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sortimenterbrief juli/august 2022

Das österreichische Branchenmagazin für Buchmarkt, Buchverkauf und Buchwerbung. Ausgabe Juli/August 2022.

social media – wohin

social media – wohin geht die reise? © Wunderknaben GmbH www.wunderknaben.wien Ossi Hejlek im Gespräch mit Stefan Schmertzing Geschäftsführer der Wunderknaben GmbH – Wien »What’s in for me?« Dass die Social-Media-Kanäle für alle Kunstschaffenden, egal ob Musiker:innen, Maler:innen, Autor:innen oder Selbstvermarkter:innen jeder Art, ein perfektes Kommunikationsmittel sind, davon bin ich überzeugt. Demgegenüber stehen Firmen, die auch alle ihre Auftritte haben und diese mehr oder minder pflegen. Wie sinnvoll sind Firmenauftritte? Schmertzing: Wenn ich in der Agentur über einen neuen Kunden nachdenke, ist meine erste Fragestellung immer genau diese: Wie sinnvoll ist für dieses Unternehmen ein Facebook-Auftritt, eine Instagram-Seite etc.? Sie zu haben, ist eine Sache, die Sinnhaftigkeit eine andere. Die Social-Media-Kanäle sind eigene Medien, für deren Bespielung man Redaktionspläne braucht – wie bei einer Zeitung. Die alles übergreifende Frage, die sich Konsument:innen stellen, ist: „What’s in for me?“ Sehe ich keinerlei Sinn, Vorteile und Anreize für mich, werde ich die Beiträge nicht lesen und auch nicht auf weiterführende Links klicken, geschweige denn Seiten mit einem „Gefällt mir“ versehen oder diese abonnieren. Die Konsument:innen entscheiden intuitiv, ob sie etwas davon haben – alles andere ist unwichtig. Die Frage „What’s in for me“ bestimmt auch den Redaktionsplan. Die Kanäle dienen dazu, etwas zu lernen, Neuigkeiten zu sehen oder zu Themen angestoßen zu werden. Und es muss den Konsument:innen so leicht wie nur möglich gemacht werden, zu den Informationen, Angeboten etc. zu kommen. Die One-Klick-Strategie wurde uns allen nachhaltig gelernt. Früher predigten alle als Hauptziel die Markenstärkung – heute scheint es stark in Richtung Social Commerce zu gehen ... Schmertzing: Ja, das machen mittlerweile sehr viele. Ohne eine zündende Idee oder die entsprechende Story wird es zu keinem Commerce kommen. Die Aufgabe lautet: Bedarf wecken! Wenn ich also einen Shop beispielsweise auf Facebook habe, ist meine Aufgabe welche? Schmertzing: Spannung zu erzeugen. Außerdem macht man in der Regel ja keinen Facebook-Shop, sondern spiegelt den seiner eigenen Website. Das ist keine Hexerei. Die einzelnen Social- Media-Kanäle verstehen sich somit als Vertriebswege meines Online-Shops, meiner Website. Als Verlag hat man einen direkten kurzen Draht zu seinen Autor:innen – mit denen lassen sich sicher schnell und kostenextensiv Videos drehen, die man als Verlag selbst nutzt oder dem Buchhandel zur Verfügung stellt. Facebook beispielsweise ist dem eigenen Shop vorgelagert – dort erzähle ich, in meiner ganz besonderen individuellen Art, was an einzelnen Büchern so besonders ist, warum ich persönlich gerade dieses Buch mag, empfehle etc. Hier sind die Herangehensweisen sicherlich unterschiedlich, je nachdem, ob ich eine Buchhandelskette bin oder ein inhabergeführtes Unternehmen. Die Botschaft, dass das neue Buch XY jetzt da ist, ist zu wenig – Novitäten von Bestsellerautor:innen vielleicht ausgenommen. Wie schaffe ich es dann de facto, dass ich über Social Media mehr Bücher verkaufe? 02 sortimenterbrief 7–8/22

Schmertzing: Indem ich die Aufbereitung meiner Message so steuere, dass jede:r sich denkt: Das hätte ich gern! Ich finde auch, dass die Videoproduktion eher auf der Agenda der Verlage steht. Wenngleich: Das Drehen eines kurzen Videos mittels Smartphone ... das sollte man heute doch hinkriegen, egal ob man Verlag oder Buchhändler:in ist ... Schmertzing: Für viele Menschen – damit ist nicht der Buchhandel angesprochen – ist vieles davon noch immer Teufelswerk. Aber klar: Man kann diese kurzen Videos auch sehr einfach und schnell selbst produzieren und hochladen. social media – wohin geht die reise? ganz einfach Geld verdienen wollen. Wir sind dazu verdammt, Werbung zu schalten. Entweder direkt oder per Postings, die im Anschluss beworben werden. Noch drastischer formuliert: Wer Postings nicht bewirbt, macht sie im Wesentlichen für sich selbst. Der Vorteil meiner Abonnent:innen ist aber, dass ich mit diesen – wenn auch bezahlt – immer interagieren kann. Das ist hoch wertvoll! Die erste Werbezielgruppe sind immer zuerst meine Fans, dann erweitert man um die jeweiligen thematischen Zielgruppen – natürlich entsprechend des zur Verfügung stehenden Budgets. Wo gibt es beispielsweise auf Facebook noch Steigerungen? Evelyn Schlag In den Kriegen Ein pazifistischer Roman über den Krieg Auch im 21. Jahrhundert kämpfen in der Ukraine wieder Deutsche. Diesmal als Freiwillige an der Seite ukrainischer Soldaten. Zwei von ihnen machen sich davon, gemeinsam mit der Verlobten eines Gefallenen und einem, der das Abenteuer sucht. Sie gehen zu Fuß in Richtung Krim, zum Meer hin, weg von der Vergangenheit, immer wieder auf sie gestoßen. Ist Bewegtbild mittlerweile state of the art? Schmertzing: Definitiv! Simple Textpostings sind zu wenig. Es braucht Bewegtbild. Wir sehen das eindeutig bei unserer täglichen Arbeit. Was nicht Bewegtbild ist, funktioniert nicht gut. Dem fehlt die Attraktivität, um hinzuschauen, zu klicken. Das können natürlich Videos sein oder statische Hintergrundbilder mit animierten Schriften und Symbolen. Ein Eyecatcher – wenn man so mag –, der mir hilft, die Produkte in meinem Shop zu bewerben oder beispielsweise meine Veranstaltungen. Wie gesagt, die Neuerscheinung alleine zu posten, ist zu wenig! Ich muss als Konsument:in in Kürze entscheiden können, ob ein Buch etwas für mich ist – oder nicht! Was mich wahnsinnig macht, ist die Tatsache, dass man beispielsweise 2.000 Abonnent:innen hat – das Posting aber z. B. nur 140 Mal ausgespielt wird. Warum? Schmertzing: Die Sache mit dem Abonnieren funktioniert heute grundsätzlich nicht mehr so gut, das macht kaum noch jemand. Und zum Missverhältnis von Abonnent:innen und Ausspielzahlen: Die Plattformen sind nicht dazu da, uns zu dienen. Das sind Unternehmen, die sortimenterbrief 7–8/22 Schmertzing: Eindeutig in den Facebook-Gruppen. Dort sind hoch motivierte Menschen, die jeden Tag in ihre Gruppe reinschauen. Man kann es auch so angehen: eine Facebook-Gruppe erstellen und diese wie einen Verein führen. Das betrifft aber nur Facebook. Was ist denn bei den Plattformen gerade en vogue? Von vielen Seiten hört man, Facebook sei tot, nur mehr Instagram zähle, dann heißt es wieder, Tik- Tok sei mit Vollgas auf der Überholspur. Was tatsächlich stimmt, weiß keiner ... Schmertzing: 2,5 Milliarden Menschen weltweit sind bei Facebook registriert – auch junge. Für verschiedene Belange werden unterschiedliche Plattformen genutzt. Facebook ist weiß Gott nicht tot – beispielsweise bei den Gruppen wird es immer mehr genutzt. Das beste Beispiel: die Wunderweiber. Dort gibt es auch schon lange eine Aufnahmesperre. Für die Mitglieder der Gruppe hat das eine extrem große Relevanz – das bekommt man auch mit Werbung nicht hin. Dort teile ich mich mit. Dort hole ich mir auch Antworten auf Probleme, die ich lösen muss. Wird dort etwas als gut befunden, ist es das auch. Das ist wie die Empfehlung einer guten Freundin. Wo finde ich die Jugend? 03 Hollitzer Verlag ISBN 978-3-99012-969-2 € 22,00 | 244 Seiten Hardcover mit Schutzumschlag „Buch der Stunde“ ORF Bestenliste „ein grandioser Höhepunkt im Werk der großen Erzählerin“ Die Presse „Es ist DER pazifistische Roman.“ Rotraut Schöberl, Café Puls-Buchtipp „… niemand [sollte] an diesem wunderbar poetischen, weltklugen und originellen Text vorbeikommen.“ Literaturhaus Wien


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