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sortimenterbrief november 2022

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Das österreichische Branchenmagazin für Buchmarkt, Buchverkauf und Buchwerbung. Ausgabe November 2022.

salzburgkrimi-jubiläum

salzburgkrimi-jubiläum © Christian Streili Baumann: Eine wichtige Inspiration war für mich Donna Leon mit ihrem Commissario Brunetti und ihren Venedig-Krimis. Als ich ihre Bücher damals zum ersten Mal las, war ich fasziniert davon, wie sie die Stadt Venedig in ihren Geschichten zum Leben erweckte und sie fast zur Hauptdarstellerin werden ließ. Ich dachte mir, das müsse auch mit Salzburg möglich sein. Dieser Gedanke ließ mich nicht mehr los, es haperte über die Jahre nur an der Umsetzung. Ich war beruflich durch meine Tätigkeit beim ORF und auch anderweitig sehr ausgelastet. Um 2008 herum sagte ich mir dann: Wenn du es jetzt nicht in Angriff nimmst, dann nie mehr. Ein Jahr später hatte ich den Krimi dann wirklich vollendet und war wahnsinnig froh. Teresa Petrovitz im Gespräch mit Manfred Baumann »Salzburg ist für mich noch lange nicht auserzählt« Herr Baumann, im August ist Ihr Krimi Salzburgrache bei Gmeiner erschienen, mit dem Sie zugleich ein großes Jubiläum gefeiert haben: Es ist der mittlerweile zehnte Fall, in dem Sie Ihren beliebten Kommissar Merana auf Mörderjagd in Salzburg und Umgebung schicken. Wie sind die insgesamt zwölf Jahre seit dem ersten Krimi Jedermanntod für Sie vergangen? Und haben Sie damals gedacht, dass Sie Merana so lange begleiten würde? Baumann: Damals konnte ich nicht ahnen, dass ich mit meinem ersten Buch ein so langes Kapitel aufschlagen würde. Am Anfang stand einfach der Wunsch, meine Idee eines Salzburgkrimis umzusetzen, und ich habe dafür Kommissar Merana erfunden, ohne den Gedanken an eine Fortsetzung. Im Jahr 2010 ging es dann endlich los, mein erster Krimi Jedermanntod erschien bei Gmeiner, eine im Rückblick wunderbare Zeit. Damals konnte ich mir nicht vorstellen, dass daraus eine so langlebige Serie mit so viel positiver Resonanz werden würde. Über das Jubiläum freue ich mich deshalb natürlich sehr. Vor zwei Jahren habe ich allerdings schon etwas vorgefeiert. 2020 waren seit meinem ersten Buch genau zehn Jahre vergangen. Gleichzeitig feierten die Salzburger Festspiele ihr hundertjähriges Bestehen, ein schönes zeitliches Zusammenspiel. Wie entstand eigentlich die Idee zu Ihren Salzburgkrimis? In Ihren Krimis gelingt es Ihnen immer aufs Neue, Salzburg und seine vielen historischen und kulturell bemerkenswerten Orte ins Rampenlicht zu rücken, die Ihnen dann sogleich auch als Tatorte dienen. Sorge, dass Ihnen irgendwann die Mord-Schauplätze ausgehen, haben Sie nicht, oder? Baumann: Überhaupt nicht! Es ist für mich immer wieder erstaunenswert, wie viele wunderbare und interessante Schauplätze die Stadt Salzburg, aber auch die Umgebung zu bieten haben. Das heißt: Ich bin noch lange nicht fertig, Salzburg ist für mich noch lange nicht auserzählt. Was mich auch immer wieder freut und vor allem bei meinen ersten Krimis überrascht hat, ist, dass meine Bücher selbst für gebürtige Salzburger:innen so viel interessanten Stoff und Neues bieten. Mir wird oft von ihnen gesagt, dass sie die Stadt durch meine Geschichten, Darstellungen und meinen besonderen Blick auf die Umgebung nun mit ganz anderen Augen sehen. Viele Facetten Salzburgs haben sie erst durch meine Geschichten entdeckt und erfahren. Für Ihren neuen Fall Salzburgrache haben Sie einen sehr prominenten Mord-Schauplatz gewählt, nämlich die Festung Hohensalzburg, die rund um hochtrabende Marketing-Pläne zum Streitobjekt wird. Merana sieht sich 22 sortimenterbrief 11/22

neue kräuterkrimis im frühjahr bei seinen Ermittlungen bald mit den Mitgliedern einer selbsternannten Bürgerwehr, mit gewöhnungsbedürftigen Angestellten einer PR-Agentur und mit einem äußerst konservativen Historikerkreis konfrontiert. Baumann: Die Festung Hohensalzburg habe ich als Schauplatz seit meinem ersten Buch immer im Hinterkopf bewahrt. Als sich dann das Jubiläum ankündigte, dachte ich mir, dass jetzt ein guter Zeitpunkt für die Wahl dieses Wahrzeichens Salzburgs wäre. Aber nicht nur die Festung steht im Zentrum, es gibt viel Interessantes rund um die Salzburger Burgen- und Schlösserwelt zu entdecken. Wie hat sich Kommissar Martin Merana in diesem mittlerweile zwölfjährigen Zeitraum seit seinem ersten Auftritt entwickelt? Bekannt ist der Weinliebhaber Merana bei den Leser:innen vor allem für seine vornehm-zurückhaltende und charismatische Art beim Ermitteln. Baumann: Martin Merana hat sich selbstverständlich mit jedem Krimi weiterentwickelt, oft auch in Richtungen, die ich gar nicht so vorgesehen habe. Was mich beim Schreiben immer wieder erstaunt, ist, wie sehr meine Figuren ihren eigenen Weg einschlagen und ein Eigenleben entfalten. Selbst wenn ich mir manchmal diese oder jene Wendung vornehme, gibt mir die Figur letzten Endes immer eine eigene Richtung vor, der ich folgen muss. Es ist überraschend, wie viel einem die Figuren abverlangen. Viele, die schreiben, kennen diese faszinierende Dynamik. Und wie hat sich Ihr eigenes Schreiben im Laufe der Zeit entwickelt? Baumann: Auch meine Art zu schreiben hat sich über die Jahre verändert, keine Frage. Menschen, die mich gut kennen und die viele meiner Bücher gelesen haben, sagen mir, dass mein Stil knapper, direkter, vielleicht auch schneller geworden ist. In Ihren sogenannten Kräuterkrimis zeigt sich zudem Ihre stilistische Wandlungsfähigkeit. In diesen immer auch humorvollen und satirischen Krimi-Geschichten sind Kräuter oder Heilpflanzen die eigentlichen Protagonisten, wobei sie für verschiedene Verbrechen in Anspruch genommen werden. Zwei Bücher mit Kräuterkrimis haben Sie bereits veröffentlicht: Salbei, Dill und Totengrün sowie Blutkraut, Wermut, Teufelskralle. Ist ein neuer Band in Planung? Baumann: Ich bin gerade dabei, neue Kräuterkrimi-Geschichten zu schreiben und zu vollenden. Die nächste Sammlung wird den Titel Majoran, Mord und Meisterwurz tragen und im kommenden Frühjahr erscheinen. Wie immer finden sich darin ganz unterschiedliche Geschichten, nur die erste und die letzte sind wieder rund um meine Figur Pater Gwendal angesiedelt, einen Kräuterexperten und Hobbyermittler, der im fiktiven Kloster Eulenberg beheimatet ist. Er muss sich diesmal mit einem Mord an einer jungen Frau beschäftigen, die mit einem Büschel Majoran in der Hand gefunden wird. Es gibt auch eine Geschichte rund um einen melancholischen Auftragskiller, der endlich in Pension gehen möchte. Ihm soll die Pflanze Teufelsbart dabei helfen, seinen letzten Job zu erledigen. Ich stelle mir in einer Geschichte auch die Frage: Kann man mithilfe von Schnittlauch morden? Und ich kann jetzt schon sagen, dass man damit sehr gut Vergeltung üben kann, wie man im Falle einer enttäuschten Kinderbuchautorin sehen wird. Sie sind in Ihren Büchern ununterbrochen mit Mord und Totschlag beschäftigt. Könnten Sie sich eigentlich vorstellen, schriftstellerisch in eine ganz andere Richtung zu gehen? Baumann: Ich könnte mir sehr gut vorstellen, etwas zu schreiben, das außerhalb des Krimi-Genres liegt. Ich begeistere mich zum Beispiel sehr fürs Satirische oder auch Kabarettistische. Ich bin ja auch schon lange im Kabarett- Bereich tätig, seit meiner Zeit beim ORF, und wäre hier für vieles offen. Ihre Bühnenerfahrung zeigt sich in Ihren sehr ausdrucksstarken und stimmungsvollen Lesungen zu Ihren Büchern. Ihre Premierenlesungen finden immer an den originalen Mordschauplätzen Ihrer Krimis statt. Sind Sie mit Salzburgrache in nächster Zeit unterwegs? Baumann: Es sind noch viele Lesungen geplant, unter anderem beim Krimifest in Salzburg am 10. November. Begleiten wird mich bei meinen Lesungen auch wieder die Harfenistin Stephanie Macheiner-Schaidreiter, die mit ihrem Instrument als Miterzählerin auftritt und die Lesungen damit stimmungsvoll bereichert. Und wie geht es mit Martin Merana und den Salzburgkrimis weiter? Haben Sie schon neue Ideen und Pläne für einen nächsten Fall? Baumann: Eine Idee für einen neuen Fall habe ich bereits. Wenn alles gut geht, wird der elfte Salzburgkrimi im nächsten Jahr im Herbst erscheinen. Herzlichen Dank für das Gespräch! Manfred Baumann: Salzburgrache 281 Seiten, Paperback ISBN 978-3-8392-0298-2, € 18,– | Gmeiner (auch als E-Book erhältlich) sortimenterbrief 11/22 23


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