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sortimenterbrief oktober 2022

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Das österreichische Branchenmagazin für Buchmarkt, Buchverkauf und Buchwerbung. Ausgabe Oktober 2022.

packender

packender klimathrillerThilo Falk: Dark CloudsDer Regen ist dein Untergang512 Seiten, Softcover978-3-423-22021-7, € 14,40dtv, ET: 19. Oktoberals Verweise auf reale Ereignisse interpretieren.Tatsächlich hat mich nämlichdie Wirklichkeit beim Schreibendes Buches überholt. Dark Clouds warschon vor den Ereignissen der letztenzwei Sommer inhaltlich festgelegt.Während ich das Buch schrieb, kam es2021 zu den massiven Überschwemmungenim deutschen Ahrtal. Außerdemerlebten wir die Überflutungen derNew Yorker U-Bahn durch den SturmIda. Plötzlich war all das, was ich mirausgedacht hatte, real da, und die Analogienwaren nicht zu übersehen.AdvertorialTeresa Petrovitz im Gespräch mitThilo FalkDie Gewalt der Natur unddie Fragilität unserer GesellschaftJe drängender die Auswirkungen desKlimawandels werden, desto mehrVeröffentlichungen sehen wir auf demGebiet der sogenannten „Climate Fiction“.Mit Dark Clouds, einem Klimathriller,der am 19. Oktober bei dtverscheint, haben Sie nun Ihren Beitragverfasst. Seit wann beschäftigen Siesich mit dem Klimawandel und seinenFolgen?Falk: Das Thema begleitet mich seitmittlerweile zehn Jahren, und dies zunehmendintensiv. Hier kann man nunnatürlich die – völlig berechtigte – Klageeinbringen, dass mein Interesse zu späteingesetzt habe, dass man dies auch allesvor zwanzig Jahren hätte wissen können.Das ist richtig und unbestreitbar.Leider sind die meisten von uns zu spätdran. Erst heute merken wir alle, was aufdem Spiel steht. Und nun ist mehr Eilegeboten, als es hätte sein müssen.In Ihrem Buch sind es Starkregen, Erdrutscheund Sturmfluten, die die Weltvon einem Tag zum anderen zu einemunberechenbaren Schauplatz fürIhre Protagonist:innen machen. Vieleder Katastrophenereignisse, die Sieschildern, sind offensichtlich realenGeschehnissen nachempfunden. Wiehaben Sie recherchiert und wie langehaben Sie am Buch geschrieben?Falk: Effektiv habe ich für das Verfassendes Buches etwa ein Jahr benötigt. Undich weiß nicht, ob ich es als schmeichelhaftoder eher beängstigend einstufensoll, dass Sie die Geschehnisse im BuchBesonders interessant ist an IhremThriller, dass Sie das Szenario desnicht enden wollenden Starkregens inall seinen Konsequenzen durchspielen.Dabei wird offenbar, welche weitreichendenAuswirkungen Ereignissedieser Art neben der ökologischenKomponente haben: in sozialer, kulturellerund politischer Hinsicht. WelcheErkenntnisse, an die wir auf den erstenBlick womöglich gar nicht denken, habenSie am meisten erschreckt?Falk: Die Fragilität unserer Gesellschaft,und zwar in zweierlei Hinsicht:Wir haben bereits bei Corona gesehen,dass wir in einer Struktur leben, in dereinfache Artikel wie Klopapier oderÖl schneller zur Mangelware werdenkönnen, als wir gedacht haben. Und diePandemie hat gezeigt, dass der wichtigeAspekt der Solidarität in weiten Teilender Gesellschaft keinen großen Stellenwerteinnimmt. Solidarität kann mannicht einfordern oder einfach erzwingen,sie erfordert viel mehr. Ihr Fehlenmacht mir große Sorgen, gerade mitBlick auf die Herausforderungen, dieuns noch erwarten. Ich habe vor langerZeit an einer Buchidee gearbeitet,die sich darum drehte, wie wir uns alsGesellschaft in eine möglichst gute Positionbringen können, um gegen denKlimawandel zu bestehen. Ein Experte,den ich dazu befragt habe, meinte:„Ziehen Sie am besten an einen Ort miteiner starken menschlichen Gemeinschaft.“Es läuft mir kalt den Rücken14sortimenterbrief 10/22

hinunter, wenn ich daran denke, dassdie meisten von uns in Gesellschaftenleben, in denen Solidarität kaum odergar nicht vorhanden ist.In Ihrem Buch sind es eine Wolkenkundlerin,ein IT-Spezialist und einSchadensgutachter, die angesichtsder sich zeigenden Katastrophe handelnund Verantwortung zeigen.Kritik üben Sie an den politischenHandlungsträger:innen, die im Thrillereher tatenlos bleiben. Ist diese Kritikauf unsere Wirklichkeit ummünzbar?Falk: Mein Eindruck ist, dass die Verantwortungin Sachen Klimawandel inerster Linie auf die individuelle Ebeneheruntergebrochen wird. Sie und ichsollen kein Fleisch essen, nicht fliegen,wir sollen uns anstrengen. Das hat zweigroße Vorteile: Es entlässt erstens dieFirmen und die Industrie aus der Verantwortung.Von deren Seite kommt jaübrigens auch das Narrativ, dass nur wirals Einzelne etwas bewegen können.Durch die Individualisierung erhältzweitens die Politik die Möglichkeit,die Verantwortung von sich zu weisen.Im Grunde hat nur die jetzt nachwachsendeGeneration verstanden, dass dieLösung eine politische sein muss. DasSich-Wegducken der Industrie ist dieeine Seite. Es ist verständlich, dass vondort gemauert wird. Das Wegduckender Politik ist jedoch etwas anderes,und es ärgert mich sehr.Sehr aktuell an Ihrem Buch ist auch,dass Sie mit den Wetterextremen politischeMachenschaften verbinden, diein ihren Motiven demokratiefeindlichund autoritär sind. Ein Thema, dasmittlerweile viele Gesellschaften beschäftigt.Falk: In meinem Buch wird das dramatischschlechte Wetter bewusst fürbestimmte politische Zwecke benützt.Das ist auch etwas, das man in den letztenJahren in der Realität leider immerwieder sehen konnte und das geradeheute in dieser Phase vieler verschiedenerKrisen relevant ist. Vieles, wasin der Politik geschieht, passiert ausreinem Parteikalkül. Das Phänomen,sich auf jedes Problem zu stürzen undzu eskalieren, so weit es nur geht, findetman mittlerweile mehr oder minderausgeprägt in allen Parteien. Einer derBrennpunkte des Buches ist, herauszufinden,warum es für Politiker:innen eigentlichnicht interessant ist, Lösungenzu finden, sondern viel spannender,Probleme zu schüren.Problematisch ist dabei auch dieBewegung der Klimawandel-Leugner:innen,die die sozialen Netzwerkemit Fake News fluten. Sehen Sie IhrBuch als ein Vehikel, um Wissen überden Klimawandel zu transportierenund aufzuwecken?Falk: Wenn man einen Romanschreibt, dann sollte er, wie ich glaube,zuallererst ein Roman bleiben. Ein fiktivesBuch, das eigentlich ein Sachbuchsein will, wird nicht funktionieren. Insofernhabe ich mir beim Schreibenmein Predigen von der Kanzel verbotenund vor allem darauf geachtet, dassDark Clouds unterhält und spannendist. Trotzdem braucht ein Buch undgerade ein Thriller einen bestimmtenFokus, und in diesem Zusammenhangsagt jedes Buch sehr viel darüber aus,was der Schreibende über die Welt erzählenmöchte. Sich einem virulentenThema wie dem des Klimawandels zuwidmen, schadet jedenfalls nicht. Bewegungenwie #MeToo oder die Tatsache,dass heute deutlich offener übersexuelle Gewalt an Kindern diskutiertwird, sind zu einem gewissen Teil bestimmtauch literarischen Werken zuverdanken. Literatur kann sicherlichnicht die Lösung für alles sein, mansollte ihre Wirkkraft aber auch nichtunterschätzen.packender klimathrillerIm Nachwort zu Dark Clouds schreibenSie, dass Sie mit Ihrem Thrillerauch Lösungen anbieten möchten.Was brauchen Gesellschaft und Politik,neben der bereits besprochenen Solidarität,um dem Klimawandel konstruktivbegegnen zu können?Falk: In erster Linie politisches Interesse.Ich finde es toll, dass wir mittlerweilewieder in politischeren Zeiten lebenund nicht wie in den 90er- und 2000er-Jahren, in denen es eigentlich nur darumging, welche Aktien man im Depothat und welchen Wein man sammelt.Dieser oberflächliche Hedonismus istzudem sehr langweilig. Überhaupt damitanzufangen, sich wieder als politischesWesen zu begreifen, bedeutetja auch zwingendermaßen, dass mansich als Teil einer Gemeinschaft verstehtund dass man über deren Bedingungenreflektiert. Das wirft Fragenauf wie: Will ich überhaupt Teil dieserGemeinschaft sein? In welche Richtungmöchte ich sie gestalten? Selbst wennman dann entscheidet, nicht bewusstmitwirken zu wollen, so hat man dochzumindest über diesen Weg nachgedacht.Es ist für mich der Hauptpunkt,dass wir alle wieder aktives politischesInteresse entwickeln.Was wiederum weitere Möglichkeiteneröffnet.Falk: Ja, beispielsweise den zweitenwichtigen Punkt, das Wahrnehmen desWahlrechts. Wie auch die Frage, wie wiruns darüber hinaus engagieren können.Der vierte und letzte wesentliche Punktist, dass wir all unsere Handlungen alspolitische Aktionen und somit auch mitBlick auf den Klimawandel verstehen.Jeder Fünf-Euro-Schein, den wir ausgeben,ist ein Statement darüber, was wirals wertvoll erachten.Herzlichen Dank für das Gespräch!Thilo Falkist das Pseudonym eines deutschen Journalistenund Bestsellerautors. Er lebt mit seiner Familie ineiner norddeutschen Großstadt. Der Autor engagiertsich seit Langem für den Umweltschutz, publiziertvielfach zu diesem Thema und spendet nachweislicheinen festgelegten Anteil seines Einkommensan Umweltschutzorganisationen. Denn ohne einegesunde Welt hat die Menschheit keine Zukunft.sortimenterbrief 10/2215


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