© verlagsbüro schwarzer Gruppe, die vermietet werden - das spielt aber keine relevante Rolle. Alles in allem sind wir über die Jahre ein durch und durch österreichisches Familienunternehmen geblieben. Das ist heutzutage nicht selbstverständlich Vor dem Sommer haben Sie noch über Veränderungen im Führungsbereich bei Mohr Morawa berichtet. Können Sie die Neuerungen kurz zusammenfassen? Rick: Nach den vielen Verlagszugängen bei Mohr Morawa in den letzten Jahren und durch die Umstellung auf das neue ERP-System erkannte ich, dass es absolut Sinn macht, die Geschäftsführung in der Auslieferung zu verstärken. Mit Anfang Juni übernahm Antoinette Henriquez, die bereits mehrere Jahre in der Geschäftsleitung für den Bereich Kundenservice tätig war, nun gemeinsam mit Rainer Fritthum die Geschäftsführung. Sie ist seit beachtlichen 35 Jahren in der Morawa-Gruppe tätig, hatte auch schon viele Jahre die Geschäftsführung vom Lesezirkel und das Business Abo über. Ossi Hejlek im Gespräch mit dem CEO der Morawa Group KR Wolfgang Rick »Wir müssen uns am Zeitgeist orientieren, immer offen und am Puls der Zeit sein« Sie selbst sind parallel aus der Geschäftsführung bei Mohr Morawa ausgeschieden. Warum? Rick: Der Gesellschaftsvertrag von Mohr Morawa sieht maximal zwei Geschäftsführer vor. Das war der Grund, warum ich mich aus der Geschäftsführung von Mohr Morawa zurückzog. Bedeutet: Alles, was ich bisher tat, mache ich weiter. Die Geschäftsführung obliegt de facto nun Frau Henriquez und Herrn Fritthum. Wie definieren sich die unterschiedlichen Geschäftsbereiche in der Morawa-Gruppe? Können Sie uns bitte einen kleinen Überblick geben? Rick: Im Wesentlichen teilt sich die Morawa-Gruppe in folgende Teile. Die Morawa Holding versteht sich als Mutter. Ein Bereich ist der Buch-Einzelhandel, der sich in verschiedene Tochtergesellschaften gliedert. Ein weiterer Bereich ist der Buch-Großhandel in Form von Mohr Morawa. Eine starke Säule in unserer Gruppe ist das Transportwesen. Last, but not least gehören auch der Lesezirkel und das Business Abo dazu. Nebenbei gibt es noch einige Immobilien im Besitz der Wie teilen Henriquez und Fritthum sich die Agenden auf? Rick: Der Bereich Buchhandelskunden und Verlage wird durch Herrn Fritthum betreut. Transport, Logistik, Internes obliegen Frau Henriquez. Im Hintergrund werden beide sich auch zu 100 % vertreten können. Das war mein Ziel. 18 sortimenterbrief 09/25
morawa: viele geschäftsfelder und gut am weg Parallel ging nun auch Peter Kargl nach 35 Jahren in Pension. Wie wurde seine Position nachbesetzt? Rick: Wir haben in diesem Bereich alles neu aufgestellt. Meine Schwiegertochter Magdalena Rick erhielt die Prokura und übernahm die Position von Herrn Kargl - sie war bislang als Assistentin der Geschäftsführung tätig, leitet nun den Bereich Einkauf und Vertrieb im Rahmen der Geschäftsleitung. Ebenso wurde die Position der Vertriebsleitung neu besetzt. Diese hat nun Markus Gottsbachner über, der auf Deborah Söregi nachfolgte - sie hat das Unternehmen verlassen. Den Bereich Geschäftsleitung Logistik hat unverändert Prok. Nikolaus Henickl über. Schön, dass Sie die Nachbesetzungen alle aus den eigenen Reihen bewerkstelligen konnten ... Rick: Ja, darauf achte ich stets. Daher freut es mich auch, dass es uns so gut gelungen ist. Wie läuft es grundsätzlich in der Auslieferung? Rick: Wir haben sehr mit der Kostenstruktur zu kämpfen - die Kollektivvertragserhöhungen bekamen wir stark zu spüren. Wir haben ein sehr personalintensives Unternehmen, da wirken sich Erhöhungen der Personalkosten um etwa 20 % in drei Jahren dramatisch auf das Unternehmen aus. Wir sind rund 250 Leute. Wer mag, kann hochrechnen, was das bedeutet. Parallel führte der deutlich niedrigere Inflationsdruck in Deutschland zu entsprechend geringeren Preisanpassungen, als es in Österreich der Fall war. Ich bin gespannt, wie man diesbezüglich pro futuro agiert - auch was die kommenden Kollektivverhandlungen ergeben. Genau in dieser Zeit in ein neues System zu investieren, ist ja auch ein sehr beherzter Schritt ... Rick: Wohl wahr. Aber wir müssen und wir wollen die Qualität hochhalten. Das alte System war eine Eigenproduktion ... 30 Jahre alt - natürlich mit regelmäßigen Adaptierungen. Die Computersprache, mit der die Software geschrieben wurde, kann heute niemand mehr ... Wir waren dadurch auch bis zu einem gewissen Grad gezwungen, den großen Schritt zu machen. Natürlich geht so etwas leider immer mit Komplikationen einher. Ich denke aber, dass wir mittlerweile gut am Weg sind. An dieser Stelle danke ich allen intern und besonders auch im Buchhandel für die Geduld und das Mitwirken an der Optimierung. Und wie läuft es bei den Buchhandlungen? Rick: Wir versuchten, in den letzten Jahren expansiver zu sein. Wir haben ein offenes Ohr für Kolleg:innen, die an einer Nachfolgeregelung interessiert sind. So kam es auch zur Übernahme der Buchhandlung Alex in Linz. Dadurch kamen auch wir als Morawa nach einigen Jahren wieder nach Oberösterreich zurück. Wir haben Höllrigl in Salzburg übernommen und umgebaut. Der Response der Kund:innen war extrem gut - spiegelt sich auch deutlich im Umsatz wider. Diesen Effekt merken wir bei allen Filialen, die wir jüngst umgebaut haben. Wir werden sukzessive auch weitere Filialen modernisieren. Aber alles step by step. Und im Juni haben Sie die Mariahilfer Straße eröffnet ... Rick: Die Buchhandlung ist gut angelaufen, das Konzept mit eigenem Café wird auch gut angenommen. Natürlich ist der Hochsommer nicht die Zeit des Flanierens im Buchhandel. Der Herbst wird jetzt zeigen, wie gut es tatsächlich gehen wird. Aber den Erfahrungen der ersten Monate zufolge sind wir sehr zuversichtlich. Auch dürften wir mit der Vinyl-Abteilung eine gute Entscheidung getroffen haben. Das Konzept ist auch schon bei Moser in Graz aufgegangen. Was den Buchhandel betrifft, kann man zusammenfassen: Wir wollen und werden auch weiterhin wachsen - aber auf einem gesunden Wege. Wie läuft das Speditions-Geschäft? Rick: Bis auf vereinzelte Zustellungen für Buchhändler im Schulbuchbereich hat Morawa-Berchtold Transporte kaum etwas mit dem Buchhandel zu tun. Unser größter Kunde ist in diesem Bereich die Firma HOFER. Heuer haben wir auch eine Tochterfirma in Italien am Kalterer See gegründet. Was gibt es sonst noch zu erwähnen? Rick: Den Bereich Business Abo hatte ich anfangs erwähnt. Damit hat Morawa 1877 begonnen. Damals wurden aus den Kronländern die Zeitungen gekauft und damit die Wiener Kaffeehäuser beliefert. Das Geschäft hat sich sehr gewandelt. Viele Medienpakete und Fortsetzungswerke gehen heute an Großabnehmer. Dann gibt es auch noch den Lesezirkel. Als ich vor 43 Jahren in der Firma begann, dacht ich mir, dass der Lesezirkel total altmodisch ist ... Es gibt ihn immer noch (lacht). Natürlich eingeschränkt. Wie performt der Online-Shop? Rick: Das ist ein Bereich, der konstant Investitionen verlangt. Und natürlich kämpfen wir, wie alle Unternehmen, gegen die große internationale Konkurrenz. Hier braucht es tagtägliche Aufklärungsarbeit bei den Kund:innen. Die Umsätze sind dankenswerterweise während der Pandemiezeit enorm gestiegen, sind aber mittlerweile wieder auf Vor-Corona-Niveau. Das höre ich auch von anderen Seiten. Aber grundsätzlich läuft der Shop sehr gut. Es sind aber auch die Trends, wie New Adult, Young Adult, Manga, Vinyl etc., wo wir mitgehen. In der Regel auch erfolgreich sind. Ebenso performen Bücher in englischer Sprache sehr stark, werden intensiv von der jungen Zielgruppe nachgefragt. Wir müssen uns am Zeitgeist orientieren - immer offen und am Puls der Zeit sein! Herzlichen Dank für das Gespräch! sortimenterbrief 09/25 19
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