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sortimenterbrief oktober 2022

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Das österreichische Branchenmagazin für Buchmarkt, Buchverkauf und Buchwerbung. Ausgabe Oktober 2022.

buchrezensionenwww.barbara-brunner.atDer aktuelle Lesetipp von Dr. Barbara BrunnerLiebe Leute,stellen Sie sich vor, ein Ding in Ihrer Wohnung,eine Lampe, ein Schrank, ein Bild(und nein, ich rede nicht vom Bett), könnteerzählen, was es im Laufe der Jahre gesehenund mit Ihnen erlebt hat. Von wieviel Schönem, Traurigem, Aufregendem,Lustigem oder Langweiligem die DingeZeuge geworden wären.Die junge syrisch-stämmige AutorinLuna Al-Mousli macht genau das undlässt Dinge erzählen:Da ist der Laptop, den die Großmutter bekommt,anfangs sind sich die beiden nichtwirklich grün, aber dann wird der Laptopzum unverzichtbaren Freund der altenDame, er ist für sie ein neues Tor zur Weltund zu einem Wissen, das ihr als jungeFrau verwehrt war. Sie kommuniziertüber Facebook und Co, informiert sichpermanent über das Geschehen im InundAusland, schaut, wo Not an den Menschenist und wo sie helfen kann – undvergisst darüber komplett ihre Familie.Die erwachsenen Töchter sind verärgert,weil sich die Mutter sogar bei Familienfestennur mit ihrem Laptop beschäftigt.Und sie besucht über Google die Orte ihrerKindheit, das Dorf, in dem sie gelebthat, und allmählich versteht man, dasses die Sehnsucht nach der Heimat ist, diesie treibt, die Sorge um das Geschehen inSyrien, in Damaskus, weil sie schon längstim Ausland lebt.Oder was kann eine Promotionsurkundeerzählen, die zwar in Gold eingerahmt,aber verstaubt in einer Abstellkammerhinter der Tür hängt – die zuerst dasWohnzimmer zierte, bis sie von immermehr Fotos der immer größer werdendenFamilie verdrängt wurde. Er, dem die Urkundegilt, war das zweite Kind einer vierzehnköpfigensyrischen Bauernfamilieund hat es zum Arzt gebracht, er lebt jetztin Europa, und seine Kinder können denZauber der syrischen Heimat nicht mehrempfinden. Doch welche Freude für dieUrkunde, als sie einmal der Enkeltochtergezeigt wird, als der Großvater aus seinemLeben erzählt oder als der Vater desArztes einmal zu Besuch ist und das Bildandächtig betrachtet, gilt er doch in seinemDorf als „der Vater eines Arztes“ undwird seither noch höher geachtet.Oder die Oud, die gar nicht gerne gespieltwurde, die dem Jungen praktisch aufgezwungenwurde, die ihn aber doch auf derFlucht aus der Heimat begleitet, mit der erin einem neuen kalten Land versucht, sichein Leben aufzubauen, die ihm immerFreundin ist, aber ...Der Festtagsanzug, den der Vater für denStudienabschluss seines Sohnes in einemfeinen Geschäft kauft, ihn für diesenTag aufbewahrt und auch nicht auf denFesten und Hochzeiten trägt, zu denener und seine Frau eingeladen werden, dieaber immer weniger werden, man merkt,die Zeiten werden schlecht, gefährlich. Inder Wohnung präparieren die Frauen Damenbinden,in denen sie Medikamenteverstecken, um sie den Notleidendenbringen zu können und damit sichererdie Kontrollen zu passieren, sie bastelnheimlich Gasmasken und verteilen sie.Eines Tages wird die Wohnung brutaldurchsucht – und der schwarze Anzugwird jetzt doch getragen, aber immer öfterzu Trauerfeiern. Dann wird das Hausbeschossen, alles wird dem Erdbodengleichgemacht, aber später findet die Frauden Anzug in den Trümmern, reinigt ihn,und nun darf er mit seinem Besitzer dieReise nach Wien, zu seinem Sohn antreten.Aber – er wird bei einem Kontrollpostenfestgenommen, geschlagen, inhaftiertund kommt erst nach langer Zeit frei. DerAnzug, den er in der ganzen Zeit seinerHaft und Folter getragen hat, wird wiedergereinigt und begleitet ihn schlussendlichdoch auf seiner Fahrt nach Wien, zur Promotionseines Sohnes ... und bei der Feiererklingt eine Oud.Luna Al-Mousli hat mir ein wenig von ihrersyrischen Familie erzählt, die schonlange in Wien lebt, aber es gäbe noch soviele Geschichten, von den Onkeln, Tanten,Cousins und Cousinen, die noch inSyrien leben. Man kann bei diesen Erzählungenahnen, wie groß die Sehnsuchtgerade bei der älteren Generation nachder Heimat sein muss und wie beständigdie Sorge um die Familie und Freunde dieGedankenherrschen.be-Mit diesem kleinenBuch setzt LunaAl-Mousli einem Splitter ihrer Familiengeschichteein Denkmal, das ergreifender,poetischer und berührender nicht seinkönnte. Lesen Sie!HerzlichBarbara BrunnerLuna Al-MousliUm mich herum Geschichten128 Seiten, gebunden978-3-949671-00-5, € 16,50Edition W© Marie Christine Golner Schmid-SquareLuna Al-Mousli,geboren 1990, aufgewachsen in Damaskus,lebt und arbeitet heute als Autorin, Grafik-Designerin und Illustratorin in Wien. Ihr erfolgreichesDebüt Eine Träne, ein Lächeln. MeineKindheit in Damaskus wurde u. a. mit demÖsterreichischen Kinder-und Jugendbuchpreisausgezeichnet. Ehrenamtlich engagiert sie sichim Bereich Bildung und Integration.26 sortimenterbrief 10/22

gemeinsam in die zukunft© Jürgen HammerschmidWas war bzw. ist der Hintergrund fürdie Umfirmierungen?Magele: Unser Beweggrund ist klar: Mankann mit kleinen Unternehmen leichteragieren als mit großen. Das habenuns die letzten beiden Pandemiejahrebesonders vor Augen geführt. Die Umfirmierungenhaben auch keinerlei Auswirkungenauf die Mitarbeiter:innen. Esbleibt alles, wie es war. Man braucht nurdie Vorgangsweisen bei anderen Handelskettenaußerhalb der Buchbranchezu betrachten. Da ist es verbreitet, dassjeder Standort eine eigene GmbH ist. AlsGroßunternehmen bleiben einem oftTüren verschlossen ...Gibt es partielle Verkaufsgedanken?Magele: In keiner Weise. Eigentlich ganzim Gegenteil. Wir beschäftigen uns vielmehrmit Kaufgedanken – mit Expansionsüberlegungen.Das betrifft einerseitsneue Standorte, andererseits bestehendeBuchhandelsflächen. Neue Standortemüssen sich rechnen und zu unsererStruktur passen.Warum wurde für den Morawa Onlineshopeine eigene GmbH gegründet?Ossi Hejlek im Gespräch mitGeschäftsführer Klaus MageleWas steht hinter denUmfirmierungen – wie ist IhreStrategie für die Zukunft derMorawa-Buchhandlungen?Magele: Der Onlineshop hat eine permanentsteiler wachsende Performance alsdie stationären Flächen. Ließe man ihnim Filialverbund, würden dessen Zahlendie allgemeine Sicht zu sehr verfälschen.Nicht nur, was den Umsatz betrifft, auchin Bezug auf das Kundenverhalten. Ichmöchte mehr Transparenz. Die ist durchdiesen Schritt deutlicher gegeben.Wie sehen die Morawa-Filialen vonmorgen aus?Magele: Einen ersten Eindruck kannman sich in den 2022 neu eröffneten Filialenin der SCS bzw. in Feldbach holen.Dort haben wir die neuen Ladenbaukonzeptebereits sehr erfolgreich im Einsatz.Nun werden sukzessive auch die anderenFilialen dieser CI angepasst. Natürlichpassiert das nicht alles auf einmal– aber Schritt für Schritt. Modernisierungenkosten auch ordentlich Geld. Alleinedie beiden heuer eröffneten Filialenhaben eine halbe Million verschlungen.Parallel stellen wir alle Filialen auf LED-Beleuchtung um.Wie begegnen Sie den Kostenexplosionen?Magele: Energiekosten, Indexanpassungenbei den Mieten, Kollektiverhöhungenauf der Personalseite ... allestoxische Veränderungen der Basisparameter.Morawa ist darauf gut vorbereitet.Ich befürchte aber, dass es dadurchim Handel grundsätzlich zu einer Ausdünnungkommen wird. Wir sitzen alleim selben Boot. Jetzt gilt es noch mehrzusammenzuhalten, um diese Zeitengemeinsam gut zu überstehen – innerbetrieblichund auch was die Geschäftspartnerschaftenbetrifft.Danke für das Gespräch!UmfirmierUngenab 1.10.2022Rechnungen, Auftragsbestätigungen,Korrespondenz etc. für:- Buchhandlung moser- morawa Wollzeilean die neue morawa Bücherwelt gmbH1140 Wien, Hackinger Straße 52Firmenbuchnummer: FN 579555mUID: ATU 7837 2137,IBAN: AT23 1700 0001 1900 8794* * *für den morawa Onlineshopan die morawa Online gmbH1140 Wien, Hackinger Straße 52Firmenbuchnummer: FN 579554kUID: ATU 7837 2128,IBAN: AT45 1700 0001 1900 8786sortimenterbrief 10/2227


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