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sortimenterbrief september 2022

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Das österreichische Branchenmagazin für Buchmarkt, Buchverkauf und Buchwerbung. Ausgabe September 2022.

© Daniela Zedda wird.

© Daniela Zedda wird. Auf Sardinien werden die ganz Alten nicht abgeschoben, sondern sind im Mittelpunkt jeder Familie – denn sie sind der Mittelpunkt. Darauf sind die alten Menschen auch sehr stolz. Man findet starke alte Frauen – teilweise sind sie auch ganz schön stur ... (lacht) Da Sie gerade die Frauen erwähnen – gibt es einen geschlechterspezifischen Unterschied bei der Alterung? Rossmann: Nein – dort nicht. Auf Sardinien gibt es ungefähr gleich viele über hundertjährige Männer und Frauen. Genau weiß man nicht, warum die Aufteilung so ist. Man geht davon aus, dass Verantwortungen stets regelmäßig verteilt waren – es nicht einseitig zu erhöhtem Druck und Stress kam. Welche Rolle spielt die Ernährung beim Alterungsprozess auf Sardinien? Advertorial Ossi Hejlek im Gespräch mit Eva Rossmann Das Motto für ein langes Leben? »Un po’ di tutto!« Im neuen Mira-Valensky-Krimi entführen Sie uns nach Sardinien ... Rossmann: Der Ausgangspunkt ist – wie der Titel schon sagt – der Tod einer Hundertjährigen. In der Ogliastra, einem Teil des sardischen Hochlandes, werden die Menschen so alt wie sonst nur auf einigen anderen Plätzen der Welt. Man trifft hier auf beinahe Hundertjährige, die jeden Tag kleine Arbeiten verrichten und guter Dinge sind. Sardinien ist viel mehr als nur Strand, Tourismus, Urlaubsfeeling – das möchte ich aufzeigen. Warum werden die Menschen so alt? Rossmann: Das habe ich recherchiert, aber es ist so ähnlich wie bei guten Krimis: Nicht alles lässt sich restlos klären – es ist einfach und kompliziert zugleich. Es gibt nicht die eine Ursache. Es hat mit Genetik zu tun, aber viel mehr noch mit der Lebensweise. Es ist ein wahres Bündel von Fakten, das dazu führt. Auch die gute Luft trägt dazu bei, es geht darum, respektiert zu werden, eine Beschäftigung zu haben, damit man in Bewegung bleibt und nicht an den Rand gestellt Rossmann: Die trägt viel dazu bei. Die Menschen essen das, was verfügbar ist, und nicht viel Fleisch. Manche schwören auf die Minestrone Sarda – eine üppige Suppe aus Gemüse, Bohnen, Kichererbsen und Fregola, der sardischen Pasta. Mittlerweile weiß man, dass Menschen aus Gegenden, in denen viele Hülsenfrüchte gegessen werden, besonders lange leben. Auf Sardinien hält man das Lebensmotto „Un po’ di tutto“ – „Ein wenig von allem“ – hoch. Welche Rolle spielt der Alkohol im Alltag der Sarden? © Rossmann privat 04 sortimenterbrief 9/22

Rossmann: Männer trinken Alkohol, Frauen eher wenig. Wenn man sie jedoch fragt, ob sie Mirto – den sardischen Myrthenlikör – trinken, dann antworten alle mit: Ja, sicher! Sie sehen Mirto weniger als Alkohol, sondern mehr als Medizin (lacht). Wenn man Ihnen beim Erzählen über Ihre Wahlheimat zuhört, dann hört sich das alles sehr liebenswert an ... Rossmann: So ist es auch. Meine Lebenserfahrung zeigt mir, dass es überall die gleiche Anzahl von Schwierigen gibt. Zu glauben, dass es diese auf Sardinien nicht gäbe, wäre verfehlt. Was mir bei einigen Menschen auf Sardinien besonders gefällt: Sie sind entspannt und offen – dabei aber keineswegs unterwürfig. Die Unterwürfigkeit im Tourismus, die in manchen Gegenden Österreichs bzw. auf der ganzen Welt herrscht, habe ich auf Sardinien nie erlebt. Man findet Menschen mit großer Freundlichkeit und starkem Selbstwertgefühl – alle sind immens stolz auf ihr Land. Es ist eine Art von positivem Patriotismus, der andere nicht ausschließt. Sie sind auch auf ihre Hundertjährigen total stolz. Wer Sie kennt, weiß, dass Sie auch privat eine große Nähe zu Sardinien haben ... Rossmann: Ja, mein Mann und ich leben einen Teil des Jahres auf Sardinien. Begonnen hat alles einst mit einer Einladung zum Literaturfestival Isola delle Storie. Mittlerweile haben wir großartige Menschen, faszinierende und doch so unterschiedliche Landschaften, eine wunderbare Küche und eine jahrtausendealte Geschichte kennen und lieben gelernt. Ich wollte den Krimi auch dazu nutzen, über Sardinien abseits des Urlaubsszenarios zu erzählen. Wie viel Zeit verbringen Sie im Jahr auf Sardinien? Rossmann: In Coronazeiten war es etwas weniger. Im Moment versuchen wir aufzuholen ... Ich denke, es ist die Hälfte des Jahres. Es gibt dort noch so viel zu entdecken. Nicht nur die Sommer- Strand-Hotspots – auch das Hochland ist einzigartig: menschenleer, unverbaut und ursprünglich. Und die kulinarische Komponente kommt hier natürlich nicht zu kurz. Es gibt nicht die eine Sardische Küche, es gibt mindestens zwei: nämlich die Cucina povera – die reduzierte Küche aus den Berggebieten – und die Meeresküche aus den Küstenregionen. Ich liebe die sardischen Gerichte! Sardinien ist also für viele ein Sehnsuchtsort – so auch für Vesna und Mira? Rossmann: Ja, natürlich! Und nicht nur als Urlaubsparadies, da man auf dieser so vielfältigen Insel wunderbar ausspannen kann. Das Langlebigkeitsphänomen zieht viele Wissenschaftler und Glückssucher an. Für mich war es ein guter Ausgangspunkt für die Story, auch in Anbetracht der grassierenden Heilsversprechen durch die sogenannte Naturmedizin und unserer Sehnsucht nach einem langen, glücklichen Leben. Mittlerweile wurde das zu einem Milliardengeschäft. Ein perfektes Thema für Mira, die im Buch – so wie ich – heuer 60 geworden ist: Es verschlägt die beiden auf die Insel, da Jana, die Tochter von Vesna, auf Sardinien ist und erfährt, dass es beim Tod einer 102-Jährigen nicht mit rechten Dingen zugegangen sein soll. Vor Ort stoßen sie dann unter anderem auf Menschen, die mit Nahrungsergänzungsmitteln ihre Geschäfte machen. Ich versuche, die Wege und Abwege in diesem Zusammenhang ein wenig zu beleuchten. Zum Alterungsthema habe ich übrigens bei Universitätsprofessor Giovanni Mario Pes von der Universität in Sassari recherchiert. Er war der Erste, der sich mit der erstaunlichen Langlebigkeit in den sardischen Bergen ausführlich beschäftigt hat, und ist eine wahre Koryphäe. Mir war es aber auch ganz wichtig, vom Alltagsleben der Menschen auf Sardinien zu erzählen, abseits von Urlaubs- und Italienklischees. Auch architektonische Besonderheiten sehnsuchtsort sardinien Sardiniens finden ihren Platz im Buch. Rossmann: Am Rande. Die Nuraghen, die ich im Buch erwähne, sind bronzezeitlichen Ursprungs. Sie sind geheimnisvolle, riesige Bauwerke, von denen man heute noch nicht genau weiß, welche Aufgabe sie erfüllten. Waren es Befestigungsanlagen, Kultstätten ...? Von wo stammt der humorige Sinnspruch „Ein Schaf im Abendkleid ist trotzdem keine Diva“, der am Plakat zum Buch abgedruckt ist? Rossmann: Die Sarden haben fast so viele Schaf-Sprüche wie Schafe! Diesen habe ich erfunden – er kommt als Kommentar von Tsia Grazia mit Blick auf ihren Enkel vor, der gern in einem Blazer mit Goldknöpfen herumspaziert. Wird aufgrund des sardischen Plots auch auf Sardinien einiges passieren? Rossmann: Ich wurde schon vermehrt auf Veranstaltungen angesprochen – würde mich aber auch sehr über eine Übersetzung freuen ... Herzlichen Dank für das Gespräch! Eva Rossmann Tod einer Hundertjährigen Ein Mira-Valensky-Krimi 304 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag ISBN 978-3-85256-862-1, € 24,– | Folio Verlag sortimenterbrief 9/22 05


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