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sortimenterbrief juli/august 2022

Das österreichische Branchenmagazin für Buchmarkt, Buchverkauf und Buchwerbung. Ausgabe Juli/August 2022.

ein blick in die

ein blick in die mohr-morawa-auslieferung © Mohr Morawa Ossi Hejlek im Gespräch mit Rainer Fritthum Geschäftsführer – Mohr Morawa »Die Softwaretests laufen – wir sind im Zeitplan. Am 9. Jänner 2023 wird umgestellt« Wie stark sind Sie bereits von Nichtlieferbarkeiten betroffen, wenn Verlage nicht ausreichend Papier für Nachdrucke bekommen? Fritthum: Zurzeit sind wir noch in der glücklichen Situation, dass nur in ganz seltenen Fällen tatsächlich aufgrund von Papierknappheit keine Nachdrucke erfolgen können. Auch die von uns disponierten Mengen bei Erstauslieferungen werden – bis auf wenige Ausnahmen – in ausreichender Stückzahl geliefert. Zumindest konnten wir bis dato unsere Vormerkungen immer bedienen. Grundsätzlich kann ich aber sagen, dass unsere Lieferfähigkeit im letzten Jahr merkbar besser geworden ist – so konnten wir unsere Titelrückstände um fast 50 % im Vergleich zu den Vorjahren reduzieren. Wir waren beide in Strobl, wo auch über die auf Büchern aufgedruckten Preise gesprochen wurde. Wie ist Ihre Meinung dazu? Fritthum: Man muss hier grundsätzlich zwischen den Voraussetzungen am deutschen und österreichischen Markt unterscheiden. In Österreich handelt es sich beim verlagsseitig festgelegten Ladenpreis um einen Mindestverkaufspreis, der es ja Händler:innen ermöglicht, die Bücher zu einem höheren Verkaufspreis zu verkaufen. Als Folge muss der am Buch angedruckte Ladenpreis mithilfe eines Etiketts überklebt werden. Auch Preisänderungen bei aktuellen Auflagen werden dadurch schwieriger. Wird das Buch verschenkt, ist es auch nicht sonderlich schick, wenn am Geschenk der Preis aufgedruckt ist. Sie waren bei den Buchtagen in Frankfurt – was haben Sie mitgenommen? Fritthum: Auch in Deutschland muss man sich denselben Fragen und Problemen stellen wie in Österreich. Ein schwieriges erstes Halbjahr 2022, verursacht durch die immer noch vorhandene geringere Frequenz in den Innenstädten und Einkaufszentren im Vergleich zu Vor-Corona, gepaart mit geringer Kauflust aufgrund steigender Lebenskosten und genereller Unsicherheit, wie sich die Zukunft entwickeln wird. Dazu die steigenden Energie- und Zustellkosten, die eingangs erwähnte Papierknappheit, die Erhöhung der Ladenpreise, die zu erwartende Erhöhung der Personalkosten aufgrund steigender Inflation etc. Trotz dieser vielen Herausforderungen ist die Stimmung der Marktteilnehmer:innen immer noch sehr positiv! Kann man die Teuerungen über die Erhöhung des Ladenpreises wieder hereinbekommen? Fritthum: Grundsätzlich ist es sehr erfreulich, dass es endlich auch eine entsprechende Anpassung der Ladenpreise im Vergleich zu den Teuerungsraten gibt. Alle Mehrkosten können damit bestimmt nicht abgegolten werden. Speziell im Bereich der Auslieferung müssen wir uns mit den massiven Erhöhungen des Spritpreises sowie der Energiekosten auseinandersetzen. Wie gehen Sie mit den Energiepreisen bzw. insbesondere mit den höheren Spritpreisen um? Wird das an Ihre Kund:innen weitergegeben? Fritthum: Der Mehraufwand durch die Energiekosten wird nicht an unsere Kund:innen weitergegeben – die erhöhten Transportkosten nur zu einem geringen Teil. Allein die Teuerung durch die Erhöhung der Spritpreise macht seit Jahresbeginn ca. 60 % aus. Das ist viel zu viel, um das in vollem Ausmaß weiterzuverrechnen. Wie vorhin erwähnt, versuchen wir diese Mehrkosten durch die von den Verlagen durchgeführte Erhöhung der Ladenpreise teilweise zu kompensieren. Werden neue Anforderungen in puncto Logistik an Sie herangetragen? Fritthum: Die grundsätzliche Leistung, das richtige Buch in der richtigen Menge 26 sortimenterbrief 7–8/22

ein blick in die mohr-morawa-auslieferung in möglichst kurzer Zeit unbeschädigt an den Bucheinzelhandel zu liefern, wird immer unsere Hauptaufgabe bleiben. Darin versuchen wir, uns auch laufend zu verbessern. Mit dem ständig wachsenden Vertriebskanal Direktbelieferung müssen wir natürlich auch zukünftig verstärkt diese Dienstleistung – sowohl gegenüber unseren Verlagspartner:innen als auch gegenüber dem Bucheinzelhandel – anbieten. Im Zuge der Einführung unseres neuen ERP-Systems wird dies auch möglich sein. Die Umstellungen bzw. technischen Veränderungen laufen bereits auf Hochtouren – sind Sie im Zeitplan? Fritthum: Wir haben ja im Herbst 2021 gemeinsam mit unserem Partner MSH Medien System Haus begonnen, an der Ablösung unseres alten und Einführung eines neuen ERP-Systems zu arbeiten. Unser sehr sportliches Ziel ist die Fertigstellung bzw. Inbetriebnahme mit 9. Jänner 2023. Meine Kolleg:innen arbeiten fast rund um die Uhr, damit der Termin auch eingehalten werden kann. Wir sind im Plan! Welche Einsparungen ergeben sich daraus? Fritthum: Eine effiziente Buchauslieferung funktioniert nur, wenn sämtliche Abläufe im Haus möglichst automatisiert und standardisiert sind. Das ermöglicht unseren Mitarbeiter:innen, sich neuen, wichtigen Herausforderungen zu stellen und ihr Wissen und Können durch frei werdende Kapazitäten viel besser nutzen zu können. Außerdem ist ein gut funktionierendes ERP-System Grundvoraussetzung, um weiter wachsen zu können. Ist denn überhaupt Platz zum Wachsen vorhanden? Fritthum: Es wird Platz geschaffen werden. Ab 2023 werden wir neben dem bereits vorhandenen Areal in der Sulzengasse noch über ein zweites Auslegelager verfügen können. Apropos Wachstum – wie sehr sind Sie mit der Entwicklung des MoMo-Barsortiments zufrieden? Fritthum: Das funktioniert tatsächlich sehr gut. Gerade in den beiden Pandemiejahren hat der Barsortimentsanteil deutlich zugenommen. Durch den erhöhten Direktkund:innenversand ist natürlich dieser Bereich stark gestiegen. Man wird abwarten müssen, ob dieser Trend weiter anhält. Unsere Umsätze im Barsortiment liegen heuer auf alle Fälle deutlich über dem vergleichbaren Jahr 2019. Wie schätzen Sie die Zukunft des stationären Handels ein? Fritthum: Persönlich glaube ich, dass sich – angefeuert durch die Coronajahre – der Absatzweg im Handel noch deutlicher in den Onlinebereich verschieben wird. Die Buchhändler:innen werden daher noch stärker gefordert sein, ihre Aktivitäten und ihre Einzigartigkeit in den Geschäften zu intensivieren und parallel ihre Onlineshops und ihre Onlinekommunikation entsprechend zu pflegen und auszubauen. Hier wurde in den letzten Jahren schon sehr viel richtig gemacht – diesen Weg gilt es, weiterhin konsequent zu verfolgen. Dem Produkt Buch gebe ich auch zukünftig sehr gute Chancen! Nehmen Sie bei den Verlagen schon Veränderungen in den Vorgangsweisen wahr, z. B. weniger Novitäten? Fritthum: Für den einen oder anderen Verlag mag das zutreffen – in Summe merken wir keine großen Veränderungen in der Titelanzahl ausgelieferter Novitäten. Generell ist jedoch deutlich zu merken, dass die Erstauflage geringere Stückzahlen aufweist. Man ist vorsichtiger geworden. Wie gehen Sie mit den Preissteigerungen für Kartonagen um? Fritthum: Hier gilt Ähnliches wie beim Treibstoff oder den Energiekosten – auch die Kartonagenpreise sind in den letzten Monaten noch einmal deutlich gestiegen. Zum Glück haben wir mittelfristige Verträge mit unseren Lieferanten mit Fixpreisgarantien. Auch hier geben wir nur einen kleinen Teil der Mehrkosten an den Buchhandel weiter und versuchen, über den Mehrerlös durch die höheren Ladenpreise den Aufwand zu kompensieren. Vielen Dank für das Gespräch! © Mohr Morawa sortimenterbrief 7–8/22 27


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