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sortimenterbrief November 2021

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Das österreichische Branchenmagazin für Buchmarkt, Buchverkauf und Buchwerbung. Ausgabe November 2021.

Beate Maly wurde 1970 in

Beate Maly wurde 1970 in Wien geboren, wo sie bis heute mit ihrem Mann lebt. Ihre drei Kinder zieht es immer wieder in die weite Welt. Zum Schreiben kam sie vor rund 20 Jahren. Sie widmet sich dem historischen Roman und dem historischen Kriminalroman. 2019 war sie mit Mord auf der Donau für den Leo-Perutz- Preis nominiert. eine über 150-jährige Geschichte zurückblickt, wird zum Schauplatz des Verbrechens. Und genau wie in den Vorgängerbänden steckt Ernestine ihre neugierige Nase in Angelegenheiten, die sie eigentlich nichts angehen, und beginnt gegen den Willen ihres ehemaligen Schülers, Erich Felsberg, in einem neuen Fall zu ermitteln. Das Wien der Zwischenkriegszeit ist das Setting dieser Krimireihe. Was macht diesen historischen Zeitraum für Sie besonders interessant? Teresa Petrovitz im Gespräch mit Beate Maly Beate Maly entführt in ihrem neuen Krimi ins verschneite Wien der 20er Jahre In Ihrem neuen historischen Kriminalroman Mord auf dem Eis lassen Sie wieder Ihr beliebtes und sympathisches Ermittlerduo Ernestine und Anton auftreten. Nach dem Strombad in Kritzendorf im letzten Band ist diesmal der Wiener Eislaufverein Schauplatz des Verbrechens. Was erwartet die Lesenden in Ihrem neuen Buch? Maly: Ernestine ist ungebrochen unternehmungslustig. Diesmal überredet sie Anton zum Rundtanz am Wiener Eislaufverein. Die Institution, die auf Maly: Ich finde die Zwischenkriegszeit in Österreich unglaublich spannend. Mit dem Ersten Weltkrieg zerfiel die Donaumonarchie. Auf einen Schlag war Österreich ein winziges Land, das noch dazu hoch verschuldet war. Niemand glaubte so recht an die Zukunft der jungen Republik, die politisch gespalten war. Im Parlament regierten die Christlichsozialen, in Wien hatten die Sozialdemokraten die absolute Mehrheit. Man kämpfte mit einer hohen Arbeitslosigkeit, Inflation und Armut, und trotzdem oder gerade deshalb war es auch eine Zeit des Aufbruchs und der Veränderung. Die geistigen Ressourcen überstiegen die materiellen bei Weitem. Nie wieder hat Österreich so viele Nobelpreisträger hervorgebracht wie in den Zwanzigerjahren. Es war die Geburtsstunde der Psychoanalyse und der Emanzipation österreichischer Frauen. Während moderne Veränderungen in der Gesellschaft stattfanden, wurde gleichzeitig der Nährboden für faschistisches Gedankengut vorbereitet. Was braucht man als Autorin mehr? Die 88 sortimenterbrief 11/21

historischer kriminalroman Zeit bietet das perfekte Setting für einen historischen Roman. Wie und wo recherchieren Sie, um das Kolorit dieser Ära möglichst realistisch darstellen zu können? Maly: Das Internet hat die Recherche für historische Romane enorm erleichtert. Über den eigenen PC hat man Zugang zu Bibliotheken und Filmarchiven. Eine wunderbare Quelle für Bildmaterial sind alte Illustrierte, Zeitungen und Reiseberichte. Zusätzlich besuche ich die Schauplätze meiner Romane, sofern das möglich ist. Ich unterhalte mich mit Menschen vor Ort und besuche lokale Museen. In Ihren Romanen widmen Sie sich stets historischen Stoffen. Neben Geschichtskrimis verfassen Sie auch immer wieder klassische historische Romane. Woher kommt diese Vorliebe für das Vergangene? Maly: Geschichte hat mich schon immer fasziniert. Ich denke, dass es wichtig ist, die Vergangenheit zu kennen, um die Gegenwart zu verstehen. Die Recherche zu jedem Buch bereitet mir große Freude. Ständig stolpere ich über Themen, die ich bearbeiten möchte. Sollte eines Tages die zündende Idee für einen Gegenwarts- oder Zukunftsroman kommen, werde ich ihn schreiben. In Ihren Büchern haben Sie sich auch immer wieder mit der Rolle der Frau beschäftigt. Mord auf dem Eis ist ein Zitat der Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Rosa Mayreder vorangestellt: „Man wird erst wissen, was die Frauen sind, wenn ihnen nicht mehr vorgeschrieben wird, was sie sein sollen.“ Welche Bedeutung hat das Zitat für Sie und mit Blick auf das Buch? Maly: Die Gleichberechtigung der Frauen ist eine sehr junge Errungenschaft. Für die Generation meiner Großmutter war es noch selbstverständlich, dass der Platz der Frauen zu Hause am Herd war. Wenn sie einer bezahlten Arbeit nachgehen wollten, brauchten sie die Einwilligung ihrer Männer. Heute können Frauen selbst entscheiden, doch die gesellschaftlichen Strukturen machen es ihnen nach wie vor nicht leicht. Die Gehaltsschere zwischen Männern und Frauen klafft auch 2021 noch auseinander. Frauen entscheiden sich häufig für Teilzeitjobs, um genug Zeit für die Kinderbetreuung zu haben. Beate Maly Mord auf dem Eis 356 Seiten, broschiert, 978-3-7408-1202-7 € 13,40 | emons Zu viele stolpern in der Pension in die Altersarmut. Diese Strukturen schreiben den Frauen indirekt vor, was sie sein sollen. Bezogen auf mein Buch: Darin wird die tragische Geschichte einer Frau erzählt, der Entscheidungen von der Gesellschaft diktiert werden. Aber viel mehr will ich dazu nicht verraten. Sie sind Mutter, teilweise als Frühförderin tätig und zugleich als Schriftstellerin äußerst produktiv. Wie schaf-. fen Sie es, diese drei Sphären miteinander zu vereinbaren – gerade auch angesichts der schwierigen Umstände, die die Pandemie mit sich gebracht hat bzw. mit sich bringt? Maly: Ich muss zugeben, dass ich mir manchmal wünsche, der Tag hätte doppelt so viele Stunden. Zum Glück habe ich einen Partner, der mich unterstützt, und unsere Kinder sind mittlerweile erwachsen. Was die Pandemie betrifft: Als Schriftstellerin hatte ich noch nie so viel Zeit, intensiv und ohne Ablenkung zu schreiben. Als Frühförderin war und ist Corona eine Katastrohe. Die psychischen Spuren, die die Krise bei Kindern hinterlässt, werden uns noch lange beschäftigen. Ich fürchte, dass das auch dann noch der Fall sein wird, wenn wir die Krankheit längst in den Griff bekommen haben. Wer sind Ihre Lieblingsautoren? Lesen Sie auch rein zum Vergnügen oder immer mit Blick auf die eigene Arbeit? Maly: Ich bin eine Vielleserin. Wenn ich nicht lese, höre ich Hörbücher. Es gibt nichts Schöneres als eine toll erzählte Geschichte, in die man völlig abtrauchen kann. Für einige Stunden vergisst man den Alltag. Im Moment liegen Mr. Pernassus Heim für magisch Begabte von TJ Klune und Das Collier der Königin von Beate Maxian ganz oben auf dem Stapel der Bücher, die ich lesen werde. Was haben Sie in literarischer Hinsicht als Nächstes geplant? Maly: Im Jänner wird Die Frauen von Schönbrunn erscheinen. Das ist ein historischer Roman, der Ende des Ersten Weltkriegs spielt. Schauplatz ist der Tiergarten Schönbrunn. Außerdem sind weitere Projekte bei Piper, Blanvalet und DuMont geplant. Und natürlich wird es wieder einen emons-Krimi mit Ernestine und Anton geben. Danke für das Gespräch! sortimenterbrief 11/21 89


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