Unsere Online-Publikationen zum Blättern

Aufrufe
vor 2 Monaten

sortimenterbrief september 2022

  • Text
  • Nonbook
  • Buchhandlung
  • Spiele
  • Jugendbuch
  • Kinderbuch
  • Sortimenterbrief
  • September
  • Verlag
  • Buch
Das österreichische Branchenmagazin für Buchmarkt, Buchverkauf und Buchwerbung. Ausgabe September 2022.

© Barbara Essl Teresa

© Barbara Essl Teresa Petrovitz im Gespräch mit Andrea Nagele Eine bittersüße und spannungsreiche Weihnachtszeit in Prag Frau Nagele, den Leser:innen sind Sie vor allem durch Ihre beliebten Krimis der Grado-Reihe bekannt, im September erscheint nun Ihr erster Weihnachtsthriller, Bittersüße Weihnachtszeit, im Emons Verlag. Wie kam es zu diesem Projekt? Nagele: Meine Zusammenarbeit mit dem Emons Verlag begann vor vielen Jahren. Zu Anfang schrieb ich hauptsächlich für die Regionalsparte des Verlags − meine Kärnten-Krimis und meine Krimis zum Sehnsuchtsort Grado sind Ausdruck davon. Besonders freut mich, dass bereits fünf Krimis der Grado-Reihe ins Italienische übersetzt wurden. Irgendwann hat mich Hejo Emons dazu eingeladen, einen Titel für die Psychothriller-Sparte des Verlags zu schreiben. Damit hat er bei mir ins Schwarze getroffen, denn eigentlich habe ich mich immer schon als Psychothriller-Autorin verstanden. Du darfst nicht sterben war mein erstes Buch in diesem Genre, daraufhin folgte ein Psychothriller, der in Triest spielt: Sag mir, wen du hörst. Sag mir, wen du siehst. Sag mir, wer du bist. Wie bei den Grado-Krimis ist auch in dieses Buch Ihre Liebe zu Italien eingeschrieben. Nagele: Ich kenne Triest in und auswendig und liebe diese Stadt sehr. In Sag mir, wen du hörst. Sag mir, wen du siehst. Sag mir, wer du bist konnte ich all die Facetten und Themen dieser Stadt verarbeiten, die mir am Herzen liegen: von der Vertreibung der Juden aus Triest über das Wirken von Italo Svevo und James Joyce bis hin zu Franco Basaglias Psychiatriereform, die mich als Psychotherapeutin besonders interessiert. Mein Ausflug in das Thriller-Genre wurde nun durch die Einladung, den Weihnachtsthriller für den Emons Verlag zu schreiben, gekrönt. Bittersüße Weihnachtszeit spielt diesmal nicht in Italien und Österreich, sondern in Dresden und Prag. Welchen Bezug haben Sie zu diesen Städten? Nagele: Meine Tochter lebt in Berlin und vor nicht allzu langer Zeit bat sie mich, ihr noch einige Habseligkeiten zu liefern. Gemeinsam mit einem Freund machte ich mich auf den Weg zu ihr. Bei dieser sehr herausfordernden Tour fuhren wir über Prag und Dresden. Als Kompensation für die Mühen dachte ich mir, dass ich diese beiden Städte als Handlungsorte für meinen Weihnachtsthriller wählen könnte. Den Plot Ihres Buches bildet diesmal eine Kindesentführung, inklusive überraschender und unerwarteter Wendungen. Nagele: Mir und dem Verlag war es wichtig, genügend weihnachtliche Stimmung 18 sortimenterbrief 9/22

einzufangen, aber zugleich viel Spannung zu integrieren. Hinzugefügt habe ich eine Prise Humor und eine Liebesgeschichte. Im Mittelpunkt des Thrillers steht die junge, alleinerziehende Mutter Emma, die mit ihrer vierjährigen Tochter Lucy ziemlich überfordert ist. Ihr egozentrischer Ex-Mann kostet ihr zusätzlich Nerven. Zu Weihnachten beschließt sie, mit Lucy für einen Tapetenwechsel nach Prag zu fahren. Und dort geschieht dann das Unerwartete: die Entführung ihres Kindes. Hier kommt mein zweiter Protagonist ins Spiel, Adam, ein zutiefst unglücklicher Mensch mit einer Vergangenheit, die stark auf ihm lastet. Aus dieser Konstellation ergeben sich dann spannende Wendungen und überraschende Entwicklungen, eingerahmt in eine weihnachtliche Atmosphäre. Sie sind auch als Psychotherapeutin tätig, Ihre Leser:innen schätzen vor allem Ihren tiefenpsychologischen Zugang zu Ihren Figuren. Wie findet dieser Aspekt im Weihnachtsthriller Niederschlag? Nagele: Mir ging es auch in diesem Buch vor allem darum, keine Entweder-Oder-, sondern eine Sowohl-als-auch-Geschichte zu schreiben. Wir alle sind gut und böse, wir alle haben pathologische Anteile in uns, die von Blessuren aus der Vergangenheit und lebensgeschichtlichen Verzerrungen herrühren. Meine Figur Adam ist aufgrund seiner Sozialisation und seiner Lebensgeschichte in etwas hineingeschlittert, das er im Nachhinein zutiefst bereut, das ihn aber auch geprägt hat. Die psychologische Dimension ist für mich der Grund, warum ich so gerne Thriller schreibe. Während es im Krimi insbesondere um die Ermittlungen und das Auflösen des Verbrechens geht, steht im Thriller die Psyche der Figuren im Zentrum. Verdrängtes, Unbewusstes schwelt vor sich hin und tritt im Laufe der Handlung auf spannende Weise in den Vordergrund. Insofern ist der Thriller also ein hervorragendes Genre für Sie als Psychotherapeutin. fesselnder weihnachtsthriller Nagele: Ich denke ja. Ich habe als Leiterin eines Kassenambulatoriums sehr viele Einzelgespräche und Gruppentherapien geführt und dadurch sicherlich einen diagnostischen Blick gewonnen und viele Fallvignetten im Kopf. Was aber nicht bedeutet, dass sich meine Patient:innen in den Figuren wiederfinden könnten. Darauf achte ich sehr. Sie machen sowohl in Österreich als auch in Italien gerne Lesungen zu Ihren Veröffentlichungen. Gibt es bereits Termine für Ihr neues Buch? Nagele: Ich genieße meine Lesetouren sehr, und es stehen bereits Termine für Bittersüße Weihnachtszeit fest. Starten werde ich am 27. September in der Buchhandlung Heyn in Klagenfurt, auch an der Buch Wien werde ich am 24. November teilnehmen. Haben Sie bereits neue Projekte in Angriff genommen? Nagele: Zurzeit schreibe ich an einem neuen Grado-Krimi, der im März erscheinen wird. Außerdem bin ich mit einem Toptitel beschäftigt, einem aufregenden Projekt, zu dem ich aber noch nicht zu viel verraten möchte. Herzlichen Dank für das Gespräch! Andrea Nagele: Bittersüße Weihnachtszeit Ein Weihnachtskrimi 256 Seiten, broschiert 978-3-7408-1272-0, € 13,40 | Emons ET: 22. September Herder- Programm- Highlights Herbst 2022 12,5 x 50,5 cm I 224 Seiten Gebunden mit SU ISBN 978-3-451-60900-8 | € 22,70 (A) Bestsellerautor Gerald Hüther und Kommunikationsexperte Robert Burdy beschreiben Ursachen und Auswirkungen der täglichen Informationsüberflutung. Sie belegen, wie wir durch emotional aufgeladene Botschaften manipuliert werden und welche Gefahren daraus für uns entstehen. Sie fordern eine konsequente Rückbesinnung auf das, was wir für ein friedliches Leben brauchen. Wer diesem inneren Kompass folgt, kann sich im Informationsdschungel nicht mehr verirren. www.herder.de sortimenterbrief 9/22 19


sortimenterbrief

Copyright 2022 | All Rights Reserved | Verlagsbüro Karl Schwarzer Ges.m.b.H.
Empfehlen Sie uns weiter!