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sortimenterbrief September 2019

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Das österreichische Branchenmagazin für Buchmarkt, Buchverkauf und Buchwerbung. Ausgabe September 2019

sonderthema

sonderthema Sonderthema-Krimis kinder- & Thriller& jugendbuch © Midas ISBN 978-3-03876-162-4, € 13,50 Im Gespräch mit Midas Verleger Gregory Zäch Wohin geht die Kinderbuch-Reise, Herr Zäch? Was ein gutes Kindersach- oder Bilderbuch ausmachen muss, weiß Midas Verleger Gregory Zäch nicht erst seit seiner Studienwoche in Cambridge – unter dem Titel Children's Book Illustration Summer School. Welche Trends nehmen Sie in den Programmen der Kinderbuchverlage international wahr? Zäch: Das Wichtigste ist ein uniques Programm – erkennbar und klar unterscheidbar. Keine Me-too-Produkte, nicht das 25. Einhornbuch. Ich glaube, dass es wichtig ist, Bücher mit Role Models zu haben, an denen sich Kinder ein Vorbild nehmen können. Es war auch eine richtige Welle merkbar, wo Frauen, die starke Charaktere sind, im Mittelpunkt stehen. Das finde ich grundsätzlich gut, bin aber selbst der Überzeugung, dass Bücher Frauen und Männer gleichberechtigt, auf Augenhöhe darstellen sollten. So halten wir es beispielsweise aktuell auch bei unserem Titel Heldenatlas. Es soll für die Kinder normal sein, dass es genauso Frauen- wie Männerhelden gibt. Man findet 101 Frauen und Männer, die die Welt verändert haben. Geschrieben haben das Buch zwei Frauen – mit einer besonderen Herangehensweise. Die Kinder können außergewöhnliche Lebensläufe lesen und erhalten auch zu jeder Person deren persönliches Lebensmotto. Würde man heute nicht einen Heldinnen- und Heldenatlas erwarten? Zäch: Das war auch ein großes Thema auf der Vertreterkonferenz. Ich finde das textliche Gendern sehr wichtig – aber nicht um jeden Preis. Darum heißt das Buch auch Heldenatlas. Man hätte es auch Atlas der außergewöhnlichen Menschen nennen können. Klingt aber doof (lacht)! Ich bin von der angelsächsischen Sicht geprägt. Müssen Verleger in Schubladen denken, wie Bücher für Jungs oder Mädchen? Zäch: Wir tun das nicht. Mein oberstes Credo ist, dass die Bücher mir gefallen müssen. Wir haben auch eine tolle Kinderbuchlektorin, die neben ihrer fachlichen Qualifikation automatisch die weibliche Sicht mitbringt. Ich möchte auch keine Klischees bedienen. Ich mache Bücher, die ich selbst gerne lesen würde. Das müssen auch gar keine Jungs-Bücher sein. Wenn man halbwegs sensibel ist – als Mann bzw. Verleger – kann man auch Bücher publizieren, die poetische Inhalte aufweisen. Aber klar, wenn man ein Verlag ist, der hunderte Novitäten herausbringt, kann man natürlich auch eigene Bücher für Jungs oder Mädchen machen. Wenn es mir mit unseren Büchern gelingt, Jungs für Mädchenthemen zu interessieren – und umgekehrt – dann habe ich mein Ziel erreicht, die Welt ein wenig besser gemacht ... ich möchte Menschen für Themen neugierig machen, für die sie 72 sortimenterbrief 9/19

sonderthema kinder- & jugendbuch sich vorher nicht interessiert haben. In allen Midas Programmen. Roman hat man 300 Seiten lang Zeit, die Geschichte zu entwickeln. Inhaltlich, wie auch von der Aufbereitung her? Zäch: Ja klar. Bei unseren Kindersachbuchbüchern gehen sowohl die Kinderbuchlektorin als auch das Sachbuchteam der Erwachsenenbücher ran. Ich halte mich ein wenig an die Sendung mit der Maus. Das Buch muss inhaltlich niet- und nagelfest sein – aber in einer kindgerechten Sprache und Darbietungsform. David Hockneys Buch, Die Welt der Bilder für Kinder, ist ein gutes Beispiel dafür? Zäch: Exakt! Das Buch wurde heuer in Bologna auch ausgezeichnet. Ich konnte mit der Illustratorin Rose Blake in Cambridge plaudern, die in der Summer School einen Vortrag hielt. Ich fragte sie, wie sie an die Sache heranging, da mir die ersten Entwürfe zu dem Buch gar nicht gefallen hatten. Man hatte zuerst die Inhalte des gleichnamigen 400 bis 500 Seiten Erwachsenenbuches einfach ab-gespeckt. Das geht nicht. Rose Blake schaffte es dann, mit ihren Illustrationen eine kindgerechte Brücke zu den Kunstwerken zu schaffen. Sie hat dadurch eine zusätzliche Ebene eingezogen. Einfach großartig. Beim Bilderbuch kann eine winzige Idee tragend sein. Beim Sachbuch nicht – dort braucht es mehr. Woher stammt Ihre Passion fürs Sachbuch? Zäch: Anfang der 90er machten wir schon Sachbücher im Computer-Bereich – für Grafiker und Designer, später dann für das Management-Segment. Die Leidenschaft ist gewachsen. Was aber einen guten Krimi oder Liebesroman ausmacht, kann ich nicht entscheiden. Ich bewundere die Treffsicherheit von Belletristik-Lektoren. Wer übersetzt die Lizenzen bei Midas? ISBN 978-3-03876-144-0, € 21,– Zäch: Dafür haben wir Spezialisten. Ich selbst spreche Native-Englisch, bin in New York aufgewachsen, aber auch Französisch, Italienisch und ein wenig Spanisch. Ich schau drüber. Was wir aber im Haus machen ist, dass wir bei Bilder- und Kinderbüchern nicht selten textlich in die Story eingreifen. Welchen Stellenwert hat das Storytelling? Zäch: Viele verkaufen Storytelling heute, haben aber davon keine Ahnung. Etwas so zu erzählen, dass es zusammenhängend ist, einen roten Faden hat, dass es eine Dramaturgie hat – einen Anfang und ein Ende – das muss man lernen. In Cambridge wurde wieder deutlich, dass es geniale Illustratoren gibt, die aber in puncto Storytelling Nachholbedarf haben. Wie sieht der Charakter aus, welches Problem hat er, wo liegt der Schmerz und wie löse ich ihn auf ... nicht so einfach! Was will ich sagen, wie will ich es sagen und wie sorge ich dafür, dass die Leser oder Zuhörer auch noch Spaß dabei haben? Beim Bilderbuch muss man bei 32 Seiten rasch auf den Punkt kommen, seine Botschaft transportieren. Bei einem Gerade erschien bei Midas Mein Name ist Greta. Das strotzt ja auch voll Botschaften? Zäch: Ich wollte kein Greta-Fanbuch machen. Es beinhaltet viele Fakten, bietet unzählige Anstöße, sich Gedanken zu machen. Die Botschaften sind nicht von oben herab – tu das, tu das nicht. Es zeigt Problemursachen auf und bietet Lösungsvariationen an – es versteht sich klar als Diskussionsgrundlage. Selber denken macht schlau – ist aber ein bisschen anstrengender (lacht). Greta ist von der Kernzielgruppe her für 8- bis 12-Jährige zu sehen. Es ist aber auch für Teenager oder Erwachsene. Inhaltlich ist es sehr dicht – aber verdaubar leicht aufbereitet. Das ist heute wichtig geworden – kurze Textpassagen, viel Bild. Das können die Italiener sehr gut – dort kommt das Buch auch her. Es kommt heute nicht auf den Preis eines Buches an, es geht darum, ob es mich emotional abholt – ich Lust verspüre, es zu lesen. Danke für das Gespräch! sortimenterbrief 9/19 73 ISBN 978-3-03876-150-1, € 25,70


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