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sortimenterbrief März 2020

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Das österreichische Branchenmagazin für Buchmarkt, Buchverkauf und Buchwerbung. Ausgabe März 2020.

schwerpunkt reise

schwerpunkt reise interview © Françoise Hauser Françoise Hauser ist als Journalistin seit 30 Jahren immer wieder in Asien und anderen Regionen der Welt unterwegs. Startschuss dieser lebenslangen Begeisterung war das Sinologie- Studium, das sie unter anderem für zwei Semester nach Nanjing in der Volksrepublik China und ein Semester nach Tainan in Taiwan führte. Nach dem Studium arbeitete sie zunächst im Tourismus, genießt aber seit mehr als 15 Jahren die Freiheiten einer freien Journalistin und Autorin. Ossi Hejlek im Gespräch mit Françoise Hauser „Reisen ist wichtig, damit der Mensch die Welt und sich selbst erkennt.“ In einem Interview zitierten Sie einmal aus dem Grundlagenwerk des Daoismus: „Man muss nicht aus dem Haus gehen, um alles zu wissen. Und man muss nicht aus dem Fenster sehen, um den Grund der Dinge zu erkennen.“ Hauser: Reisen ist wichtig, um die Welt zu entdecken – aber auch, um mehr über sich selbst zu erfahren. Wer jedoch in seinem Alltag nicht aufmerksam ist und das, was er erlebt, nicht reflektiert – dem nützt auch das Reisen nichts. Agieren nicht viele Menschen so, dass Reisen für sie ein Abarbeiten von To-dound Check-Listen ist? Gelingt es diesen, innezuhalten und zu genießen? Hauser: Ich habe dem Thema auch ein Kapitel gewidmet. Es gibt ja mittlerweile schon viele Vorlagen, die man für seine Listen verwenden kann. Ich bin der Meinung, dass man sich durch ein solches Vorgehen selbst viel verbaut und nimmt. Wer mit abzuarbeitenden Listen reist, ist getrieben – kann nicht genießen, wird vieles verpassen, obwohl er vieles abgehakt hat ... Ich glaube, das wird bei vielen Reisenden dann auch noch durch das Handy- Fotografieren potenziert. Zwei Drittel der Zeit genießt man den Urlaub durchs Handy, weil alles fotografiert wird ... zu Hause schaut sich dann niemand mehr die 600 Fotos an. Hauser: Ich habe in diesem Zusammenhang eine Studie aus Großbritannien gelesen, die besagt, dass junge Menschen bis 30 ihre Entscheidung, wohin sie reisen, danach treffen, wie sehr das Reiseziel instagram-tauglich ist. Die Instagramability entscheidet ... kann man von seinem Urlaubsziel gute Fotos posten? Die Selbstdarstellung wurde enorm wichtig – egal, auf welchem Social-Media-Kanal. Ich las, dass die Social Networks sehr viel zur Unzufriedenheit der Daheimgebliebenen beitragen ... Hauser: Das glaube ich gerne. Der Neid gegenüber dem, was ein anderer hat, unternimmt und erlebt, ist enorm. Liebend gerne postet insbesondere die Damenwelt ihre Zehen – vor einem neiderweckenden Reisehintergrund ... Männer gar nicht – was vielleicht auch an der Ansehnlichkeit männlicher Zehen liegt ... Hauser: Ja, das ist wirklich seltsam! Warum verreisen Menschen eigentlich bzw. warum sollte man es trotz potenziell zu erwartender Unbill trotzdem tun? Hauser: Ich habe im Buch 55 Gründe genannt, kann sie aber auf Anhieb nicht alle auswendig (lacht)! Im Wesentlichen beginnt es mit der Vorfreude auf eine Reise – gefolgt von vielen Kleinigkeiten. Zum Beispiel, wenn man aus dem Flugzeug steigt und tief einatmet – es ganz anders riecht als zu Hause. Das ist ein richtiger Glücksflash! Das Entdecken von Neuem spielt natürlich eine große Rolle. Zwei Ebenen sind mir in diesem Buch wichtig: Einerseits die Aspekte, auf die man beim Reisen achten soll, andererseits sind es die vielen Gründe, warum Reisen trotzdem Spaß macht. Was kann denn so alles passieren? Worauf sollte man achten? Hauser: Ein Kapitel dreht sich ums Telefonieren auf Fähren bzw. die mobilen Daten. Man fährt die Küste entlang nach Norwegen, glaubt, man kann im EU-Netz roamingfrei telefonieren, dabei ist das Handy wechselweise im Schiffsnetz eingeloggt ... und das wird richtig teuer! Soll man deswegen keine 48 sortimenterbrief 3/20

schwerpunkt reise interview Françoise Hauser Was Sie dachten, niemalS über das ReiSen wissen zu wollen ca. 256 Seiten, Format 11 × 19 cm, Taschenbuch 978-3-95889-337-5, € 10,30 | Conbook ET: Frühjahr 2020 Hauser: Viele Reiseentscheidungen bzw. die Auswahl der Hotels, die Restaurantbesuche etc. basieren auf dem Entscheidungskriterium: „Was sagen die anderen dazu?!“ Das ist schon gut so, man muss aber genau hinsehen und seinen gesunden Menschenverstand walten lassen. Die Beschreibung der „guten Verkehrsanbindung“ des Hotels kann sich als direkte Lage an der Autobahn entpuppen. Auch garantiert die Abbildung einer idyllischen Altstadt auf der Hotelwebsite nicht, dass dieses auch direkt in der Altstadt liegt. Und das vermeintlich pulsierende, lebhafte Viertel kann sich als Gegend entpuppen, die einen mit torkelnden Nachtschwärmern vor dem Hotel erfreut. Wer aber dennoch am Reiseziel ankommt, erlebt dann gerne mal einen Kulturschock ...? Hauser: Ja, man glaubt es kaum, aber gar nicht wenige Reisende sind ganz verblüfft, dass es in der Ferne nicht genau so zugeht wie daheim – Kulturschock garantiert. Den kann man im Vorfeld nicht verhindern. Aber wenn der Moment eintritt, dass man vor Ort alle und alles doof findet, sollte man sich eine Auszeit vom Reisen gönnen, einen Tag im Hotel bleiben und in sich gehen. Wie unangenehm können Gruppenreisen werden? Wie man merkt, auch der Humor kommt im Buch nicht zu kurz ... Fähren mehr nehmen? Gar nicht! Aber man kann einfach mal das Handy ausschalten. Auf Reisen muss jeder auch irgendwann einmal auf die Toilette ... Hauser: Auf jeden Fall sind sie nichts für Weichlinge (lacht)! Man muss es sich gut überlegen, ob man der Typ dafür ist. Ich bin es nicht. Im Buch erwähnen Sie den Begriff des Skyplaggings. Was ist das? Hauser: Solche Themen laden zu einer humorvollen Betrachtung ein, zum Beispiel auch, wenn es darum geht, dass Reisen Freundschaften zerstören kann oder ein guter Beziehungs-Crash-Test ist. Die meisten Scheidungen passieren nach den Sommer- bzw. Winterferien ... Hauser: Das ist ein spannendes Thema, weil darüber kaum jemand spricht. Wer nicht auf Luxusniveau reist, kann da ganz schnell Probleme bekommen. In Indien beispielsweise hat ein großer Teil der Bevölkerung gar keine Toiletten, ein Mitgrund für die vielen Durchfallerkrankungen – denn, wo die Fliege am Buffet gerade herkommt ... man weiß es nicht so genau ... (lacht) Hauser: Es kann sein, dass die Flugstrecke Wien-Frankfurt-Peking billiger ist als die Frankfurt-Peking-Strecke. Jetzt könnte ein Deutscher auf die Idee kommen, den Teilflug Wien-Frankfurt verfallen zu lassen und erst in Frankfurt einzusteigen. Was dann passiert, kann man im Buch nachlesen. Danke für das Gespräch! Zwei Kapitel im Buch widmen sich Internetbewertungen. Wem darf man eigentlich trauen? sortimenterbrief 3/20 COnBOOK verrät, was die Touristeninformation verschweigt Der CONBOOK Verlag für Reiseliteratur legt die humorvolle NIEMALS-Reihe in dieser Saison mit neuen Covern und erweiterten Inhalten neu auf. Neben den gerelaunchten Taschenbüchern zu Indien, Japan und den Niederlanden erscheinen brandneue Ausgaben zu Dänemark, Kroatien, England, Kanada sowie der Titel Was Sie dachten, NIEMALS über das REISEN wissen zu wollen. Das steckt hinter den unterhaltsamen Kulturenthüllern: Die NIEMALS-Reihe ... fokussiert sich auf überraschende Aspekte eines Landes, die in keinem Reiseführer stehen ist die perfekte Grundlage für Kultur-Small-Talk zu Hause und auf Reisen greift weniger bekannte Themen unter der Oberfläche auf – mitten aus der Gesellschaft und weitab von Geschichtsdaten bekannter Bauwerke All dies vermitteln die Autoren so, wie es die Menschen lesen möchten: Unterhaltsam, satirisch, liebevoll – und mit ganz viel Wissen und Kulturverständnis www.conbook-verlag.de

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