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sortimenterbrief november 2022

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Das österreichische Branchenmagazin für Buchmarkt, Buchverkauf und Buchwerbung. Ausgabe November 2022.

© Fotowerk Aichner

© Fotowerk Aichner Teresa Petrovitz im Gespräch mit Herbert Dutzler Beklemmender Thriller im Herbst, ein neuer Altaussee-Krimi im Frühjahr – und dazu der Österreichische Krimipreis Herr Dutzler, hinter Ihnen liegen ereignisreiche Monate. Im September wurde im Haymon Verlag Ihr Thriller In der Schlinge des Hasses veröffentlicht. Und Sie haben den Österreichischen Krimipreis gewonnen, der Ihnen Ende Oktober verliehen wird. Dutzler: Die Nachricht, dass ich den Österreichischen Krimipreis erhalte, hat mich bereits vorab erreicht. Die Gewinner:innen werden schon immer etwas früher verständigt als die Öffentlichkeit. Das Thema Preise ist wohl für die meisten, die schreiben, eine recht zwiespältige Sache: Einerseits hofft man und wünscht man sich, diesen oder jenen Preis zu bekommen. Andererseits glaubt man nicht wirklich daran oder möchte nicht darauf hoffen. Als dann die Nachricht eintraf, war das ein überraschender und ein sehr überwältigender Moment für mich. Die Arbeit an In der Schlinge des Hasses war zu dieser Zeit für mich bereits abgeschlossen. Seitdem bin ich mit dem neuen Gasperlmaier-Krimi beschäftigt, der im kommenden Frühjahr erscheinen wird. Dabei handelt es sich um den mittlerweile zehnten Teil der Altausseer-Krimi-Reihe, die Sie im Jahr 2011 begonnen haben. Können Sie schon etwas darüber verraten? Dutzler: Der Titel des neuen Buches wird Letzter Tropfen sein. Die Idee zum Plot ist in mir gereift, als ich bei den Dreharbeiten zu Letzter Kirtag dabei war, der Verfilmung des gleichnamigen Buches für ServusTV. Ich dachte mir, es wäre spannend, den neuen Fall im Milieu Fernsehen und Film anzusiedeln. Gerade im Ausseerland wird ohnehin sehr viel für verschiedene TV-Produktionen gedreht. Bei mir wird es eine Casting- Show sein, die Ausgangspunkt des neuen Mordfalls wird. Mit Ihrem Thriller In der Schlinge des Hasses haben Sie eine ganz andere Richtung eingeschlagen. Sie befassen sich darin anhand Ihres Protagonisten Leo mit dem Thema Rechtsradikalismus − einem allgegenwärtigen Problem, das dennoch von nur wenigen Schriftsteller:innen behandelt wird. Was hat Sie dazu bewogen? 26 Dutzler: Bei mir war die Wahl des Themas eher ein Zufalls- oder Nebenprodukt. Mit dem Buch habe ich meine Thriller-Trilogie abgeschlossen und in diesem Sinne nach einer männlichen Figur und nach einer Idee gesucht, wie man das Ineinanderwirken von Kindheit und Erwachsenenleben eines Menschen schriftstellerisch miteinander verbinden kann. Mich hat dann vor allem die Tatsache interessiert, dass in der Kindheit autoritär und restriktiv geprägte Persönlichkeiten später oft ein sehr abgeschlossenes und rechtes, nasortimenterbrief 11/22

polizisten, mörder und ein krimipreis tionalistisches Weltbild aufweisen. Die kriminellen Handlungen und die Gesinnung meines Protagonisten Leo sind eine direkte Folge der Erlebnisse und der Prägungen seiner Kindheit. Vom unschuldigen Kind wird er zum rechtsradikalen Mörder. Diesen Weg habe ich literarisch darzustellen versucht. Dafür tauchen Sie in die immer paranoider werdende Gedankenwelt Ihres Protagonisten ein. Wie haben Sie für das Buch recherchiert? Dutzler: Das psychische Erleben von Leo und das Zwischenmenschliche standen für mich beim Schreiben im Mittelpunkt. Für die äußeren Bedingungen, wie beispielsweise das Burschenschaftsmilieu, habe ich unter anderem auf You- Tube recherchiert und all die Videos und Lieder, die ich dazu finden konnte, auf mich wirken lassen. Diese Form der Auseinandersetzung lässt immer viele Bilder und Szenarien in meinem Kopf entstehen, die ich dann literarisiere. Wird es zum Buch auch Lesungen geben? Dutzler: Die Lesetour ging im Oktober los. Startpunkt war die Kriminacht Wien, dann folgten das Krimifest Tirol und Kärnten inklusive Verleihung des Österreichischen Krimipreises. Darüber hinaus wird es noch viele weitere Einzellesungen zum Buch geben. Mit Die Welt war eine Murmel haben Sie sich im Jahr 2021 außerdem in der Gattung des Romans versucht und dabei auch autobiografische Elemente einfließen lassen. Brauchen Sie die Abwechslung beim Schreiben? Dutzler: Das Wechseln zwischen verschiedenen Gattungen erlaubt es mir, unterschiedliche Ideen und Schreibstile zu erproben. In meinem Leben habe ich Abwechslung ganz gerne. Ich schreibe zurzeit übrigens an einer Fortsetzung von Die Welt war eine Murmel. Ich habe das Gefühl, dass sich das Buch ganz von selbst schreibt – vor allem, weil im Schreibprozess immer wieder verschüttet geglaubte Erinnerungen an meine Kindheit und Jugend auftauchen, die ich dann im Roman verweben kann. Wie bringen Sie eigentlich all Ihre Tätigkeiten in Einklang? Sie sind neben dem Schreiben auch als Lehrer an einem Gymnasium tätig. Dutzler: Ich war Lehrer – seit September bin ich im Ruhestand, was eine ziemlich große Umstellung ist. Davor waren die Termine aber tatsächlich oft gedrängt: Ich habe zweimal ein Sabbatical genommen, um mehr Zeit für das Schreiben und das Rundherum zu haben. Ansonsten war ich für viele Termine meist nur am Wochenende verfügbar. Wie haben Ihre Schüler:innen darauf reagiert, dass sie im Unterricht einen beliebten Autor vor sich hatten? Haben manche auch Ihre Bücher gelesen? Dutzler: Meine Schüler:innen haben mich durchwegs in meiner Lehrer- und nicht in meiner Schriftstellerrolle wahrgenommen. Paradoxerweise waren es eher die Schüler:innen aus Klassen, die ich gar nicht unterrichtet habe, die manchmal mit einem Buch unter dem Arm vor dem Konferenzzimmer aufgetaucht sind. Dabei ging es dann zumeist darum, das Buch für die Mama oder Oma zu signieren. Es gab auch einige, die über meine Bücher Referate gehalten haben. In den von mir unterrichteten Klassen war das aber nie der Fall. Mittlerweile hätten die Schüler:innen die Möglichkeit, das Lesen mit den Verfilmungen der Bücher zu umgehen. Bereits drei Ihrer Gasperlmaier-Krimis wurden für das Fernsehen adaptiert. Wird es neue Verfilmungen geben? Dutzler: Der vierte Film, Letzter Saibling, wurde bereits gedreht. Der dritte, Letzte Bootsfahrt, wurde im Oktober das erste Mal ausgestrahlt. Sind Sie bei den Dreharbeiten manchmal anwesend? Dutzler: Ich bin bis jetzt nur zweimal bei Dreharbeiten dabei gewesen. Wie ich mitbekommen habe, sind die Schriftsteller:innen bei Verfilmungen am Set nicht so gerne gesehen. Das liegt wohl daran, dass die Filmschaffenden Sorge haben, dass ihre Inszenierung oder das Drehbuch nicht so gut ankommen könnten. Ich gestehe es den Regisseur:innen aber gerne zu, in ihren Verfilmungen ganz eigene Bilderwelten aus meinen Büchern entstehen zu lassen. Wie blicken Sie auf die Zukunft? Werden Sie nun noch mehr schreiben, da Sie mehr Zeit zur Verfügung haben? Dutzler: Eine gute Frage (lacht). Ich möchte die neu gewonnene Freiheit jedenfalls ein bisschen genießen. Allzu großem Termindruck möchte ich mich nicht aussetzen. Ich habe zwei Enkelkinder, mit denen ich Zeit verbringen möchte, und ich habe einige Reisepläne. Erst kürzlich bin ich sieben Tage lang den South West Coast Path in Südengland gewandert, was ich mir lange vorgenommen hatte. Das Schreiben wird aber selbstverständlich weiterhin viel Platz in meinem Leben einnehmen. Herzlichen Dank für das Gespräch! Herbert Dutzler In der Schlinge des Hasses 352 Seiten, Klappenbroschüre 978-3-7099-8102-3, € 17,90 | Haymon sortimenterbrief 11/22 27


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