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sortimenterbrief Juli/August 2020

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Das österreichische Branchenmagazin für Buchmarkt, Buchverkauf und Buchwerbung. Ausgabe Juli 2020.

mohr morawa im fokus ©

mohr morawa im fokus © Reinhard Öhner Ossi Hejlek im Gespräch mit Mohr Morawa Geschäftsführer Rainer Fritthum »Es werden immer wieder Wünsche an uns herangetragen. Endkundenbelieferung für Buchhandlungen ist ein solcher« Wie läuft es nach den IT-Umstellungen? Fritthum: Wir haben das komplette Lager und den Expeditbereich verkabelt und mit Hotspots ausgestattet. Ebenso wurden die Systemsteuerungen auf einen höheren Standard angehoben. Das bedeutet, dass wir jetzt bei der Verpackung, der Etikettierung und beim Behältermanagement ganz andere Möglichkeiten haben, als wir sie bis dato hatten. Es wurden alle Druckeranlagen im Haus erneuert, eine neue Website ist bereits online – verbunden mit einer entsprechenden neuen Firewall. Und auch die Telefonanlage des ganzen Betriebes wurde erneuert. Außerdem ist der Mailserver neu. Das hört sich nach einer Komplett- Modernisierung an ... Fritthum: Ja, man kann nicht nur einzelne Bereiche in ihrem Standard anheben. In der IT greift eins ins andere. Nach all den Erneuerungen sind wir jetzt fit für die Zukunft. Was bringen die Hotspots im Lager? Wozu braucht man diese? Fritthum: Dadurch haben wir überall eine WLAN-Anbindung. Damit wird technisch sehr viel möglich. Wir haben auch das Lager innerhalb des jeweiligen Verlages auf eine dynamische Lagerhaltung umgestellt. Früher hatten wir statische Lagerplätze, in denen die Bücher nach aufsteigender ISBN auf den Verlagslagerplätzen einsortiert waren. Das dynamische Lager hingegen orientiert sich an der Häufigkeit der Zugriffsraten und der freien Plätze. Dadurch kann schneller gearbeitet werden, auch das zeitaufwendige Nachschlichten entfällt. Zwölf von 16 Sektoren sind bereits umgestellt worden. Im Herbst wird die Umstellung komplett fertig sein. Das bedeutet aber auch, dass die Lagerplätze kontinuierlich wechseln und angepasst werden? Fritthum: Insbesondere was Novitäten und Bestseller betrifft. Das hat Sinn. Diese Titel liegen dann weiter vorne – in relativer Nähe zum Kommissionierplatz. Später wandert der Titel dann an weiter hinten gelegene Stellen. Wie finden die Menschen die Bücher, wenn sich die Lagerplätze ständig ändern? Fritthum: Wie früher auch. Jeder Lagerplatz hat eine Nummer, und die steht auf dem Lieferschein. Der nächste Schritt, die Entnahme des Buches vom Lagerplatz mittels Scanner bei gleichzeitiger Veränderung des Lagerstandes, ist bereits in Vorbereitung. Dann werden auch die Daten des Lieferscheines mit der entnommenen Ware abgeglichen – das erspart die aufwendige Endkontrolle und die Fehlerquote sinkt auf ein Minimum. Was sind die kommenden Schritte? Fritthum: Als Nächstes steht das Behältermanagement am Plan. Das bedeutet, dass wir Lieferschein und Wanne quasi verheiraten. Dadurch fährt die Wanne elektronisch gesteuert über den Behältercode die notwendigen Sektoren an. Im Moment passiert das noch über ein Klappensystem und eine Lichtschranken-Steuerung. Ebenso wird künftig die Ware auch gleich im jeweiligen Sektor etikettiert. Das bringt höhere Qualität und eine schnellere Abfertigung. Wie sieht es mit der Warenübernahme aus? Fritthum: Auch diese wird mittlerweile elektronisch erledigt. Wir befinden uns hier noch in der Testphase. 64 sortimenterbrief 7–8/20

Bei der Übernahme der Ware werden die bestellten Mengen mit den gelieferten elektronisch abgeglichen. Erfolgen verlagsseitig Mehr- oder Minderlieferungen, wird ein entsprechendes Fehlerprotokoll direkt an den Einkauf versendet und dort bearbeitet. Neben der Vereinfachung im Arbeitsprozess hat das neue System den großen Vorteil, dass direkt bei der Warenübernahme erkannt wird, ob es bereits Rückstände bzw. Vormerkungen bei diesem Titel gibt. So können diese Titel bevorzugt behandelt werden. Die baulichen Adaptionen sind abgeschlossen? Fritthum: Die Palettenhalle wurde vor einem Jahr fertiggestellt, mit Ende Sommer wurden dann die Waren aus zwei Außenlagern hereingeholt. Ein Außenlager besteht noch. Nach einem Jahr operativer Tätigkeit sind wir nun dabei, die Plätze zu optimieren, teilweise durch Regalböden mehr Platz zu schaffen. Wir haben mit diesem Prozess vor drei Wochen begonnen und dadurch bereits 250 neue Palettenplätze geschaffen. Aber das ist ein normaler Prozess – die Erstplanung erfolgt linear, dann erfolgt der Feinschliff. Apropos neue Palettenplätze. Gibt es noch eine Verlags-Warteschlange? © Mohr Morawa Fritthum: Grundsätzlich sind wir immer bereit für die weitere Aufnahme von Verlagen, soweit dies wirtschaftlich Sinn ergibt. Durch die Optimierung der Lagerplätze haben wir auch wieder ein wenig Platz für eventuelle Neuaufnahmen gewonnen. Im Wesentlichen haben aber die meisten der Verlage, die durch die Hain-Schließung in Österreich keine Auslieferung mehr hatten, eine für sie gute Lösung gefunden. Bedeutet das gleichermaßen, dass nicht die Expansion im Vordergrund steht, sondern die Optimierung der Ablaufprozesse? Fritthum: Die optimal funktionierende Infrastruktur im eigenen Haus steht an erster Stelle. Viele Schritte wurden in den letzten Jahren eingeleitet und bereits umgesetzt. Manches gehört noch finalisiert. Wir sind ein Buch- Logistikunternehmen. Und dieser Aufgabe sind wir uns auch bewusst. Was erwarten sich Verlage wie auch Buchhändler von uns? Dass wir die Ware schnell, fehlerfrei und günstig zustellen. Darum geht’s. Und dafür muss man technisch ausgereift sein. Dazu gehört letztendlich eine komplette Umstellung des Warenwirtschafts-Systems. Was ist die Schwierigkeit bei diesem Prozess? © Mohr Morawa mohr morawa im fokus Fritthum: Dass wir nicht drei Monate zusperren können, um die Veränderungen durchzuführen. Wir operieren sozusagen am offenen Herzen. Dadurch müssen alle Schritte wohl überlegt sein und sehr behutsam passieren – weil eben nichts passieren darf. Was sind die Themen, die momentan in puncto Alltagsgeschäft am Tisch liegen? Fritthum: Es freut mich, dass immer wieder Optimierungswünsche und -ideen an uns herangetragen werden. Wir versuchen dann gemeinsam mit den jeweiligen Branchenpartnern, eine für alle gute Lösung zu finden. Dieser ständige Informationsaustauch hilft, in die richtige Richtung gehen zu können. Nennen Sie uns vielleicht ein Beispiel für Kundenwünsche? Fritthum: Etwas, das wir zeitnah umsetzen werden, ist die Dienstleistung des Direktversands an Endkunden. Dieser Bedarf wurde von den Buchhändlern deutlich formuliert. Der erste Schritt in diese Richtung wurde mit dem Buchhandelsshop von Morawa bereits begangen ... Fritthum: Seit gut einem Monat wickeln wir die komplette Logistik- Dienstleistung aller Online-Bestellungen für die Buchhandelskette Morawa Buch und Medien ab. Das ist allerdings eine Hybridlösung, da wir die Abwicklung über das Warenwirtschaftssystem von Morawa Buch und Medien vollziehen. Der grundsätzliche Plan für die Zukunft sieht jedoch eine Abwicklung über unser System vor. Wir evaluieren gerade auch unterschiedliche Abrechnungsmodelle. Ende des Jahres werden die Buchhändler entsprechende Informationen dazu erhalten. Wie wichtig die gut funktionierende Endkundenbelieferung ist, haben wir in den vergangenen Monaten gesehen. Hierbei wollen und werden wir künftig den Buchhandlungen zur Seite stehen – wenn sie es wollen sortimenterbrief 7–8/20 65


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