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sortimenterbrief Juni 2022

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Das österreichische Branchenmagazin für Buchmarkt, Buchverkauf und Buchwerbung. Ausgabe Juni 2022.

Lutecka: Wir begannen im

Lutecka: Wir begannen im Herbst vergangenen Jahres mit den Preisanpassungen, haben den Prozess aber sehr behutsam abgestimmt, wirklich von Buch zu Buch abgewogen, was es jeweils verträgt. Bei den Neuproduktionen und Nachdrucken muss natürlich grundsätzlich eine andere Kalkulation stattfinden, da die Produktionskosten extrem gestiegen sind. © Amalthea Verlag Holger Nicklas (Verkaufsleiter Buch Franckh-Kosmos), Katarzyna Lutecka (Verlagsleitung & PR Amalthea Signum Verlag) Ossi Hejlek im Gespräch mit Holger Nicklas und Katarzyna Lutecka 200 Jahre Kosmos. Umsatzsteigerungen, Preiserhöhungen und ein Auslieferungswechsel im Jubiläumsjahr Wie geht Kosmos mit der Thematik der höheren Ladenpreise um? Nicklas: Als wir vor vier Jahren begannen, im Buchhandel höherpreisige Spielwaren anzubieten, mussten wir viele Gespräche führen und Überzeugungsarbeit leisten. Erfahrungsgemäß ist es aber so, dass für Kund:innen, die vor Ort in der Buchhandlung sind, der Preis nicht im Fokus steht, sobald das Produkt für sie passt. Wir alle sind doch Geschenk- und Erlebniskäufer:innen. Natürlich gehören die Produkte am POS auch entsprechend in Themenwelten präsentiert. Da schaut niemand, ob ein Mitbringsel 5,99, 6,99 oder 7,99 € kostet. Oder beispielsweise ein Exit-Spiel 11,99 oder 14,99 € kostet. Das Angebot muss stimmen, ebenso das Präsentationsumfeld. Seit zwei Jahren erhöhen wir nun sukzessive die Buchpreise, damit alle Beteiligten mehr Wertschöpfung erzielen. Gerade das diesbezügliche Feedback von den Buchhandlungen bestätigt das Vorgehen – im Populärbereich und bei Impulskauf-Produkten moderate Erhöhungen, bei Special-Interest-Produkten auch schon gerne mal deutlichere. Die gegenwärtige Situation bestätigt unser frühes Agieren beim Pricing. Ich habe es nie verstanden, warum Kinderbücher bis zur Hälfte weniger gekostet haben als produktionstechnisch vergleichbare Erwachsenenromane ... Nicklas: Da war vieles historisch gewachsen. Daher umso besser, dass in der Branche seit ein paar Jahren kontinuierlich zarte Preisanpassungen vorgenommen wurden – und man sich jetzt beherzt auch über deutlichere traut. Wie geht Amalthea damit um? Nicklas: Wir sollten alle aufhören, über die Preise zu sprechen. Viel wichtiger ist es, die richtigen Produkte auf den Markt zu bringen, die die Kund:innen haben möchten. Man wird als Verlag gut beraten sein, zu überlegen, ob man wirklich alles in dem Umfang verlegt wie bislang. Vielleicht reicht auch ein Viertel weniger. Die Beliebigkeit und Austauschbarkeit wird in den Programmen verschwinden, denn die wird man sich nicht mehr leisten wollen und können. Die Qualität muss stimmen und die Zielgruppenansprache – wir haben uns bei Kosmos in den letzten Jahren sehr intensiv auf eine Ausschärfung von Layouts und Inhalten konzentriert und dafür sehr gutes Feedback aus dem Handel erhalten. Und mindestens ebenso wichtig ist uns das starke Investieren in Marketing und PR – auch nach 200 Jahren ein Pfeiler unseres Erfolgs. Lutecka: Wir bringen im Herbst Radikale Wende der 21-jährigen Autorin Lena Schilling heraus. Sie ist das Gesicht der Lobau-Bewegung – repräsentiert die Generation Neustart. Von ihr haben wir als Verlag auch viel gelernt – eben wie diese junge Generation tickt. Beispielsweise, dass man sehr puristische Textbände ohne Bebilderung bevorzugt. Wir leben und arbeiten in einer Zeit, in der gerade vieles hinterfragt wird – hinterfragt und erneuert werden muss. Ist ein 200-Jahre-Jubiläum, wie das von Kosmos, auch ein guter Zeitpunkt, um alles zu hinterfragen? Nicklas: Es ist auf jeden Fall ein guter Zeitpunkt, um sich klar zu sein, wie wichtig die Qualität ist – die inhaltliche und die herstellerische. Denn ohne Qualität 20 sortimenterbrief 6/22

und inhaltliche Kompetenz würden wir 2022 nicht 200 Jahre feiern! Diese fehlt auch beispielsweise nicht bei den einfacheren Basis-Werken im Naturbereich und auch nicht bei unseren frecheren Gartentiteln für junge Zielgruppen. Augenzwinkern ja – aber dabei nicht den inhaltlichen Ernst der Sache verlierend. Für das Gartenprogramm werden wir vom Handel sehr gelobt. Welche Besonderheiten gibt es zum Jubiläum? Nicklas: Wir begannen bereits im Spätherbst letzten Jahres, das Jubiläum an den Handel zu kommunizieren. Im Juli wird es im Stadtpalais in Stuttgart eine große Jubiläums-Ausstellung geben, wir werden ein Verlagsfest veranstalten, und im Herbst auf der Frankfurter Buchmesse werden wir dem Jubiläum noch mal einen schönen Rahmen geben und mit unseren Handelspartner:innen feiern. Außerdem haben wir einige Produkte explizit für das Jubiläum gemacht, besonders spannend dabei ist unsere Verlagschronik Von nicht verklungener Wirkung. Was den Handel betrifft, haben wir für das ganze Jahr attraktive Aktions- und Marketingpakete geschnürt. Wir haben die doppelte Menge an Materialien produziert als sonst, waren trotzdem nach wenigen Wochen ausverkauft. Dafür möchte ich allen Buchhandlungen ein herzliches Dankeschön sagen! Stimmt es, dass der österreichische Buchhandel im Vergleich zum deutschen viel aktionsfreudiger ist? Nicklas: Teilweise ist das so, allerdings kommt es auf die Themen an. Bei unseren Aktionen im Bereich „Bewusster Leben“ hat Österreich zum Beispiel traditionell den größten Anteil, aber auch alle „grünen Themen“ sind extrem stark. Man merkt hier einfach die große Verbundenheit zur Natur. Was haben die letzten beiden Jahre mit dem Kinderbuchprogramm bei Kosmos gemacht? Nicklas: Kosmos hatte die richtigen Produkte für die Bedürfnisse der Menschen in den Pandemiejahren. Die kontinuierlichen Steigerungen im Kinderbuch begannen bereits vor vier Jahren – wurden von den vergangenen beiden Jahren noch getoppt. Ein großer Anteil dabei ist auf die starken Marken bei Kosmos zurückzuführen: Die drei ???, Die drei !!!, Sternenschweif, TKKG ... Parallel ist auch während der Pandemie der Spiele- Umsatz gestiegen. Gerade im Bereich der 20- bis 30-Jährigen ist Spielen ein großer Trend. Einst – vor über 20 Jahren – waren es Spiele wie Catan, die Kosmos Spielwaren groß machten. Es folgten Riesenerfolge wie Ubongo oder Die Legenden von Andor – vor fünf Jahren war Exit Spiel des Jahres. Das hat eine richtige Welle bei den kooperativen Gesellschaftsspielen ausgelöst. Auf der anderen Seite produziert Kosmos Spiele zu starken Buchtiteln – eigenen, aber auch in Lizenz zu denen anderer Verlage. Wie werden die Spielwaren in den unternehmergeführten Buchhandlungen angenommen? Nicklas: Großartig! Wir verzeichnen ein zweistelliges Umsatzplus. Bei den Ketten läuft es ohnedies sehr gut. Und wie sieht es aktuell im Kinderbuch aus? Nicklas: Erfreulicherweise halten wir das hohe Umsatzniveau. Parallel wurde ein Relaunch bei unseren Kinderbuch- Marken vollzogen. Alle sind lesefreundlicher, in einem größeren Format und mit einem höheren Ladenpreis versehen. Aber es gibt auch Neuigkeiten in puncto Logistik und Vertretung ... Nicklas: Österreich war immer schon ein wichtiger Markt für uns, und wir wollen, dass das auch in Zukunft so bleibt. Daher haben wir uns schon vor dem Jubiläum zusammengesetzt und alle Aspekte für eine nachhaltig positive es läuft im jubiläumsjahr Entwicklung durchdiskutiert. Ziel war, mit einem eigenen Vertreter noch präsenter zu sein und die Beratungskompetenz zu erhöhen. Dann traf uns alle ganz unerwartet die Erkrankung von Michael Hipp. Dadurch hatten wir im Frühjahr keinen Außendienst in Österreich – was aber zweitrangig war, denn die Sorge um Herrn Hipps Gesundheit stand an erster Stelle. Zum Glück können wir mittlerweile sagen, dass es ihm wieder gut geht und er dem österreichischen Buchhandel in neuer Funktion erhalten bleibt. Eine wichtige Botschaft für alle Buchhandlungen ist, dass wir weiterhin mit einer österreichischen Auslieferung am Markt präsent bleiben. Wir freuen uns sehr, dass wir ab Juni mit allen Verlagen der Fleissner-Verlagsgruppe – Kosmos Buch und Spielwaren, Herbig, Nymphenburger, Langenmüller, Belser, Columbus Globen und besonders wichtig auch Amalthea – zur Auslieferung MELO wechseln. In den äußerst konstruktiv geführten Gesprächen wurde schnell klar, dass die beiden Unternehmen aufgrund ähnlicher inhabergeführter Strukturen gut zueinanderpassen. An dieser Stelle möchte ich mich aber auch für die Jahrzehnte währende gute Zusammenarbeit bei Mohr Morawa bedanken! Last but not least freuen wir uns sehr, dass wir mit der Verlagsvertretung Bernhard Spiessberger bis Ende des Jahres ein ebenso kompetentes wie sympathisches Bindeglied zum Buchhandel gewinnen konnten. Lutecka: Bernhard Spiessberger hat uns im Frühjahr quasi ohne Vorbereitung in dieser schwierigen Situation unterstützt und spontan sowie mit großem Erfolg die Vertretung von Amalthea übernommen. Dafür möchten wir uns alle bei ihm und seinem Team von Herzen bedanken und freuen uns daher umso mehr, dass er mit seiner hohen Beratungskompetenz nun auch die restlichen Verlage vertritt – ich hoffe auch auf ein über 2022 hinausgehendes, langfristiges Miteinander ... Herzlichen Dank für das Gespräch! sortimenterbrief 6/22 21


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