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sortimenterbrief september 2022

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Das österreichische Branchenmagazin für Buchmarkt, Buchverkauf und Buchwerbung. Ausgabe September 2022.

© Breitschopf Verlag

© Breitschopf Verlag Ossi Hejlek im Gespräch mit KommRat Julius P. Breitschopf 75 Jahre Breitschopf Verlag – drei Generationen Buchmenschen Wo und wie waren die Wurzeln des Breitschopf Verlags? Breitschopf: Wie bei vielen Verlagen ging eine Buchhandlung voraus. Eigentlich war es meine Großmutter, die mit einer Buchhandlung in Wien begann. Sie hatte das damalige k.u.k.-Attest, verkaufte vorwiegend Kinderbücher und Schulbücher. In der Nußdorfer Straße, im 9. Wiener Gemeindebezirk, wurden damals für die Beamtenschaft Bürgerhäuser gebaut, wo auch viele junge Familien einzogen. Dort gründete sie dann mit meinem Großvater eine Buchhandlung, nachdem dieser vom Ersten Weltkrieg heimgekehrt war. Die Buchhandlung war auch während des Zweiten Weltkriegs geöffnet. Damals hatten wir auch noch eine zweite Buchhandlung, die von meiner Mutter geführt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete dann mein Vater am 1. September 1947 den Verlag. Dieser hatte in erster Linie Kinder- und Jugendbücher im Programm. Er versuchte es zu Beginn auch mit Belletristik – was er aber nach kurzer Zeit wieder einstellte. Er konzentrierte sich dann ausschließlich auf die Literatur für Kinder und Jugendliche. Es war die Zeit, als die Geschichten von Puckerl und Muckerl entstanden ... Breitschopf: Die ersten Geschichten von Puckerl und Muckerl kamen 1950 heraus. Es wurden damals in erster Linie Eigenproduktionen verlegt – wir hatten nur ganz wenige Lizenzen. Das ist eigentlich bis heute so geblieben. Wie viele Puckerl und Muckerl-Abenteuer gab es? Breitschopf: Es gab vier Bände, die wir über die Jahrzehnte auch in unterschiedlichen Sammelbänden herausbrachten. Vor fünf Jahren gaben wir 60 sortimenterbrief 9/22

75 jahre breitschopf verlag alle vier Abenteuer in einem Band neu heraus. Wie ging es mit dem Verlag weiter? Breitschopf: In der folgenden Zeit war viel Platz für Neues im Kinderbuchbereich – die Konsument:innen sehnten sich nach den schrecklichen Kriegsjahren nach Geborgenheit, sie waren auf der Suche nach ihrer heilen Welt. Später lief es wie bei so vielen – es war eine verlegerische Berg- und Talfahrt. Im Laufe der Jahre übernahm dann mein Vater auch den Buchhandelsbereich. Und Sie bekamen somit die Lust und Liebe zum Buchhandel und Verlag in die Wiege gelegt? Breitschopf: Ja, nach der Schule lag mein Interesse jedoch am Studieren. Unerwartet starb mein Vater an einem Herzinfarkt. Auf Wunsch meiner Mutter beendete ich mein Studium und übernahm danach die Firma. Ich war damals 28 Jahre alt. Eigentlich wollte ich noch ein wenig sehen von der Welt – auch von der Verlagswelt. Ich hätte die Möglichkeit bekommen, bei Goldmann zu arbeiten. Doch dazu kam es dann nicht mehr. Meine Lebensplanung wurde durch den Tod meines Vaters komplett auf den Kopf gestellt. Interimistisch war der Verlag in den 80er und 90er Jahren im Hause Glöckler angesiedelt. Breitschopf: In dieser Zeit gab es eine Partnerschaft, die 13 Jahre lang anhielt. Danach ging ich 1998/99 mit dem Verlag nach Klosterneuburg und wagte einen kompletten Neustart mit kleinem Team. Eigentlich waren wir damals nur zu zweit. Aber es funktionierte gut. Inhaltliches Verlagsziel waren Sonderproduktionen für Großkunden. Wir produzierten für Karstadt, Hertie, Weltbild ... Im Laufe der Jahre veränderte sich diese Kundenlandschaft sehr. Die früher dominierenden Kaufhausketten verloren an Bedeutung. Zu Beginn waren es also ausschließlich Sondergeschäfte. Das hat sich in der letzten Zeit aber geändert. Breitschopf: Ja, das stimmt. Wir begannen dann, für Buchhandelsketten zu produzierten – bedienten über Jahre sehr gut den MA-Markt. Ich habe mich dann eines Tages auf die Anfänge besonnen – ich bin ja auch gelernter Buchhändler. Irgendwann fasste ich dadurch den Entschluss, neben den Sonderproduktionen auch ein kleines und feines Buchhandelsprogramm zu entwickeln – Bücher, die allen Freude bereiten, vom Buchhandel bis zu den Kindern, und natürlich uns auch! Umso erfreulicher ist es, wie gut diese Schiene läuft. Als erstes Buch kam Nikolaus und Krampus Graus heraus. Was wurde heuer veröffentlicht? Breitschopf: Das Bilderbuch Esel Finn sucht Eselin. Es wurde vom gleichen erfolgreichen Team kreiert, das bereits die Krampus-Bücher machte. Die Texte entstammen der Feder von Michaela Holzinger. Von ihr sind rund 30 Titel lieferbar. Sie erhielt auch zahlreiche Preise, wie den DIXI-Kinderliteraturpreis 2010, den LESERstimmenpreis 2013, das Mira- Lobe-Stipendium 2013 und 2015 sowie eine Nominierung zum Children Book Hay Festival Aarhus 2017. Die Bilder lässt Markus Zöller, ein freischaffender Illustrator aus Heidelberg, entstehen. Er hat bereits für viele Kinderbuchverlage gearbeitet und rund 40 Bücher illustriert. Wir sind sehr glücklich über die Zusammenarbeit mit beiden. Jetzt kommt auch ein neues Weihnachtsbuch heraus. Breitschopf: Wir sind gerade „mittendrin“. Es trägt den Titel Zur Weihnachtszeit. Mittendrin mit Esel Finn. Wer vertritt Sie im Buchhandel? Breitschopf: Die Vertreter von Mohr Morawa. In Deutschland bin ich gerade auf der Suche nach einem geeigneten Vertriebsteam. Das Medienecho ist in ganz Österreich, aber auch in Deutschland hoch erfreulich. So gesehen kann es noch ein wenig so weitergehen (lacht). Das heißt, dass es im Regulärprogramm im Moment rund drei Novitäten im Jahr gibt? Breitschopf: So in etwa. Aber wir haben ja auch noch unsere Sonderproduktionen, denen wir ebenso Aufmerksamkeit schenken müssen. Manche Bücher – wie beispielsweise die Wimmelbücher – eignen sich auch bestens für den Verkauf im Buchhandel. Herzlichen Dank für das Gespräch! sortimenterbrief 9/22 61


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