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sortimenterbrief juli/august 2022

Das österreichische Branchenmagazin für Buchmarkt, Buchverkauf und Buchwerbung. Ausgabe Juli/August 2022.

© S.R. Ayers Ossi

© S.R. Ayers Ossi Hejlek im Gespräch mit Verlagsleiterin Stefanie Jaksch Verlag Kremayr & Scheriau »Wichtig ist und bleibt, verantwortungsvoll zu planen« Wenn Sie in die Zukunft blicken, welche Veränderungen sehen Sie auf die Branche bzw. auf Kremayr & Scheriau zukommen – strukturell, aber auch bei den Arbeitsabläufen? Jaksch: Eine der großen Fragen ist, ob und inwieweit sich die Preissteigerungen bei Rohstoffen und Energie weiterhin in schwindelerregendere Höhen treiben lassen. Es ist schon jetzt eine große Herausforderung, die anfallenden Mehrkosten aufzufangen. Sicherlich werden die Verkaufspreise für Bücher peu á peu weiter erhöht werden müssen – ich bin froh, dass sehr viele Verlage ihre Preise bereits an die neuen Umstände anpassen. Darüber hinaus denke ich, dass es wohl vermehrt zu Kooperationen kommen wird zwischen Verlagen, zum Beispiel auf vertrieblicher Seite. Die Zukunft wird hier, das glaube ich fest, neue Verbindungen bringen, gemeinsames Auftreten in Zusammenschlüssen erfordern und bis zu einem gewissen Grad eine Neuausrichtung einleiten, was Synergien angeht. Natürlich sind wir alle für unsere eigenen Betriebe verantwortlich, aber die großen Themen werden wir nur gemeinsam angehen können. Ich persönlich bin sehr gespannt, wie es mit den großen Messen in Frankfurt und Leipzig weitergeht, die der Schrittmacher unserer Branche waren und hoffentlich weiter sein werden. Die Ausfälle der letzten Jahre sind nicht spurlos an ihnen vorbeigegangen, und auch hier wird es an uns allen liegen, dass diese Herzstücke der Branche relevant bleiben. Welche Auswirkungen haben die Steigerungen der Produktionskosten auf Ihre Herangehensweisen in der Produktion, aber auch auf das Programm? Jaksch: Inhaltlich ist die klare Kante, die wir bei Kremayr & Scheriau in den letzten Jahren etabliert haben, nicht verhandelbar. Meine Aufgabe als Verlagsleitung sehe ich daher u. a. darin, auf innovative Ideen und überraschende Konzepte zu setzen, deren Umsetzung zum Beispiel auch nicht immer zwingend an das „Frühjahr-Herbst-Programmschema“ gekoppelt sein muss. Eine Mischung aus schneller Reaktion auf aktuelle Geschehnisse sowie Gespür für langfristige 34 sortimenterbrief 7–8/22

ein blick in die verlagszukunft Entwicklungen erscheint mir auf Dauer als gangbarer Weg. Da wir auch auf die Ausstattung großen Wert legen, müssen wir ein bisschen umdenken – auf leistbare Papiersorten setzen, die gut lieferbar sind, uns eng mit Grafiker:innen austauschen, um mit kleinen Mitteln große Wirkung zu erzielen und dabei dennoch unserem Stil treu zu bleiben. Kann man sich unter diesen Voraussetzungen noch B- geschweige denn C-Titel leisten? Jaksch: Die ehrliche Antwort: eigentlich nicht. Nicht immer geht alles so auf, wie man es sich wünscht, aber tatsächlich ist es für einen Verlag unserer Größe nicht sinnvoll, Titel zu produzieren, die man „einfach so mitlaufen lassen kann“. Diese Zeiten sind vorbei. Der Trend geht, so nehme ich es auch bei anderen Verlagen wahr, zur Reduktion und Konzentration auf ein scharf konturiertes Programm. Wie kann man sich als Verlag absichern, dass man – sollten Titel im Herbst ausgehen – auch noch zu Nachproduktionen kommt? Jaksch: Eine 100%ige Absicherung gibt es aktuell nicht. Wichtig ist und bleibt, verantwortungsvoll zu planen – zum Beispiel ist es geboten, bei Titeln, bei denen wir mit Nachdrucken rechnen, gleich eine höhere Startauflage anzusetzen, da es momentan nicht so aussieht, als seien Nachdrucke flexibel möglich. Essenziell ist es inzwischen außerdem, parallel mit vielen Partner:innen im Gespräch zu sein, um zu wissen, wie die jeweilige Verfügbarkeit der benötigten Materialien ist. Auch hier also: Zusammenarbeit, gute Vorbereitung, offene Gesprächshaltungen. Hat Kremayr & Scheriau ein marketingund vertriebstechnisches Maßnahmen- Paket für Novitäten – und wenn ja, wie sieht dieses aus? Jaksch: Unsere Novitäten erhalten auf die einzelnen Titel abgestimmt jeweils ein eigenes Maßnahmenpaket. Darin enthalten ist für jedes Buch die Pressearbeit im gesamten DACH-Raum, für die zwei Agenturen in Deutschland und Österreich verantwortlich sind. Intern kümmern sich zwei Kolleginnen um Erstpräsentationen, Veranstaltungen und Messeteilnahmen, eine Mitarbeiterin konzentriert sich ganz auf Social Media und Branchenwerbung. Wir entwickeln für jeden Titel einen Fahrplan, welche Kanäle sinnvoll und effizient bespielt werden können, binden die Autor:innen sehr früh in alle Aktivitäten ein und stimmen uns intensiv mit ihnen ab. Ergänzend werben wir in Branchenmedien sowohl für den Verlag als auch für Einzeltitel. Mit dem Mix sind wir gut aufgestellt. Herzlichen Dank für das Gespräch! www.polar-verlag.de


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