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Das österreichische Branchenmagazin für Buchmarkt, Buchverkauf und Buchwerbung. Ausgabe September 2022.

© Elodie Grethen Was

© Elodie Grethen Was brauche ich? Aus diesen Fragestellungen heraus wurde Arbeit zu meinem Herzensthema. Je länger ich mich damit beschäftigte, desto häufiger konnte ich beobachten, dass viele andere an denselben oder ähnlichen Mechanismen leiden. Es war bald offensichtlich, dass das Problem gesamtgesellschaftlich gelöst werden muss. Mit Ihrem Blog www.basicallyinnovative.com, den Sie 2017 ins Leben riefen, begannen Sie dann, das Thema Arbeit öffentlich zu diskutieren und neue Stimmen und Meinungen sichtbar zu machen. Advertorial Teresa Petrovitz im Gespräch mit Lena Marie Glaser »Arbeit muss nicht wehtun, sie darf und soll auch Freude bereiten« Frau Glaser, Sie sind Expertin auf dem Gebiet New Work und somit von neuen Formen des Arbeitens. Nun haben Sie Ihr erstes Buch veröffentlicht, Arbeit auf Augenhöhe. Seit wann beschäftigt Sie das Thema Arbeit? Glaser: Ganz bewusst setze ich mich seit 2017 mit dem Thema auseinander, aus persönlichen Beweggründen heraus. Ich arbeitete damals als Juristin in einem Ministerium. Mein Tätigkeitsbereich war sehr klar definiert, ich hatte fixe Arbeitszeiten und starre Vorgaben. Im Laufe der Jahre bekam ich immer mehr das Gefühl, nur noch auf Grenzen zu stoßen. Ich konnte all meine Ideen, mein Wissen und meinen Enthusiasmus nirgendwo einbringen. Zuletzt musste ich mich regelrecht in die Arbeit zwingen, und ich geriet in eine tiefe Sinnkrise. Dies war aber zugleich der Startpunkt in ein neues, anderes Leben. Ich fragte mich damals: Wie will ich eigentlich arbeiten? Glaser: Mein Blog war der erste wesentliche Schritt. Dabei war mir auch sehr wichtig, das Thema Arbeit aus einer jungen und weiblichen Perspektive zu betrachten und die oft aus männlicher Expertensicht stattfindenden Debatten zu ergänzen. In vielen Gesprächen habe ich versucht, konstruktive Vorschläge für neue Formen des Arbeitens zu finden. Durch Forschungsreisen und wichtige Impulse von Mitstreiter:innen konnte ich viel zusätzliches Wissen sammeln, das ich nun auch in Form von Beratungen weitergebe. Die Quintessenz meiner Erfahrungen, auch was uns die Pandemie mit Blick auf die Arbeit gelehrt hat, findet sich nun in meinem Buch wieder − begleitet von einer Praxis-Toolbox für Führungskräfte wie auch Mitarbeiter:innen, um den New-Work-Gedanken in ihr Arbeitsleben zu integrieren. Eine neue Form des Arbeitens wird insbesondere von den Beschäftigten gefordert. In Ihrem Buch gehen Sie in dieser Hinsicht auf das Phänomen der „Great Resignation“ ein, das mit der Pandemie eingesetzt hat. Glaser: Vieles lag bereits vor der Pandemie im Argen. Sowohl bei den Führungskräften als auch bei den Mitarbeiter:innen war in vielerlei Hinsicht Überforderung vorhanden. Burnouts sind in fast jeder Branche Alltag geworden. Die Pandemie hat bereits 24 sortimenterbrief 9/22

estehende Missstände sichtbarer gemacht und verschärft. Meiner Meinung nach hat aber auch die Leidensfähigkeit der Beschäftigten durch die Pandemie abgenommen. Die Menschen lassen sich nicht mehr alles gefallen und sind sensibler gegenüber Missständen geworden. Manche kündigen lieber und melden sich arbeitslos, als weiter unter unbefriedigenden Bedingungen zu arbeiten. Dazu gibt es viele interessante Studien, die ich auch in meinem Buch anführe. Welche Faktoren belasten die Menschen am meisten? Glaser: Viele Mitarbeiter:innen beklagen zuallererst, dass in ihren Unternehmen, ob groß oder klein, nicht auf Augenhöhe mit ihnen diskutiert wird, daher auch der Titel meines Buches. Zudem fehlt es an Anerkennung und Wertschätzung für die erbrachte Leistung. Ein häufig auftretendes Problem in Unternehmen ist zudem das Fehlen eines vernünftigen und soliden Rahmens, in dem die Krisen und Veränderungen der heutigen Zeit gut gehandelt werden können. Diversität und Inklusion sind ebenfalls ein wichtiges Thema. Die Menschen wollen in ihrer Individualität und zugleich Vielfalt gesehen werden. Egal, ob HR-Managerin, Pflegekraft oder Bäckereiangestellter: Menschen haben Ideen, sie wollen ihre Stimme einbringen und Verbesserungen herbeiführen. Vor allem mit Blick auf junge Frauen sind die Partizipationsmöglichkeiten sehr ausbaufähig. Das war die Mitarbeiter:innen-Seite. Wie reagieren die Unternehmen, gerade auch angesichts des Fachkräftemangels, auf diese Anforderungen? Glaser: Viele Führungskräfte und Personaler:innen sind zurzeit mit zwei Dynamiken konfrontiert, die sie oft überfordern: Zum einen funktioniert das Stellenausschreiben nicht mehr wie früher, manchmal meldet sich niemand, was für die Verantwortlichen eine völlig neue Entwicklung ist. Wenn Bewerber:innen auftauchen, dann stehen sie deren Ansprüchen oft verständnis- oder ratlos gegenüber. Teilzeit, Work-Life-Balance, Mitgestaltungsmöglichkeiten, Verantwortung: Das alles sind Forderungen, die den Horizont mancher Führungskräfte übersteigen. Viele vertreten noch das Denken, dass man vor allem am Anfang der Karriere viel leisten müsse, erst danach habe man das Recht, Forderungen zu stellen. Aber Arbeit muss nicht wehtun, sie darf und soll auch Freude bereiten. Auf diesen Bewusstseinswandel müssen Unternehmen reagieren, damit sie wettbewerbsfähig bleiben. Welche Rolle nehmen Sie in Ihren Beratungen ein? Glaser: Ich sehe mich als Vermittlerin zwischen beiden Seiten und versuche, bei den Unternehmen Verständnis hervorzurufen und Vorurteile abzubauen. Die junge Generation ist nicht faul, sie ist auch nicht verantwortungslos, ihre Ansprüche sind einfach gestiegen. Interesse wecken kann man bei ihnen nur dann, wenn New-Work-Gedanken ein authentischer Teil der Unternehmenskultur werden. Die Verschiebung der Machtverhältnisse von den Unternehmen hin zu den Beschäftigten gilt allerdings nur für Berufe, in denen das Angebot die Nachfrage übersteigt. Gerade im Kulturbereich ist prekäres Arbeiten die Regel. Sehen Sie hier Verbesserungschancen, auch trotz des zusätzlichen finanziellen Drucks durch multiple Krisen? Glaser: In Sparten wie dem Kulturbereich geht die Entwicklung tatsächlich langsamer voran. Die Motivation, etwas zu ändern, ist in den Chefetagen aufgrund des fehlenden Drucks nicht sehr hoch. Als Gegentrend ist aber beobachtbar, dass sich einige in diesem Bereich selbstständig machen. Auch wenn bestimmte Branchen noch nicht vom Arbeitskräftemangel betroffen sind, gilt die arbeit der zukunft es dennoch, vorzubeugen. Themen wie faire Bezahlung, Anerkennung oder flexible Arbeitszeiten sollten ebenso auf ihrer Agenda stehen. Schon allein deshalb, weil Menschen, die Angst haben und sich nicht geschätzt fühlen, weit weniger produktiv sind als Menschen, die sich in ihrem Beruf wohlfühlen und fair behandelt werden. Wie gelingt es Ihnen selbst, die New Work Revolution zu leben? Glaser: Indem ich bewusst lebe und bewusst und achtsam arbeite, mich erhole, wenn ich es brauche. Ich denke nicht, dass es den perfekten Beruf gibt, der uns kontinuierlich glücklich macht, das ist eine Utopie. Die perfekte Balance zu finden, ist keine einfache Aufgabe. Durch meine Berufswahl lebe ich aber im Einklang mit meinen Talenten, Bedürfnissen und Interessen, und das bedeutet sehr viel. Herzlichen Dank für das Gespräch! Lena Marie Glaser: Arbeit auf Augenhöhe Die New Work Revolution: Kreativ denken, neue Wege wagen und die Arbeit der Zukunft solidarisch gestalten ca. 192 Seiten, Hardcover 978-3-218-01330-7, € 24,– (auch als E-Book erhältlich) Kremayr & Scheriau, ET: 12. September sortimenterbrief 9/22 25


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