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sortimenterbrief März 2022

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Das österreichische Branchenmagazin für Buchmarkt, Buchverkauf und Buchwerbung. Ausgabe März 2022.

Europakarte: ©

Europakarte: © shutterstock/bearbeitet von B+M/Herzberger. B L CH FL D I A Die Steuersätze auf Bücher und E-Books in deutschsprachigen Staaten bzw. Staaten mit deutschsprachigen Minderheiten Land Steuersatz Österreich 10 % Deutschland 7 % Belgien 6 % Italien 4 % Luxemburg 3 % Schweiz 2,5 % Liechtenstein 2,5 % Die Grafik zeigt die schlechte Ausgangsposition, die der österreichische Buchhandel im deutschsprachigen Markt vorfindet. Neben der bekannten Differenz mit Deutschland wird häufig übersehen, dass in Südtirol die italienische Umsatzsteuer mit 4 % auf Bücher geregelt ist. Und daher Bücher südlich des Brenners zu anderen Marktkonditionen verkauft werden können. Zu Belgien ist zu erwähnen, dass Deutsch dort Amtssprache ist, rund 1 % der Belgier (in Eupen und Malmedy) haben Deutsch als Muttersprache. Die drei Niedrigsteuerländer Schweiz, Liechtenstein und Luxemburg zeigen anhand der dortigen Steuersätze auf, welche günstigen Rahmenbedingungen der Buchmarkt vorfindet. Niedriger Mehrwertsteuersatz soll Verlags- und Buchbranche stärken Die Finanz- und Wirtschaftsminister der EU haben sich bei einem Treffen Anfang Dezember in Brüssel einstimmig auf flexiblere Vorgaben für die Mehrwertsteuer geeinigt. Mit diesem Richtlinienentwurf könnten die Konsumentensteuern auf Bücher in Österreich gesenkt werden und die heimische Verlags- und Buchhandelsbranche in Europa könnte endlich wettbewerbsfähig werden. Text: Ernst Wachernig bezahlte Einschaltung Viele Jahre währt der Kampf des Fachverbandes der Buch- und Medienwirtschaft für eine Anpassung der Mehrwertsteuer an andere Staaten des Wirtschaftsraumes Europa. Mit der Corona-Krise ist es gelungen, den Mehrwertsteuersatz von 10 auf 5 Prozent zu senken – allerdings limitiert bis 31. 12. 2021, seit 1. 1. 2022 gelten 10 Prozent, wie zuvor. „Um jedoch wieder auf Erfolgskurs zu kommen“, so Komm.- Rat Friedrich Hinterschweiger, Obmann des Fachverbandes, in einer Presseaussendung und in einem Interview mit dem Kurier, „müsse der verminderte Steuersatz weiterhin gelten“. Mit der Wiedereinführung des 10-Prozent-Steuersatzes auf Bücher ab 1. 1. 2022 ist Österreich am deutschsprachigen Buchmarkt erneut massiven Wettbewerbsverzerrungen ausgesetzt. Ein Vergleich: Schweiz und Liechtenstein versteuern Bücher mit 2,5 Prozent, Luxemburg mit 3 Prozent, Italien – Südtirol mit 4 Prozent bzw. Deutschland mit 7 Prozent. Nach wie vor kämpft die Branche mit den Auswirkungen der Pandemie, ohne eine Verlängerung des verminderten Steuersatzes ist die Erholung der Branche gefährdet. Apropos Deutschland und Österreich: Hier 7 Prozent, da 10 Prozent Mehrwertsteuer auf Bücher. In dieser Differenz von 3 Prozent liegt viel Bürokratieaufwand, da 8 von 10 Büchern, die in Österreich verkauft werden, aus Deutschland geliefert werden. 25 % weniger Gewerbeberechtigte im Buchhandel Während die Politik in der Frage der Mehrwertsteuer keine wirtschaftsfreundlichen Entscheidungen zu beschließen ver- mag, sinkt die Zahl der Buchhandlungen Jahr für Jahr. In den kleinen und mittleren Städten Österreichs seit vielen Jahren, neuerdings auch in den Hauptstädten der Länder, selbst in der Millionenstadt Wien geht die Zahl des Kulturträgers Buchhandlung zurück. Sind es in Österreich im Jahr 2012 noch 1906, so liegt die Zahl im Jahr 2022 bei 1410 Gewerbeberechtigungen für den Buchverkauf. Branche leidet unter Verlusten Trotz anders lautender Meldungen haben für sehr viele Betriebe die Werbe- und Marketingmaßnahmen nicht ausgereicht. Rund 70 Prozent der Buchhandlungen konnten in den letzen zwei Jahren die Umsätze von 2019 nicht erreichen. Dazu kommt das Problem, dass Onlineverkäufe die Rentabiliät verringern. Die Versandund Logistikkosten wirken sich in dieser 24 sortimenterbrief 3/22

Branche besonders nachteilig aus, weil der Warenwert der durchschnittlichen Buchkäufe wesentlich geringer ausfällt, als dies sonst im Versandhandel üblich ist. Sämtliche Bemühungen der Interssenvertretung, bessere Versandhandelskonditionen für Bücher zu erreichen, sind gescheitert. Steuerdifferenz erhöht Verluste Bücher werden nicht ausschließlich Stück für Stück gekauft, es gibt auch Ausschreibungen, z. B. für die Ausstattung von Bibliotheken. Und in solchen Fällen wissen Institutionen, dass Bücher in anderen EU-Staaten billiger zu beschaffen sind. Großbestellungen werden daher kaum in Österreich getätigt. Der internationale Versandhandel, ein potenziell interessanter Nischenmarkt, leidet auch und kann sich in Österreich nur sehr schwer etablieren, da unsere Steuersätze zu hoch sind. Stark steigende Papierpreise Hinzu gesellt sich die Verknappung des Papier produzierenden Marktes – auch kein Kind der letzten Jahre, vielmehr eine Tatsache seit mehreren Jahrzehnten. Doch der Anstieg der Papierpreise, parallel mit den geradezu explodierenden Energiepreisen, ist erst in der jüngsten Vergangenheit signifikant und in der Folge für zahlreiche kleine und mittlere Verlage existenzbedrohend. Hierzu kommt im Hintergrund ein Phänomen: Die aufstrebende und junge Autorenszene gerät ins Wanken. Denn just jene Verlage, die junge Kreative veröffentlichen und für eine größere Leserschaft aufbauen, schlanken ihr Programm aus, da sie ansonsten in eine ökonomisch prekäre Lage kämen. Neue Mehrwertsteuer auf Bücher Nicht allein Bücher sind es, für die eine neue und dauerhaft gesenkte Mehrwertsteuer gefordert wird. Dennoch ist es just beim Kulturgut Buch essenziell, seitens der Branchenvertretung darauf zu pochen und seitens der Politik darauf zu achten. Es geht um die Ertragssituation, die durch den steigenden Onlinehandel zusätzlich prekär ist und damit wenig rentabel. Was steht in der EU-Richtlinie? Alle Mitgliedsstaaten sollen gleich behandelt werden und müssen daher dieselben Möglichkeiten in der Anwendung ermäßigter Mehrwertsteuersätze eingeräumt bekommen. Gleichzeitig haben diese Ermäßigungen eine Ausnahme vom Normalsteuersatz darzustellen. Diese Gleichbehandlung kann dadurch erreicht werden, dass allen Mitgliedsstaaten gestattet wird, auf die infrage kommenden Gegenstände und Dienstleistungen innerhalb festgelegter Grenzen höchstens zwei ermäßigte Steuersätze in Höhe des Mindestsatzes von 5 Prozent anzuwenden – einen ermäßigten Steuersatz, der unter dem Mindestsatz von 5 Prozent liegt, und eine Steuerbefreiung mit Recht auf Vorsteuerabzug. Für die Anwendung einer solchen Ausnahme werden Bücher im Artikel 98 der Richtlinienkompetenz explizit genannt. Das heißt im Klartext: In Österreich gibt es derzeit zwei ermäßigte Steuersätze – 10 Prozent und 13 Prozent. Neben diesen beiden Möglichkeiten gäbe es nun europarechtlich die Möglichkeit, einen weiteren Steuersatz einzuführen, der unter 5 Prozent liegt. • Digi-Neuerungen für das Schuljahr 22/23 Ab dem 21.März 2022 werden die Schul- Bestellfunktionen für Schulbücher und weitere Unterrichtsmittel im Onlineportal geöffnet. Das Angebot für die Schülerinnen und Schüler wird im Rahmen der „Digitalisierung im Bildungswesen“ erweitert. Waren bisher digitale Unterrichtsmittel im Rahmen von DIGI4SCHOOL ausschließlich als Hybridprodukte bestellbar, so werden nun auch E-Book Solo und E-BOOK+ Solo angeboten. Bei den Solo- Produkten handelt es sich um ausschließlich digitale Schulbücher. Sie werden mit einer eigenen Schulbuchnummer und zu einem niedrigeren Preis als die Kombi- Produkte bestellbar sein. Das bedeutet für die Schulbuchverlage und den Schulbuchhandel eine große Herausforderung. Der Fachverband wird vor diesem Hintergrund allen betroffenen Teilnehmern Informationen zukommen lassen und darüber hinaus mit Rat und Tat zur Seite stehen. Damit bleibt der österreichische Schulbuchhandel am Ball und stellt sich, wie bisher auch, den Herausforderungen der digitalen Transformation des Bildungswesens. Das alles unter Bedacht darauf, dass die Existenzen der Mitgliedsbetriebe und die Arbeitsplätze für Mitarbeiter erhalten bleiben.• © WK StmK „Im Zuge der Digitalisierung sind wir sowohl mit SBX als auch mit DIGI4SCHOOL vorangeschritten. Dabei haben wir als besonnene Branchenvertreter stets darauf geachtet, dass die Interessen der Schüler, der Lehrer und der Eltern im Fokus bleiben.“ Komm.-Rat Friedrich Hinterschweiger, Obmann des Fachverbandes der Buchund Medienwirtschaft sortimenterbrief 3/22 25


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