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sortimenterbrief november 2022

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Das österreichische Branchenmagazin für Buchmarkt, Buchverkauf und Buchwerbung. Ausgabe November 2022.

© Gianmaria Ga »Wir

© Gianmaria Ga »Wir verlegen Bücher, die Relevanz haben und unsere Leser:innen berühren« Ossi Hejlek im Gespräch mit Verleger Nikolaus Brandstätter Wer im Oktober ins Café Landtmann ging, stieß unweigerlich auf den Popup-Store von Brandstätter. Was war das genau? Brandstätter: Wir haben uns zu unserem 40-Jahre-Jubiläum etwas Besonderes überlegt. Die Idee eines Pop-up- Stores schwirrte schon länger herum – jetzt haben wir ihn umgesetzt. Neben Büchern konnte man auch ausgewählte Papeterie und Pflanzen kaufen. Wir bespielten den Store, hatten uns zur Arrondierung des Sortiments Partner geholt. Der temporäre Store war ja nur ein Part. Wir haben 14 Tage lang ein Festival rundherum präsentiert. Dieses reichte von Lesungen über Talks bis zu Dinners, die wir veranstalteten. Beispielsweise trat Adele Neuhauser mit einem Streichquartett auf, aber auch Michael Köhlmeier und Monika Helfer waren dabei. Ebenso fand ein Talk zwischen Haya Molcho und Michael Häupl statt ... um nur einige Teilnehmende zu nennen. Es war ein buntes Programm, das auch sehr schön die Vielfalt unseres Verlagsprogramms widerspiegelte. Sind Sie mit der Resonanz zufrieden? Brandstätter: Wir sind alle sehr begeistert und auch über das Feedback sehr glücklich. Es war eine Art Leuchtturm für das Medium Buch, denn auch die Medienberichterstattung war sehr erfreulich. Parallel zu den Präsenzveranstaltungen haben wir die Events auch über unsere Social-Media-Kanäle übertragen. Wurde live gestreamt? Brandstätter: Einiges lief über Instagram Stories, manches wurde auch live gestreamt. Wir haben uns auch noch Material aufgehoben, das wir im November ausspielen werden. Ich hörte, dass die Übertragung mit Harald Schmidt über 130 000 Mal gesehen wurde. Brandstätter: Das stimmt. Das „Café- Brandstätter“ startete ja zu Beginn von Corona ausschließlich digital. Wir waren damals sehr schnell und bereits 14 Tage nach Beginn des ersten Lockdowns on air. Es war uns wichtig, mit unseren Themen sichtbar zu bleiben. Am Anfang war alles sehr handgestrickt – mittlerweile strahlen wir fast in Fernsehqualität aus. Die Übertragungen kommen nicht aus einem Studio, sondern real aus einem Kaffeehaus. Die Resonanz auf die Übertragung mit Harald Schmidt war schon großartig – schön, dass aus einer kleinen Idee ein solches Format wurde. Das „Café Brandstätter“ findet heute digital in den Onlinewelten und real im Café Landtmann seine Umsetzung. Das entspricht grundsätzlich auch unserer Verlagsstrategie, bei der wir analoge und digitale Welten nicht separiert, sondern als sich gegenseitig befruchtende Ganzheit sehen. Die Verschmelzung dieser beiden Welten ist die Zukunft. Der Pop-up-Store wird aber keine Dauereinrichtung? Brandstätter: Nein, wir sind mit der Rollenverteilung Buchhandel und Verlag sehr zufrieden. Und ebenso war es schön, einmal in die andere Rolle zu schlüpfen, zu lernen und entsprechende Erfahrungen zu machen, die uns in der Verlagsarbeit zugutekommen werden. sortimenterbrief 11/22

Bei einem 40-Jahre-Jubiläum gehört auch ein kurzer Blick in die Vergangenheit dazu. Wie hat 1982 alles begonnen? Brandstätter: Mein Vater arbeitete im Molden Verlag. Fritz Molden war eine große Verlegerpersönlichkeit – er ist übrigens auch mein Taufpate. Mein Vater leitete bei Molden die Sparte Bildband. Der Verlag ging damals aufgrund widriger Lizenzgeschäfte in Konkurs. Es war die Zeit, in der die durchgehend vierfarbig gedruckten Bildbände entstanden. Zuvor hatten die Bücher zumeist nur vereinzelt mitgebundene, farbig gedruckte Bögen. Mein Vater entschloss sich, die Sparte der Bildbände, die bis zum Konkurs von Molden profitabel geblieben war, aus der Konkursmasse herauszukaufen. Das war der Beginn des Brandstätter Verlags. Sie arbeiten seit 15 Jahren im Verlag mit, sind seit zehn Jahren Geschäftsführer. Wie gut sind die Veränderungen, die Sie im Verlagsprogramm einführten, innerfamiliär angekommen? Brandstätter: Sie sind sehr gut gelungen und angekommen, was auch ein schönes Zeichen für die friktionsfreie Übergabe war. Das ist ja nicht selbstverständlich. Das Verhältnis von meinem Vater und mir war stets von gegenseitiger Liebe und Respekt geprägt. 2005 kaufte mein Vater Verlagsanteile, die damals bei der deutschen Klett-Gruppe angesiedelt waren, zurück. Vor diesem Schritt fragte mich mein Vater, ob ich daran interessiert wäre, das Unternehmen später zu übernehmen. So kam es dann auch. Ich habe meine Entscheidung bis heute nie bereut. Es war bislang eine schöne Reise – manchmal auch herausfordernd. Mein Vater pflegte immer zu sagen: „Es gibt keine schlechten Zeiten, sondern nur gute – und bessere.“ Es ist oft nur eine Frage der Einstellung. Die behutsame Umgewichtung des Programms hin zu frei finanzierten, breit verkaufbaren Titeln ist aufgegangen. Der Kochbuchbereich wurde ausgebaut und ab 2012 auch stark in Richtung Deutschland entwickelt. Ebenso nahmen wir die Sparte des Sachbuchs ins Programm. Dafür wurde ich anfänglich etwas belächelt, da unsere Kernkompetenz der Bildband war. Heute ist das Sachbuch ein Fixpunkt bei Brandstätter – so, als wäre es immer schon da gewesen (lacht). Eine schöne Bestätigung. Wir haben heute im Wesentlichen drei große Bereiche im Verlag, die uns alle gleich wert und lieb sind: Kunst und Kultur, das ist die DNA des Unternehmens, Kochbuch sowie Sachbuch. Wie gut kommen Ausflüge ins Unkonventionelle an? 40 jahre brandstätter verlag Brandstätter: Darin haben wir mittlerweile Übung (lacht). Beispielsweise sind Warengruppen wichtig für die interne Einordbarkeit der Titelflut. Aber seien wir uns ehrlich: Unseren Leser:innen sind Warengruppen komplett egal. Daher macht es uns riesigen Spaß, Genres aufzubrechen und frech mit neuen, innovativen Formaten zu spielen. Wir haben uns sehr mit den Wünschen und Sehnsüchten unserer Leser:innen beschäftigt. Das kommt uns jetzt zugute! Wir verlegen Bücher, die Relevanz für unsere Leser:innen haben, die sie berühren – das ist unser Anspruch. Was macht den besonderen Charme von Brandstätter aus – mal abgesehen vom Verleger (lacht)? Brandstätter: Das selbst zu beantworten, ist schwer – das können unsere Partner:innen und Leser:innen sicher besser. Wir versuchen stets, die Welt neu zu denken. Vielleicht ist das ein Asset. Auf jeden Fall freut es mich, wie viele Menschen da draußen im Buchhandel richtig Lust haben, mit uns gemeinsam zu arbeiten, neue Dinge auszuprobieren. Dafür möchte ich Danke sagen! Was gibt es an Besonderheiten im Jubiläums-Herbstprogramm? Brandstätter: Eine sichere Bank in Richtung Weihnachten ist das neue Werk von Haya Molcho, die in Coming Home ihre Familienrezepte preisgibt. Toni Mörwalds Kompendium 365 Rezepte für jeden Tag ist nach vielen Jahren wieder ein neues Werk von ihm. Das Buch kostet 65 € und ist seinen Preis wahrlich auch wert. Im Sachbuch stößt der Titel Raben auf sehr großes Interesse. Sonst sind wir mit der Reihe Auf den Punkt mit drei Titeln gestartet. Die Reihe soll ganz nach unserem Verlagscredo zum Nachdenken anregen und einen Diskurs anstoßen. Herzlichen Dank für das Gespräch! 978-3-7106-0632-8, € 65,– 978-3-7106-0643-4, € 35.– 978-3-7106-0637-3, € 25,– 978-3-7106-0651-9, € 20,– sortimenterbrief 11/22 13


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