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sortimenterbrief Juni 2021

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Das österreichische Branchenmagazin für Buchmarkt, Buchverkauf und Buchwerbung. Ausgabe Juni 2021.

Ossi Hejlek im Gespräch

Ossi Hejlek im Gespräch mit Dr. Jasmin Peschke © François Bonhôte Was habe ich auf dem Teller, wie schmeckt es, und wie vertrage und verdaue ich es? Das Manifest für eine zukunftsweisende Lebensmittelproduktion Advertorial Wie sieht Ihre Tätigkeit als promovierte Oecotrophologin, also Ernährungswissenschaftlerin, aus? Peschke: Ich arbeite an der Sektion für Landwirtschaft am Goetheanum in Dornach, in der Schweiz. Das ist ein Zentrum, in dem biodynamische Landwirtschaft erforscht und thematisiert wird. Wir veranstalten Kongresse und Fortbildungen. Ich selbst begann dort vor fünf Jahren, das Fachgebiet Ernährung aufzubauen. Eine gesunde Landwirtschaft bzw. eine gesunde Gesellschaft kann gar nicht ohne Ernährung betrachtet werden. Meine Schwerpunkte liegen im Bereich der Forschung und der Fortbildung. Ich halte Vorträge und publiziere zu den Bereichen gesunde Ernährung und Ernährungssysteme. Welche Beziehung unterhalten Menschen, die sich gesund ernähren, zur Landwirtschaft, zum Handel, zur Verarbeitung ... Es ist die Frage, wie sich jeder Mensch selbst befähigen kann, zu einer gesunden Ernährung zu finden. Was versteht man unter biodynamischer Landwirtschaft? Peschke: Man kennt vielfach die mit dem Demeter-Label ausgezeichneten Produkte. Tatsächlich war das die erste biologische Landwirtschaft weltweit. In drei Jahren hat sie ihr 100-jähriges Bestehen. Dabei geht es um Kreislaufwirtschaft, um den Aufbau von Bodenfruchtbarkeit, um eine gesunde Pflanzenvielfalt – nicht um Ausbeute. Wann spricht man von einem gesunden Boden – von gesunder Erde? Peschke: Ein gesunder Boden baut permanent Bodenfruchtbarkeit auf. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch das Bodenleben – die Vielfalt der enthaltenen Organismen und deren Menge. Gesunde Böden können starke Regenfälle und lange Trockenheit besser abpuffern. Sie erwähnten, dass Sie Seminare abhalten. Auf welche Teilnehmer-Zielgruppen sind diese ausgerichtet? Peschke: Das ist ein wenig unterschiedlich. Vielfach sind es aber auch Verbraucher, die sich die Frage stellen: Was ernährt uns und wie ernähren wir uns gesund? Mein Ansatz ist, dass wir uns nicht nur von Nährstoffen wie Kohlenhydraten, Vitaminen, Mineralstoffen ernähren. Das ist nicht das Einzige, was uns nährt und gesund hält. In meinem Buch gibt es dazu passend das Kapitel „Der Nährwert von Pralinen“. Neben den Pralinen selbst ist es beispielsweise die Geste des Geschenks, die einen freut und aufbaut. Und es ist auch der Genuss, der beim Verzehr nicht außer Acht zu lassen ist. Das sind auch Realitäten. Jasmin Peschke Vom Acker auf den Teller Was Lebensmittel wirklich gesund macht 2021, at verlag, 256 S., 70 Farbfotos, gebunden 978-3-03902-111-6, € 26,00 (A) 64 sortimenterbrief 6/21

Eine ehemalige österreichische Kulturministerin sagte einst: „Ein Leben ohne Genuss verhärmt ...“ Peschke: Ich sehe das ganz genauso. Ohne Genuss, keine Lebensfreude. Ohne Genuss setzt man sich nicht in Beziehung – weder zu den Lebensmitteln noch zu seiner Umwelt. Wir leben davon. Im Buch findet man einen Beitrag der Sterneköchin Tanja Grandits. Sie sagt: „Gesundheit ist Genuss.“ Ist den Menschen bewusst, was Genuss ist? Ich denke da an die Art von vermeintlichem Genuss beim Verzehr von Junkfood ... Peschke: Ich bin davon überzeugt, dass die Auseinandersetzung mit dem Essen extrem wichtig ist. Was habe ich vor mir auf dem Teller? Wie schmeckt es mir? Aber auch: Wie ist mein Wohlbefinden nach dem Essen, wie vertrage ich es? Wenn man betrachtet, welche Krankheiten von Junkfood ausgelöst werden, wird einem klar, dass das nicht gesund sein kann. Es hindert beispielsweise auch Kinder daran, ihren natürlichen Geschmack zu entwickeln. Kann man Fehlgeleitetes korrigieren? Peschke: Ja, das kann man. Es gibt in der Wissenschaft den Begriff Mindful Eating – das achtsame Essen. Wenn man sich bewusst damit in Beziehung setzt, erzielt man bei vielen Formen von Essstörungen gute Erfolge. Braucht es zur Auseinandersetzung – im Sinne der drei oben genannten Fragen – nicht eines bestimmten Intellekts, neben der Bereitschaft? Peschke: Zu einem gewissen Grad stimmt das. Es gibt aber große Fortschritte, beispielsweise in der Arbeit mit Kindern. Kinder haben Spaß am Umgang mit Lebensmitteln, lassen sich auch gerne auf Neues ein. Sarah Wiener spricht zum Beispiel im Buch darüber – sie gründete eine Kinderkochschule, sortimenterbrief 6/21 gesunde lebensmittel mit großem Erfolg. Andererseits erschüttert es mich immer, wie viel Billigfleisch bzw. Billig-Lebensmittel gekauft werden. Da ist es nicht weit her mit der Achtsamkeit. Dem stehen Klimakrise oder auch die Corona-Pandemie gegenüber, die das Resultat dessen sind, wie wir leben. Oft erwächst eine andere Einstellung erst durch persönliche Betroffenheit. Hat Qualität immer ihren Preis? Peschke: Auf jeden Fall gilt, dass Qualität ihren Preis – ihren Wert – hat. Die Anbauvielfalt hat auch ihre positiven Auswirkungen auf den Boden, das Umfeld, das Insektenleben ... Würde man die Schäden, die durch konventionelle Landwirtschaft verursacht werden, auf die Produktkosten aufrechnen, wären diese viel teurer als Bioprodukte. Dieses Kostenbewusstsein hat man nicht. In der Schweiz beispielsweise haben 60 % der Trinkwasserquellen einen zu hohen Pestizidwert. Was macht man? Man mischt es mit unbelastetem Wasser, um die Werte zu verbessern. Diese Kosten bezahlt die Allgemeinheit! Wer Bewusstsein schaffen möchte, muss doch auch entsprechend aufklären ... Peschke: ... und Transparenz schaffen. Damit ist nicht nur das Wie gemeint, sondern auch das Warum. In der Regel steht Profitgier dahinter. Wenn ich als Konsument hoch bedenkliche Lebensmittel kaufe – egal, ob es die Inhaltsstoffe oder die Produktionsform betrifft –, stimme ich dem zu und signalisiere, dass ich mehr davon möchte. Das ist vielen nicht klar. Billig, billig ist am Ende sehr teuer. Ich denke, es braucht das große Umdenken, dass nicht mehr materielles Wachstum anzustreben ist, denn dort haben wir das Wachstum schon ins Destruktive gehende überreizt. Wir müssen in unseren Fähigkeiten wachsen – in den Skills. Das macht uns am Ende gesund und glücklich. Danke für das Gespräch! 65 Wolf Dieter Storl Gartengemüse: mehr als nur Vitaminspender. Gartenbuch und Kulturgeschichte. Gesammeltes Wissen des großen Pflanzenkenners. 50 Gartengemüse, darunter auch seltene und vergessene Gemüse- und Salatpflanzen, stellt Wolf-Dieter Storl, der große Kenner und Erforscher der Heil- und Nutzpflanzen, spannend und gut lesbar vor. Eine einzigartige Verbindung von Gartenbuch, Ethnobotanik, Kulturgeschichte und alten wie auch neuesten medizinischen Erkenntnissen. Wolf-Dieter Storl Bekannte und vergessene Gemüse Botanik, Geschichte, Heilkunde und Anwendungen 4. Auflage 2020, at verlag 288 Seiten, 62 Farbfotos, Gebunden 978-3-03902-120-8, € 25,00 (A) xx


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