ein international gefragter Dirigent und Pädagoge. Er war Solofagottist bei den Wiener Symphonikern und im legendären Concentus Musicus, Gründungsmitglied beim Ensemble Wien-Berlin. Geboren in eine aristokratische Familie in Zagreb erlebte er als Kind sowohl den Faschismus in Jugoslawien als auch die Schikanen des Tito-Regimes. Wie Milan Turkovic ´ aber schlussendlich dazu kam, sich dem Fagott zuzuwenden, wie seine Reisen als junger Musiker durch Afrika und später auf der ganzen Welt vonstatten gingen, wie sich die Arbeit mit Nikolaus Harnoncourt gestaltete, wie es früher bei CD-Aufnahmen zuging und wie es sich als Ensemblemitglied in Orchestern lebt, das sind nur einige der zum Teil auch sehr erheiternden Geschichten in diesem Buch. Seine Begegnungen mit Musikerkollegen und Größen des Jazz liest sich wie ein Who-is-Who der internationalen Künstlerszene. Auch auf dem Gebiet der Literatur ist in diesem Herbst Spannendes zu erwarten, so z. B. der neue Roman von Irmgard Klemm Hippocampus (Kremayr & Scheriau), ein Buch, das den Literaturbetrieb, aber auch den Umgang des offiziellen Österreich mit Künstlerinnen ebenso witzig wie böse aufs Korn nimmt. Worum es geht: Erst als die vergessene Autorin der feministischen Avantgarde tot ist, wird sie als Kandidatin für den Deutschen Buchpreis gehandelt. Ihre Freundin Elvira Katzenschlager soll den Nachlass sortieren und findet sich unversehens in einer Marketingmaschinerie voll Gier, Neid und Sensationsgeilheit wieder. Empört bricht sie ein großes Nachruf-Interview ab und buchrezensionen begibt sich mit dem wesentlich jüngeren Kameramann Adrian auf einen Roadtrip durch Österreich, um die verzerrte Biografie ihrer Freundin richtigzustellen. Was als origineller Rachefeldzug beginnt, wird immer mehr zum Kreuzzug gegen Bigotterie und Sexismus. Sie verkleiden Heldenstatuen, demontieren Bildstöcke und stören Preisverleihungen. Immer atemloser, immer krimineller werden die Regelbrüche der beiden auf ihrem Weg nach Neapel, wo die letzte Aktion geplant ist. Auch einen Thriller will ich Ihnen ans Herz legen: Leibnitz (Gmeiner Verlag) den Erstlingsroman des Schauspielers und Drehbuchautors Andreas Kiendl, über den Josef Hader sagt: „Zwei Menschen suchen ihr Glück und finden nichts als die abgrundtiefe Hölle der Kleinstadt. Andreas Kiendl kriecht in diese Existenzen förmlich hinein, bis in die bitterste Jämmerlichkeit. – Georges Simenon in der Südsteiermark!“ Dabei beginnt es ganz harmlos: Claudia und Christian leben mit ihren beiden Kindern im steirischen Leibnitz, das Singen in einem Laienchor ist ihnen als einzige gemeinsame Leidenschaft geblieben. Schon seit einiger Zeit hat das Paar Probleme, aber beide bemühen sich, mit dem engen Leben zurechtzukommen. Als Claudia erfährt, dass ihre Mutter und ihr Stiefvater nach Kanada auswandern, treibt sie das noch stärker in die Abhängigkeit von Christian und dessen Eltern, mit denen sie eine freudlose Hausgemeinschaft bilden. Dass Christian immer mehr dem Alkohol verfällt, wird erst bei einem von ihm verursachten Autounfall manifest und verändert das Leben der Familie von Grund auf . Von da an werden die Abhängigkeiten immer extremer, die Familie steuert unerbittlich auf den Abgrund zu. Ausweglosigkeit bis zum überraschenden Showdown. Ich wünsche Ihnen einen wunderbaren Sommer. Herzlich, Barbara Brunner sortimenterbrief 7-8/19 67

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